Ilchane

Geschichte der Ilchane
das ist
der Mongolen in Persien

von

Hammer-Purgstall

mit neuen Beilagen und neuen Stammtafeln

Darmstadt. Druck und Verlag von Carl Wilhelm Leske. 1842.

Inhaltsverzeichnis

Fünftes Buch

Eroberung von Kalaaterrum; Bothschaft Tuktai's; Papiergeld.

Gleichzeitig mit der Dämpfung der Unruhen in Irak und Fars traf die Nachricht ein, dass Melik Eschref, der Sultan Aegyptens, Kalaaterrum am Uebergange des Euphrats belagere. Zwanzig Wurfmaschinen spieen durch drei und dreissig Tage Steine und Naftafeuer hinein; endlich ward die Stadt durch Sturm erobert, die Besatzung, welche aus Mongolen und Armeniern bestand, niedergehauen, zwölfhundert Einwohner mit Weibern und Kindern in die Sklaverei geschleppt. Kalaaterrum, das Schloss der Römer, von diesen und den Griechen Zeugma, d. i. die Ueberfuhrt, genannt, das ober Bire, dem alten Birthe, am Flusse Merseban liegt, war seit vier und zwanzig Jahren der Sitz des armenischen Patriarchen, dessen Pallast und Kirche bei der Einnahme in Flammen aufgingen. Sultan Eschref, welcher das Jahr vorher durch die Eroberung Akka's Syrien von den Kreuzfahrern gereinigt hatte, verwandelte den Namen des Römer- oder Griechenschlosses in den des Schlosses der Moslimin; aber der alte lebte dennoch fort, und hat sich bis auf den heutigen Tag erhalten. Kendschatu vermählte sich jetzt mit der Frau Bulughan, der geliebten Gemahlin seines Vorfahrers und seines Bruders Arghun. Tekia oder Tetkaul starb in dem Pallaste Manssurije zu Arran und wurde nach Meragha bestattet. Von Meragha begab sich der Hof nach Siahkuh, wo ein Gesandter Kuwindschi's, des Sohnes Sertaktai's, des Zweitgebornen Dschudschi's, des Oberhauptes der weissen Horde, mit Versicherungen von Freiheit und Eintracht, und zwei Tage darnach die Gesandten Urugt Timur Aghul's, des Sohnes Kaidu's, des Enkels Ogotai's, mit dem Glückwunsche desselben, auch Gesandte von Emir Newrus, welcher in Chorasan die Regierung an sich gerissen. Zugleich mit diesen Gesandten der Uluse Dschudschi's und Ogotai's trafen die Gemahlinnen Kendschatu's, Aische aus Kleinasien und Baitmisch aus Diarbekr ein. Kerrai Aghul, der Sohn Mengku Timur's (des ältesten Sohnes Hulagu's) mit den Emiren Doladai und Kundschukbal, welche nach Chorasan gesendet worden, kehrten zurück. Das Hoflager zog nach Audschan, von da nach Heschtrud, Meragha und Arran, wo überwintert ward. In diesem Winterquartier wurde die Geburt des zweiten Sohnes Kendschatu's, des Prinzen Iranschah, zu Bire gefeiert. Drei Tage hernach traf die Botschaft Tuktai's, des Herrschers von Kipdschak, ein, deren Vorsteher der Prinz Kalintai. Zu Delan Nawer wurde denselben Gehör gewährt. Nach drei Wochen wurden dieselben mit Ehrenbezeugungen entlassen, nachdem sie noch Tags vorher der Grundsteinlegung der neuen Stadt am Ufer des Kor beigewohnt, welche den Namen Kotlogh Baligh, d. i. der guten Balley, erhielt. Kerrai Aghul, welcher vor noch eilf Monaten aus Chorasan zurückgekehrt war, ging mit Tod ab, und neun Tage hierauf erschien Prinz Baidu im Hoflager zu Alatak, um seine Huldigung darzubringen; er ward ungnädig empfangen, und erhielt die Erlaubniss seiner Rückkehr nur auf die Fürbitte des Günstlings Burakin Ikadschi, dessen Einfluss, wie oben erzählt worden, dem Ssadreddin von Sendschan die Wesirsstelle verschafft hatte. Dieser wollte seiner Finanzverwaltung Ruhm verleihen durch eine neue, in China längst übliche, aber in Persien unerhörte Massregel, nämlich durch die Einführung des Papiergeldes, das auf mongolisch Tschaw heisst. Vergebens stellte Schiktur Nujan vor, dass diese Massregel der Ruin des Landes; er wurde aus dem Wege geräumt. Der Emir Akbuka, Taghadschar, der Wesir Ssadreddin und der Hofdiener Temachi verfügten sich nach Tebris, um dort das Papiergeld einzuführen; sie kamen dort im Fastenmonde an, und führten dasselbe fünf Wochen nach ihrer Ankunft vermöge einer Verordnung ein, welche dasselbe in allen Zahlungen an Geldes statt anzunehmen befahl und auf die Nichtannahme die Todesstrafe setzte. Dieser den Bewohnern von Tebris unvergessliche unheilsame Tag war der zwölfte September. Eine Woche lang ward dasselbe durch die Gewalt des Schwertes den Einwohnern aufgezwungen; bald aber stieg die Verwirrung auf's höchste, indem aller Handel und Wandel gehemmt ward. Der Namen desselben ward als gebenedeites Papiergeld zum Spotte. Das Gepräge dieses Papiergeldes war das mohammedanische Glaubensbekenntniss mit der geheimnissvollen Formel: Irdschin Turdschin, und die Jahreszahl der Entstehung 693 (1294). Iseddin Mosaffer, welcher dem Wesir diesen Auftrag gegeben, war der Gegenstand der allgemeinen Verwünschung. Wiederholte Aufstände und Versuche, dem Wesir das Leben zu nehmen, erzwangen vom Bruder endlich die Erlaubniss, das Vorhandene um baares Geld verkaufen zu dürfen. Darüber entstand allgemeiner Jubel und endlich wurde die Aufhebung desselben nach ein Paar Monaten befohlen. Prinz Aghul in Chorasan hatte dasselbe nie angenommen und sich damit entschuldigt, dass die Luft, welche in Chorasan so scharf, dass Waffen binnen Jahresfrist rosteten, das Papier bald zerfressen haben würde, und liess das ihm zugeschickte verbrennen; wir setzen die Schilderung der Folgen dieser Massregel mit Wassaf's eigenen Worten hieher.

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