Ilchane

Geschichte der Ilchane
das ist
der Mongolen in Persien

von

Hammer-Purgstall

mit neuen Beilagen und neuen Stammtafeln

Darmstadt. Druck und Verlag von Carl Wilhelm Leske. 1842.

Inhaltsverzeichnis

Fünftes Buch

Die Landschaften Kumis und Taberistan; die Scheiche von Semnan, Demaghan und Bostam.

Der Schauplatz, in welchem der Krieg zwischen Teguder und Arghun jetzt geführt ward, sind die beiden Landschaften Taberistan und Kumis, welche nördlich von Masenderan, westlich vom persischen Irak, östlich und südlich von Chorasan begränzt, insgemein von den Reisebeschreibern zu dem nördlichen Chorasan gerechnet werden, wiewohl alle morgenländischen Erdbeschreibungen dieselben als zwei besondere Landschaften aufführen; sie ziehen sich längs des Gebirges hin, so dass Taberistan die untere südwestliche, unmittelbar an das Gebiet von Tehran stossende, Kumis die nordöstliche obere. In der ersten lagen einige der berühmtesten Schlösser der Assassinen, deren schon bei der Eroberung derselben durch Hulagu Erwähnung geschehen, wie Firuskjuh, d. i. der Glücksberg, und Girdkjuh, d. i. der Gürtelberg; die Hauptstadt ist Demawend, gleichen Namen mit dem Berge führend, in dessen Klüfte die persischen Heldensagen den Kerker des von Dämonen gefolterten Tyrannen Sohak verlegen; das Gebirgsland Taberistan mit seinen Felsenpässen, deren berühmtester der kaspische (wahrscheinlich der südliche Pass von Charwar), liegt dem persischen Oesterreich (Chorasan) wie Tyrol dem europäischen Chorasan (Oesterreich) als Schutzwehr vor. Das obere Gebirgsland Kumis zerfällt in vier Distrikte von Schahrud, Semnan, Demaghan, Bostam, wovon der erste nach dem Berge und Flusse so genannt ist, die anderen drei aber nach den gleichnamigen Städten. Semnan, die südwestlichste dieser drei Städte, am Rande der Wüste, unmittelbar nach dem Austritte aus dem kaspischen Passe, gelegen, kleiner als Demaghan, grösser als Bostam, ist sowohl durch seine Pistazien und Feigen, als durch den hier geborenen und begrabenen grossen Scheich Alaeddewlet Semnani berühmt. „In dieser alten Stadt“, sagt Fraser, „herrscht eine wunderbare Verschiedenheit der Gebäude, grosse luftige Häuser von sonnengetrockneten Ziegeln und Lehm in der Form von Schlössern, mit Schiesslöchern, Basteien und Thürmen versehen, unstreitig von hohem Alterthume; viele tiefe Klüfte innerhalb der Stadtmauern, welche ihren Ursprung der Wirkung von Gewässern zu danken scheinen, bilden Höhlen, welche ihren Einwohnern und ihren Heerden zum Aufenthalte dienen und von ihnen den zahlreichen Ruinen ober der Erde vorgezogen werden.“ Das Bad der Stadt ward schon im sechsten Jahrhundert der Hidschret erbaut. Die Inschriften anderer Denkmäler gehören der späteren Zeit, der Dynastie Ssafewi an. In der Nähe ist die von persischen Geschichten und auch von Fraser erwähnte Windquelle, welche, verunreinigt, Sturm und Ungewitter verursacht, eine auch in Europa mehreren Quellen und Höhlen auf hohen Gebirgen gemeinsame Volkssage. Demaghan, deren Erbauung von persischen Geschichtschreibern und Geographen dem Huscheng, dem zweiten der alten persischen Könige, zugeschrieben wird (der erste Keiomeers, der Stiermann des Budehesch), an dem Zusammenlauf der Strassen von Chorasan, Kuhistan, Masenderan und Irak gelegen, stand wahrscheinlich an der Stelle des alten Hekatompylos, der Stadt von hundert Thoren oder Pässen, in dessen Nähe der Fluss Stiboetes aus einer schönen Felsenhöhle entsprang; diess ist der von den morgenländischen Erdbeschreibern gerühmte Chosrewi, welcher sich in hundert und zwanzig unterirdische Bäche vertheilt; die Stadt liegt heute in Ruinen; das berühmteste Grabmal ist das der vierzig Köpfe oder Töchter, und von den berühmtesten Scheichen der Ssofi ist Ebu Dschaafer Demaghani nach der Stadt genannt. Von den Scheichen von Demaghan und den von Semnan geht weit im Rufe der Heiligkeit und Wunderthätigkeit der Scheich Ebu Jesid von Bostam, der dritten Hauptstadt von Kumis, vor. Schon in der Hälfte des dritten Jahrhunderts der Hidschret gestorben, war er der Stifter des nach seinem Namen genannten Ordens der Derwische Bostami; auch als Geburtsort späterer Gelehrten ist Bostam berühmt, aber doch keiner, wie der Scheich Ebu Jesid oder Bajesid, von dem die Antworten auf die Frage: wo sein Vaterland? Mein Vaterland ist unter dem höchsten Himmel, und auf die Frage: Wie bist du zu Gott gelangt? Indem ich über mich hinausgegangen; und dessen Sterbegebet: Mein Gott! was ich in meinem Leben zu dir gebetet, war lauer Vollzug von Gebot, und wenn ich dir gedienet, war's flauer Dienst in der Noth.

© seit 2006 - m-haditec GmbH - info@eslam.de