Fünftes Buch
Feldzug gegen Derbend; Bauten.
In der herbstlichen Tag- und Nachtgleiche dieses Jahres
begab sich Arghun, welcher auch ein Freund der Astronomie,
wiewohl er mit Vorliebe Alchymie trieb, nach Meragha, um die
Sternwarte zu besuchen; in der folgenden Tag- und Nachtgleiche
des Frühlings verehrte er der Frau Bulughan, der Tochter
Otaman's, des Sohnes Obotai Nujan's des Konghuraten, das Lager
der verstorbenen Frau Bulughan, welche aus dem Hareme des
Grossvaters Hulagu und des Vaters Abaka in das seine
übergegangen war. Vier Tage nach vollzogener Hochzeit kamen
Boten, welche feindlichen Einfall an der Gränze von Derbend
meldeten. Die Emire Schiktur Nujan, Kundschukbal und
Taghadschar wurden allsogleich aufzusitzen befehligt. Der Chan
begab sich nach Pilsuwar und rückte mit dem schweren Gepäcke
bis Schaburan vor; am Ufer des Karasu traf der Vortrab der
beiden Heere auf einander. Das feindliche befehligte Abadschi
und Mengli, die beiden Söhne Mengku Timur's, des Herrschers
von Kipdschak, und der Feldherr Nokai; das Arghun's: die Emire
Taghadschar, Kundschukbal, Toghruldsche und Taidschu, der Sohn
Bukuwa's; die letzten drei setzten über den Fluss, schlugen
die Kipdschaken, tödteten ihnen dreihundert Mann und machten
mehrere Gefangene. Hierauf wurde zu Pilsuwar der Sieg mit
Festen gefeiert, und Seaadeddewlet sandte die frohe Nachricht
mittels Siegesschreiben durch's Reich. Da die Ruhe an der
Gränze von Derbend hergestellt war, wandte sich Taghadschar
nach der östlichen, wo in Chorasan der Aufruhr des Emirs
Newrus in hellen Flammen emporloderte. Arghun wurde durch den
Tod seines Sohnes Jesutum betrübt; auch waren der Emir
Sundschak und sein Sohn Schadi zu Meragha gestorben. Zwei
Monate hernach ward zu Tebris Medschdeddin Muminan, dessen
oben als eines Blutegels der Finanz Erwähnung geschehen,
hingerichtet, und die Fahnen des Schah's trafen im Sommerlager
von Alatagh ein; er kehrte über Wan und Wastan zurück. Auf
dieser Station wartete dem Schah Kotbeddin der Schiraser auf
und brachte seinen Atlas der westlichen Meere mit einer
Beschreibung ihrer Gestade und Inseln, der Länder Rums und des
mittelländischen Meeres dar. Der Blick Arghun's fiel auf die
Stadt Amuria, so berühmt, als die Geburtsstadt des Kaisers
Theophilos und die Verheerung derselben durch den Chalifen
Moteaassim. Arghun liess sich Alles erklären und war mit der
Erklärung ungemein zufrieden; er ging auf die Jagd, und sagte
dem Molla, sich nach derselben wieder bei ihm einzufinden,
weil er mit ihm gerne weiter spreche, da er so wohlberedt.
Hierauf ging der Wink an Seaadeddewlet, die drei Verwalter,
welche aus Rum zurückgekehrt waren: Emirschah, Fachreddin und
den Sohn Hadschi Leila's, zu ergreifen; dem ersten rettete die
Fürbitte Kotbeddin's und Seaadeddewlet's das Leben, der dritte
ward sogleich getödtet, der zweite unter Aufsicht gesetzt und
später hingerichtet. Hierauf kamen drei Emire: Akbuka, Doladai
und Aldschiwaktan, aus Rum, von denen der erste dorthin
zurückgesandt ward. Das Fest des Fastenmondes wurde zu Tebris
zur Freude der Moslimen mit grosser Feierlichkeit begangen. Es
wurden vier Minarete erhöht; die Kadi und Imame, die Chatibe
und Scheiche wurden alle versammelt. Arghun, der ein grosser
Bauliebhaber, befahl, auf der Westseite der Stadt eine
Vorstadt anzulegen, welche Schem oder Schenb hiess, und in der
später sein Sohn Ghasan sein berühmtes Grabmal erbaute; er
befahl den Bau einer Stadt zu Scherujas, nördlich von Kaswin,
welche, ebenfalls erst später unter Ghasan vollendet, den
Namen Sultanije erhielt; eine Tagreise südlich von Sultanije,
zu Andscherud, hatte Arghun's Vater, Abaka, einen Palast in
der Ebene erbaut, wo ein natürliches Wasserbecken mit zwei
Abflüssen, dessen Wasser sich nie mindern und mehren soll,
wenn auch die Abflüsse verdämmt werden. In der Nähe von
Sedschas ist der gleichnamige Berg, auf welchem hernach Arghun
begraben ward; auch im Gebirge Alatagh, welches das
gewöhnliche Sommerlager schon von Hulagu's Zeit her, baute er
ein Serai. Zu Lar oder Lardschan, der gleichnamigen Hauptstadt
der am Fusse von Hügeln gelegenen Landschaft Laristan, baute
er einen Sommerpalast, welcher das Köschk Arghun's hiess; der
Basar der Stadt gilt noch heute für den schönsten Persiens;
das heute in Ruinen liegende Schloss galt ehemals für
uneinnehmbar. Die zwölftausend Einwohner leben von dem
Erzeugnisse ihres Kunstfleisses, Bogen und Baumwollzeugen;
alle Häuser sind bequem und nett eingerichtet; jedes mit den
beiden Luxusanstalten einer persischen Sommerwohnung, nämlich
einem Badgir und Serdab, d. i. mit einem Windfang und einem
unterirdischen Saale, versehen; in diesen dringt die Hitze
nicht ein, durch jenen kreist im oberen Theile des Hauses der
Luftzug. Zu Tebris erhielt die von Arghun erbaute Vorstadt den
Namen Arghunije; er gab Jedermann die Freiheit, sich dort
anzusiedeln; und liess unterirdische Kanäle (Kjaris) graben
nach dem in Persien von uralter Zeit her eingeführten und
heute noch üblichen Systeme unterirdischen Kanalbaues. Die
kühlen Thäler des Alatagh waren das gewöhnliche Sommerlager,
die südlichen Ebenen von Kongorolang, d. i. die Falkenweide,
das Sommerlager, wo hernach Sultania gebaut ward; der Frühling
und Herbst wurde, wie gesagt, wechselweise zu Meragha und
Tebris zugebracht, wie vormals die persischen Könige ihre
Residenz nach den Jahreszeiten zu Babylon, Ekbatana oder Susa
aufschlugen. |