Fünftes Buch
Eroberung von Kalaaterrum; Bothschaft Tuktai's;
Papiergeld.
Gleichzeitig mit der Dämpfung der Unruhen in Irak und Fars
traf die Nachricht ein, dass Melik Eschref, der Sultan
Aegyptens, Kalaaterrum am Uebergange des Euphrats belagere.
Zwanzig Wurfmaschinen spieen durch drei und dreissig Tage
Steine und Naftafeuer hinein; endlich ward die Stadt durch
Sturm erobert, die Besatzung, welche aus Mongolen und
Armeniern bestand, niedergehauen, zwölfhundert Einwohner mit
Weibern und Kindern in die Sklaverei geschleppt. Kalaaterrum,
das Schloss der Römer, von diesen und den Griechen Zeugma, d.
i. die Ueberfuhrt, genannt, das ober Bire, dem alten Birthe,
am Flusse Merseban liegt, war seit vier und zwanzig Jahren der
Sitz des armenischen Patriarchen, dessen Pallast und Kirche
bei der Einnahme in Flammen aufgingen. Sultan Eschref, welcher
das Jahr vorher durch die Eroberung Akka's Syrien von den
Kreuzfahrern gereinigt hatte, verwandelte den Namen des Römer-
oder Griechenschlosses in den des Schlosses der Moslimin; aber
der alte lebte dennoch fort, und hat sich bis auf den heutigen
Tag erhalten. Kendschatu vermählte sich jetzt mit der Frau
Bulughan, der geliebten Gemahlin seines Vorfahrers und seines
Bruders Arghun. Tekia oder Tetkaul starb in dem Pallaste
Manssurije zu Arran und wurde nach Meragha bestattet. Von
Meragha begab sich der Hof nach Siahkuh, wo ein Gesandter
Kuwindschi's, des Sohnes Sertaktai's, des Zweitgebornen
Dschudschi's, des Oberhauptes der weissen Horde, mit
Versicherungen von Freiheit und Eintracht, und zwei Tage
darnach die Gesandten Urugt Timur Aghul's, des Sohnes Kaidu's,
des Enkels Ogotai's, mit dem Glückwunsche desselben, auch
Gesandte von Emir Newrus, welcher in Chorasan die Regierung an
sich gerissen. Zugleich mit diesen Gesandten der Uluse
Dschudschi's und Ogotai's trafen die Gemahlinnen Kendschatu's,
Aische aus Kleinasien und Baitmisch aus Diarbekr ein. Kerrai
Aghul, der Sohn Mengku Timur's (des ältesten Sohnes Hulagu's)
mit den Emiren Doladai und Kundschukbal, welche nach Chorasan
gesendet worden, kehrten zurück. Das Hoflager zog nach
Audschan, von da nach Heschtrud, Meragha und Arran, wo
überwintert ward. In diesem Winterquartier wurde die Geburt
des zweiten Sohnes Kendschatu's, des Prinzen Iranschah, zu
Bire gefeiert. Drei Tage hernach traf die Botschaft Tuktai's,
des Herrschers von Kipdschak, ein, deren Vorsteher der Prinz
Kalintai. Zu Delan Nawer wurde denselben Gehör gewährt. Nach
drei Wochen wurden dieselben mit Ehrenbezeugungen entlassen,
nachdem sie noch Tags vorher der Grundsteinlegung der neuen
Stadt am Ufer des Kor beigewohnt, welche den Namen Kotlogh
Baligh, d. i. der guten Balley, erhielt. Kerrai Aghul, welcher
vor noch eilf Monaten aus Chorasan zurückgekehrt war, ging mit
Tod ab, und neun Tage hierauf erschien Prinz Baidu im Hoflager
zu Alatak, um seine Huldigung darzubringen; er ward ungnädig
empfangen, und erhielt die Erlaubniss seiner Rückkehr nur auf
die Fürbitte des Günstlings Burakin Ikadschi, dessen Einfluss,
wie oben erzählt worden, dem Ssadreddin von Sendschan die
Wesirsstelle verschafft hatte. Dieser wollte seiner
Finanzverwaltung Ruhm verleihen durch eine neue, in China
längst übliche, aber in Persien unerhörte Massregel, nämlich
durch die Einführung des Papiergeldes, das auf mongolisch
Tschaw heisst. Vergebens stellte Schiktur Nujan vor, dass
diese Massregel der Ruin des Landes; er wurde aus dem Wege
geräumt. Der Emir Akbuka, Taghadschar, der Wesir Ssadreddin
und der Hofdiener Temachi verfügten sich nach Tebris, um dort
das Papiergeld einzuführen; sie kamen dort im Fastenmonde an,
und führten dasselbe fünf Wochen nach ihrer Ankunft vermöge
einer Verordnung ein, welche dasselbe in allen Zahlungen an
Geldes statt anzunehmen befahl und auf die Nichtannahme die
Todesstrafe setzte. Dieser den Bewohnern von Tebris
unvergessliche unheilsame Tag war der zwölfte September. Eine
Woche lang ward dasselbe durch die Gewalt des Schwertes den
Einwohnern aufgezwungen; bald aber stieg die Verwirrung auf's
höchste, indem aller Handel und Wandel gehemmt ward. Der Namen
desselben ward als gebenedeites Papiergeld zum Spotte. Das
Gepräge dieses Papiergeldes war das mohammedanische
Glaubensbekenntniss mit der geheimnissvollen Formel: Irdschin
Turdschin, und die Jahreszahl der Entstehung 693 (1294).
Iseddin Mosaffer, welcher dem Wesir diesen Auftrag gegeben,
war der Gegenstand der allgemeinen Verwünschung. Wiederholte
Aufstände und Versuche, dem Wesir das Leben zu nehmen,
erzwangen vom Bruder endlich die Erlaubniss, das Vorhandene um
baares Geld verkaufen zu dürfen. Darüber entstand allgemeiner
Jubel und endlich wurde die Aufhebung desselben nach ein Paar
Monaten befohlen. Prinz Aghul in Chorasan hatte dasselbe nie
angenommen und sich damit entschuldigt, dass die Luft, welche
in Chorasan so scharf, dass Waffen binnen Jahresfrist
rosteten, das Papier bald zerfressen haben würde, und liess
das ihm zugeschickte verbrennen; wir setzen die Schilderung
der Folgen dieser Massregel mit Wassaf's eigenen Worten hieher. |