Ilchane

Geschichte der Ilchane
das ist
der Mongolen in Persien

von

Hammer-Purgstall

mit neuen Beilagen und neuen Stammtafeln

Darmstadt. Druck und Verlag von Carl Wilhelm Leske. 1842.

Inhaltsverzeichnis

Fünftes Buch

Hinrichtung der Emire; Austheilung der Statthalterschaften.

Drei Tage nach dem ersten Vorpostengefechte ausser Hamadan schlugen sich dort Taitak und Toghruldsche mit Baschmak Aghul und Karadscha, dieser einer der Prinzen des Lagers der Frau Uruk Chan und Eidam Sultan Ahmed Tekuder's, indem er dessen Tochter Sailun zur Frau hatte. Der Sieg war auf der Seite Taitaks; jetzt aber war Tukal mit einem in Georgien gesammelten Heere in Anzug; er sandte den aus der Haft befreiten, und den noch darin gehaltenen Emiren Wort, dass er zum Dienste des Prinzen Baidu heranziehe, und gab ihnen Stelldichein an den Ufern des Kur. Eine Truppe von tausend Mann, welche zu Pilsuwar stand und den Aufenthalt Kendschatu's kannte, ergriff denselben und lieferte ihn den empörten Emiren aus, die ihn am selben Tage tödteten, wo Taitak das Heer Baidu's geschlagen. Von den Günstlingen Kendschatu's wurden Itogthu und Itpuki mit ihm zugleich hingerichtet. Itkuli, der Hundssklave, wurde an Baidu gesandt, damit er über denselben nach seinem Belieben verfüge; dieser schenkte ihm aber das Leben. Zwei Tage nach der Hinrichtung der Emire bestieg Baidu den Thron zu Audschan. Die Emire Temadschi und Sertak wurden ihrem Gebieter in's Grab nachgesandt; die Emire Akbuka und Taidschu wurden aber nicht jetzt, sondern erst in der Folge, als Baidu von Ghasan am Flusse Heschtrud geschlagen ward, hingerichtet. Kendschatu war der zweite Herrscher der Mongolen in Iran, welcher, wie sein Oheim Ahmed Tekuder, ein Opfer des Aufruhrs der Emire gefallen war, und das Regierungsende Arghun's, seines Bruders, war nicht weniger blutbefleckt durch der Emire Zwiespalt. Alle drei haben der nöthigen Herrscherkraft, um das vielköpfige Ungethüm der Emirenherrschaft im Zaum zu halten, ermangelt, und nach Hulagu und Abaka war erst Ghasan, der Enkel des letzten, wieder Herrscher im vollsten Sinne des Wortes. Von dem Zusammenflusse des Kur (Cyrus) und des Dschaghantu, d. i. des weisschäumenden Araxes, wurden Eilboten abgesandt an Ghasan, den Neffen Kendschatu's in Chorasan, um ihm von dem Vorgefallenen Nachricht zu geben, an Baidu, um ihn auf den Thron zu berufen. Baidu, der nähere, welchem der Thron schon vor Kendschatu von den Emiren zugedacht worden, bestieg denselben und erliess in alle Länder Kündigungschreiben des Inhaltes: „Da Kendschatu sich von den Pflichten der Herrschaft abgewandt und die Gebote Tschengischan's verbannt, so haben Wir ihn mit Uebereinstimmung der Prinzen und Prinzessinnen entthront; die Besorgung aller Geschäfte der Länder und die Vollendung der wichtigsten Geschäfte der Unterthanen liegt nun im Ringe des königlichen Willens.“ Dem Taghadschar, welcher der Hebel der Erhebung auf den Thron, wurde die Würde des Fürsten der Fürsten mit dem Oberbefehle des Heeres und der Finanzen verliehen. Die Emire Kundschukbal, Tukal, Tudadschu, Legsi Gurgan wurden ihm untergeben. Dschemaleddin von Destadscherd, der Steuereinnehmer von Bagdad, welcher sich dort den verschworenen Prinzen zuerst angeschlossen, erhielt eine Anstellung in den Finanzen, und nahm seinen Vornamen für eine gute Vorbedeutung. In die Fusstapfen Abakachan's tretend, welcher alle Landschaften einzelnen Emiren übergeben, und diese dafür verantwortlich gemacht hatte, übertrug er Bagdad und die Umgegend dem Tudadschu; Rum und Diarbekr mit den dazu gehörigen Distrikten dem Taghadschar Nujan; die Gebiete von Irak und Lur dem Toladai Aidadschi; die Statthalterschaft von Schiras und Schebankjare verlieh er dem Kundschukbal; dem Dschemaleddin wurden die Statthalterschaften von Schiras mit allem Zubehör zu Land und zur See, wie zur Zeit Kendschatu's, mittels Jerlighs, Paise und Kaftans, d. i. mittels Patentes, Löwenkopfs und Ehrenkleides, so auch der Prinzessin Kurdudschin die Statthalterschaft von Kerman bestätigt, von welcher unter der folgenden Regierung ausführlicher zu sprechen, der Ort seyn wird; die nur acht Monate dauernde Baidu's ist so enge mit den gleichzeitigen Thronansprüchen seines Nachfolgers Ghasan verflochten und ist, die entscheidenden Begebenheiten in Chorasan abgerechnet, so unbedeutend, dass dieselbe am besten mit der Erzählung der Geschichte Ghasan's vor seiner Thronbesteigung im folgenden Buche verwebt wird.

© seit 2006 - m-haditec GmbH - info@eslam.de