Fünftes Buch
Hinrichtung Medschdolmülk's.
Die Richter Medschdolmülk's waren die Obersten,
Befehlshaber der Truppen, Sundschak und Arukaka. Dem
Medschdolmülk wurde nun mit gleichem Maasse eingemessen; wie
er wider Kudschuk Atamülk Papiere, mit Zügen und Schnörkeln
beschrieben, als Beweise der Zauberei vorgebracht, so wurde
als gleicher Beweis nun dem Medschdolmülk eine mit gelben und
rothen Figuren bemalte Löwenhaut vorgehalten, welche sich
unter seinen confiscirten reichen Stoffen gefunden und welche
seine Feinde bei der Untersuchung eben so eingeschwärzt
hatten, wie vormals er selbst unter das Habe Atamülk's; die
Bachschi und Kamen, d. i. die mongolischen Schreiber und
Wahrsager, gaben ihr Gutachten ab, dass diese Haut in Wasser
geweicht, das Wasser dem Beklagten zu trinken gegeben werde,
damit das Uebel der Zauberei an ihm selbst ausgehen möge.
Medschdolmülk weigerte sich dessen, weil er wohl wusste, dass
diesen Talisman der Scheich Abderrahman, ein Geschöpf
Schemseddin's, verfertigt und denselben vermuthlich mit Gift
getränkt habe. Trotz dieser Beweise wollten sie, so sehr auch
der Scheich und Atamülk darauf drangen, das Todesurtheil nicht
aussprechen; als aber Sughundschak, durch ein Fussübel zu
Hause gehalten, zu Gericht zu sitzen verhindert war, besuchte
ihn der Scheich und drang so lang in ihn, bis er das Urtheil
erhielt. Es lautete dahin, dass er dem Brüderpaar Schemseddin
und Alaeddin übergeben und von denselben nach der Jasa, d. i.
mit dem Tode bestraft werden solle. Schemseddin wollte ihn mit
dem Leben begnadigen, aber sein Bruder Alaeddin und sein Sohn
Harun drangen auf die Todesstrafe. Medschdolmülk (der
Reichsruhm) wurde in das Zelt Atamülk's (Reichsgabe) geführt,
wo er vom Nachmittagsgebete bis zum Abendgebete Rechenschaft
über alle von ihm ausgestellten Urkunden, Diplome,
Schenkungen, Vergantungen ablegen und, ausser allen
Besitzungen, dreihundert Tomane zu Bagdad erpresster Gelder
herausgeben musste. Als Alaeddin sich zum Abendgebete begab,
wurde sein Todfeind vors Zelt geführt und der vor demselben
versammelten Menge als Schlachtopfer vorgeworfen. Er ward
sogleich zerstückt und Kopf und Zunge und Hände und Füsse in
die Hauptstädte des Reichs zur Aussteckung gesandt; der Kopf
nach Bagdad, wo er denselben so stolz erhoben. Der
Geschichtschreiber Reschideddin sagt hierüber:
Der Kopf, von so viel Wahn und Gier besessen,
So der Wesirschaft selbst für sich vermessen,
Ich sah ihn als des Henkers Spiel und Tand
Und jedes Glied in eines And'ren Hand.
Seine Zunge kaufte einer um hundert Goldstücke und brachte
dieselbe nach Tebris, und Wassaf commentirt hierzu:
Hättest schweigend deine Zunge du bewährt,
Hätte deinem Kopf nichts angehabt das Schwert.
Die Füsse wurden nach Schiras gesandt, wo er so hochmüthig
aufgetreten war, und die Hände nach Issfahan, wo er dieselben
so gierig ausgestreckt. Der schon mehr als einmal erwähnte
Dichter Pur Beha Dschami sagte, als die Hände ankamen:
Bis zu dem Himmel wollt' er heben seine Hand;
Es kam die Hand nicht hin, doch her kam seine Hand.
und ein anderer Dichter Zeitgenosse dichtete auf diese
Gliederversendung die Verse:
Ein Paar Tage lang beschwärztest du Rollen und Listen,
Suchtest dir dadurch Reichthum zu mehren und Gut;
Deiner Glieder jegliches ging in andres Land aus,
Welteroberer wardst du in der Woche Verlauf.
Alaeddin erhielt nun wieder die Statthalterschaft von
Bagdad und die Investitur derselben mittels eines vom Chane
selbst getragenen Kaftans, Schemseddin die Wesirschaft in der
vorigen Machtvollkommenheit und der Scheich Kemaleddin
Abderrahman Er-Raſii die oberste Würde des Islams mit der
Verwaltung aller Religionsgüter und dem Auftrage: die
Einkünfte derselben auf die Pensionen grosser und berühmter
Gelehrten und Almosen für Ssofi und Derwische und die
Verwandlung der christlichen Kirchen in Moscheen zu verwenden.