Fünftes Buch
Gericht über die Emire; Kendschatu's Krankheit und
Familie.
Die erste Staatshandlung Kendschatu's war Bestrafung der
beiden Häupter der Gegenpartei, der Emire Taghadschar und
Kundschukbal, indem er jedem nach der Jasa drei Stockstreiche
geben liess und den Befehl ihrer Tomane anderen übertrug, und
den Tughan mit den Söhnen der von ihm unmittelbar vor dem Tode
Arghuns hingerichteten Emire, Dschudschi und Ordu Kaja, welche
Blutrache forderten, vor Gericht stellte. Als die Emire, des
Todschlags ihrer Mitgenossen angeklagt, zur Rede gestellt
wurden, bekannten sich Schiktur, Taghadschar, Kundschukbal,
Semaghar, Tekne und Andere schuldig und flehten die Gnade des
Padischah an, der dieselben auch begnadigte, Andere gelinde
(mit drei Stockstreichen) bestrafte; nur wider Tughan, welchem
sowohl der Emir Akbuka, der Betraute Kendschatu's, als die
Frau Urukchan feind waren, wurden die Söhne Dschuschi's und
Ordu Kaja's mit der Klage der Blutrache losgelassen; dennoch
wollte ihm Kendschatu das Leben schenken; auf die Vorstellung
der Frau Uruk aber, dass Tughan der Urheber alles Unheils,
sagte Kendschatu: dass er in diesem Falle wohl den Tod
verdiene; kaum war dieses Wort seinen Lippen entfahren, als
Akbuka den Söhnen Dchuschi's und Ordu Kaja's die Blutrache der
Väter überliess. Taghadschar und Kundschukbal wurden
begnadigt, Schiktur wurde zum Stellvertreter in Persien
ernannt. Kendschatu bezog das Winterquartier in Arran und
lagerte zu Karadschal am Ufer des Kor, seinem ehemaligen
Horte. Von hieraus wurden die Kundmachungsbefehle der
Thronbesteigung in die Länder gesandt; auf ein Gutachten der
Astronomen wurde in den Diplomen und auf den Münzen dem Namen
Kendschatu's die geheimnissvolle, ihm von dem Kamen ertheilte
Formel, Irindschin Durdschi beigesetzt. Senbu, der Bruder
Suka's, der zweite Sohn Jaschmut's, starb zu Dschaghatu; der
Prinz Enbardschi, der älteste Sohn Mengu Timur's (des eilften
Sohnes Hulagu's), wurde in die östlichen Länder gesandt. Auch
dieser hegte herrschsüchtige Gedanken, welche während der
Abwesenheit Kendschatu's in Rum, wohin er sogleich nach der
Thronbesteigung zurückgekehrt war, in seinem Hause durch
Taghadschar genährt worden. Der Geschäftsmann Stellvertreter
des letzten Ssadreddin von Sindschar, ein grosses
Verwaltungstalent, hatte seinem Bruder Kutbeddin, welcher sich
im Lager Enbardschi's befand, die ihm von Taghadschar gegebene
falsche Kunde gesandt, dass Kendschatu's Heer in Rum von den
Turkmanen und Karamanen aufgerieben sei und dass er sich
beeilen möge, Besitz vom Throne zu nehmen. Kutbeddin gab diese
Nachricht dem Scheich Dschemal von Schiras, welcher des
Vertrauens Enbardschi's genoss. Dieser, klug und umsichtig,
sandte den Scheich auf Kundschaft an Schiktur Nujan; auf dem
Wege begegnete er dem Taghadschar und Ssadreddin, welche ihn
bewegen wollten, auf der Stelle umzukehren und den Enbardschi
zu schnellem Anmarsche zu bewegen. Der Scheich stellte sich
willfährig, sagte aber, dass er nur, da er schon in der Nähe,
sein Haus besuchen wolle; statt dieses Besuches begab er sich
geradewegs nach Karadschal in's Lager Schiktur's, wo er sich
von der Unwahrheit der Angaben Ssadreddin's überzeugte. Er
entledigte sich also freundlicher Botschaft im Namen
Enbardschi's und theilte dann dem Schiktur insgeheim den
Auftrag Taghadschar's und Ssadreddin's mit. Schiktur sandte
ihn mit freundlichem Schreiben und Geschenken an Enbardschi
zurück; aber am nächsten Morgen überfiel er die Zelte
Taghadschar's und behielt ihn und Ssadreddin bis zur Rückkehr
Kendschatu's bei sich; als die Nachricht von dessen Ankunft
verlautete, sandte er sie in einem Geleite von fünfhundert
Reitern demselben bis Ersenrum entgegen. Als Kendschatu zu
Alatagh ankam, befiel ihn Krankheit, die längere Zeit dauerte;
während derselben wurden von allen Gemeinden der verschiedenen
Religionen Gebete angestellt; die Imame, Bischöfe, Rabbiner
und Budhapriester beteten für die Dauer seines Lebens; keiner
Religion besonders zugethan, war er für alle gleichgültig, nur
sinnlichen Genüssen ergeben. Seine sechs Frauen waren: 1.
Aische, die Tochter Tughu's, des Sohnes Ilkai Nujan's; 2.
Dundi, die Tochter Akbuka's, des Sohnes Ilkai's, die Base der
vorigen; 3. Iltürmisch, die Tochter Kotlogh Timur Gurgan's,
des Konghuraten; 4. Padischah Chatun, die Tochter Kutbeddin's,
des Sultan's von Kerman; aus dem Hareme seines Vorfahrers die
Frauen: 5. Bulughan und 6. Uruk. Ausser diesen hatte er die
Söhne Alafreng und Iranschah aus der Frau Dundi und
Dschinkpulad aus der Frau Bulughan, drei Töchter aus der Frau
Aische und eine vierte aus der Beischläferin Abisch, der
Tochter des Biklimisch, des Bruders Audschan's, des Erlaten. |