Fünftes Buch
Hinrichtung der Emire; Austheilung der
Statthalterschaften.
Drei Tage nach dem ersten Vorpostengefechte ausser Hamadan
schlugen sich dort Taitak und Toghruldsche mit Baschmak Aghul
und Karadscha, dieser einer der Prinzen des Lagers der Frau
Uruk Chan und Eidam Sultan Ahmed Tekuder's, indem er dessen
Tochter Sailun zur Frau hatte. Der Sieg war auf der Seite
Taitaks; jetzt aber war Tukal mit einem in Georgien
gesammelten Heere in Anzug; er sandte den aus der Haft
befreiten, und den noch darin gehaltenen Emiren Wort, dass er
zum Dienste des Prinzen Baidu heranziehe, und gab ihnen
Stelldichein an den Ufern des Kur. Eine Truppe von tausend
Mann, welche zu Pilsuwar stand und den Aufenthalt Kendschatu's
kannte, ergriff denselben und lieferte ihn den empörten Emiren
aus, die ihn am selben Tage tödteten, wo Taitak das Heer
Baidu's geschlagen. Von den Günstlingen Kendschatu's wurden
Itogthu und Itpuki mit ihm zugleich hingerichtet. Itkuli, der
Hundssklave, wurde an Baidu gesandt, damit er über denselben
nach seinem Belieben verfüge; dieser schenkte ihm aber das
Leben. Zwei Tage nach der Hinrichtung der Emire bestieg Baidu
den Thron zu Audschan. Die Emire Temadschi und Sertak wurden
ihrem Gebieter in's Grab nachgesandt; die Emire Akbuka und
Taidschu wurden aber nicht jetzt, sondern erst in der Folge,
als Baidu von Ghasan am Flusse Heschtrud geschlagen ward,
hingerichtet. Kendschatu war der zweite Herrscher der Mongolen
in Iran, welcher, wie sein Oheim Ahmed Tekuder, ein Opfer des
Aufruhrs der Emire gefallen war, und das Regierungsende
Arghun's, seines Bruders, war nicht weniger blutbefleckt durch
der Emire Zwiespalt. Alle drei haben der nöthigen
Herrscherkraft, um das vielköpfige Ungethüm der
Emirenherrschaft im Zaum zu halten, ermangelt, und nach Hulagu
und Abaka war erst Ghasan, der Enkel des letzten, wieder
Herrscher im vollsten Sinne des Wortes. Von dem Zusammenflusse
des Kur (Cyrus) und des Dschaghantu, d. i. des weisschäumenden
Araxes, wurden Eilboten abgesandt an Ghasan, den Neffen
Kendschatu's in Chorasan, um ihm von dem Vorgefallenen
Nachricht zu geben, an Baidu, um ihn auf den Thron zu berufen.
Baidu, der nähere, welchem der Thron schon vor Kendschatu von
den Emiren zugedacht worden, bestieg denselben und erliess in
alle Länder Kündigungschreiben des Inhaltes: „Da Kendschatu
sich von den Pflichten der Herrschaft abgewandt und die Gebote
Tschengischan's verbannt, so haben Wir ihn mit
Uebereinstimmung der Prinzen und Prinzessinnen entthront; die
Besorgung aller Geschäfte der Länder und die Vollendung der
wichtigsten Geschäfte der Unterthanen liegt nun im Ringe des
königlichen Willens.“ Dem Taghadschar, welcher der Hebel der
Erhebung auf den Thron, wurde die Würde des Fürsten der
Fürsten mit dem Oberbefehle des Heeres und der Finanzen
verliehen. Die Emire Kundschukbal, Tukal, Tudadschu, Legsi
Gurgan wurden ihm untergeben. Dschemaleddin von Destadscherd,
der Steuereinnehmer von Bagdad, welcher sich dort den
verschworenen Prinzen zuerst angeschlossen, erhielt eine
Anstellung in den Finanzen, und nahm seinen Vornamen für eine
gute Vorbedeutung. In die Fusstapfen Abakachan's tretend,
welcher alle Landschaften einzelnen Emiren übergeben, und
diese dafür verantwortlich gemacht hatte, übertrug er Bagdad
und die Umgegend dem Tudadschu; Rum und Diarbekr mit den dazu
gehörigen Distrikten dem Taghadschar Nujan; die Gebiete von
Irak und Lur dem Toladai Aidadschi; die Statthalterschaft von
Schiras und Schebankjare verlieh er dem Kundschukbal; dem
Dschemaleddin wurden die Statthalterschaften von Schiras mit
allem Zubehör zu Land und zur See, wie zur Zeit Kendschatu's,
mittels Jerlighs, Paise und Kaftans, d. i. mittels Patentes,
Löwenkopfs und Ehrenkleides, so auch der Prinzessin
Kurdudschin die Statthalterschaft von Kerman bestätigt, von
welcher unter der folgenden Regierung ausführlicher zu
sprechen, der Ort seyn wird; die nur acht Monate dauernde
Baidu's ist so enge mit den gleichzeitigen Thronansprüchen
seines Nachfolgers Ghasan verflochten und ist, die
entscheidenden Begebenheiten in Chorasan abgerechnet, so
unbedeutend, dass dieselbe am besten mit der Erzählung der
Geschichte Ghasan's vor seiner Thronbesteigung im folgenden
Buche verwebt wird. |