Ilchane

Geschichte der Ilchane
das ist
der Mongolen in Persien

von

Hammer-Purgstall

mit neuen Beilagen und neuen Stammtafeln

Darmstadt. Druck und Verlag von Carl Wilhelm Leske. 1842.

Inhaltsverzeichnis

Fünftes Buch

Hinrichtung Medschdolmülk's.

Die Richter Medschdolmülk's waren die Obersten, Befehlshaber der Truppen, Sundschak und Arukaka. Dem Medschdolmülk wurde nun mit gleichem Maasse eingemessen; wie er wider Kudschuk Atamülk Papiere, mit Zügen und Schnörkeln beschrieben, als Beweise der Zauberei vorgebracht, so wurde als gleicher Beweis nun dem Medschdolmülk eine mit gelben und rothen Figuren bemalte Löwenhaut vorgehalten, welche sich unter seinen confiscirten reichen Stoffen gefunden und welche seine Feinde bei der Untersuchung eben so eingeschwärzt hatten, wie vormals er selbst unter das Habe Atamülk's; die Bachschi und Kamen, d. i. die mongolischen Schreiber und Wahrsager, gaben ihr Gutachten ab, dass diese Haut in Wasser geweicht, das Wasser dem Beklagten zu trinken gegeben werde, damit das Uebel der Zauberei an ihm selbst ausgehen möge. Medschdolmülk weigerte sich dessen, weil er wohl wusste, dass diesen Talisman der Scheich Abderrahman, ein Geschöpf Schemseddin's, verfertigt und denselben vermuthlich mit Gift getränkt habe. Trotz dieser Beweise wollten sie, so sehr auch der Scheich und Atamülk darauf drangen, das Todesurtheil nicht aussprechen; als aber Sughundschak, durch ein Fussübel zu Hause gehalten, zu Gericht zu sitzen verhindert war, besuchte ihn der Scheich und drang so lang in ihn, bis er das Urtheil erhielt. Es lautete dahin, dass er dem Brüderpaar Schemseddin und Alaeddin übergeben und von denselben nach der Jasa, d. i. mit dem Tode bestraft werden solle. Schemseddin wollte ihn mit dem Leben begnadigen, aber sein Bruder Alaeddin und sein Sohn Harun drangen auf die Todesstrafe. Medschdolmülk (der Reichsruhm) wurde in das Zelt Atamülk's (Reichsgabe) geführt, wo er vom Nachmittagsgebete bis zum Abendgebete Rechenschaft über alle von ihm ausgestellten Urkunden, Diplome, Schenkungen, Vergantungen ablegen und, ausser allen Besitzungen, dreihundert Tomane zu Bagdad erpresster Gelder herausgeben musste. Als Alaeddin sich zum Abendgebete begab, wurde sein Todfeind vors Zelt geführt und der vor demselben versammelten Menge als Schlachtopfer vorgeworfen. Er ward sogleich zerstückt und Kopf und Zunge und Hände und Füsse in die Hauptstädte des Reichs zur Aussteckung gesandt; der Kopf nach Bagdad, wo er denselben so stolz erhoben. Der Geschichtschreiber Reschideddin sagt hierüber:

Der Kopf, von so viel Wahn und Gier besessen,
So der Wesirschaft selbst für sich vermessen,
Ich sah ihn als des Henkers Spiel und Tand
Und jedes Glied in eines And'ren Hand.

Seine Zunge kaufte einer um hundert Goldstücke und brachte dieselbe nach Tebris, und Wassaf commentirt hierzu:

Hättest schweigend deine Zunge du bewährt,
Hätte deinem Kopf nichts angehabt das Schwert.

Die Füsse wurden nach Schiras gesandt, wo er so hochmüthig aufgetreten war, und die Hände nach Issfahan, wo er dieselben so gierig ausgestreckt. Der schon mehr als einmal erwähnte Dichter Pur Beha Dschami sagte, als die Hände ankamen:

Bis zu dem Himmel wollt' er heben seine Hand;
Es kam die Hand nicht hin, doch her kam seine Hand.

und ein anderer Dichter Zeitgenosse dichtete auf diese Gliederversendung die Verse:

Ein Paar Tage lang beschwärztest du Rollen und Listen,
Suchtest dir dadurch Reichthum zu mehren und Gut;
Deiner Glieder jegliches ging in andres Land aus,
Welteroberer wardst du in der Woche Verlauf.

Alaeddin erhielt nun wieder die Statthalterschaft von Bagdad und die Investitur derselben mittels eines vom Chane selbst getragenen Kaftans, Schemseddin die Wesirschaft in der vorigen Machtvollkommenheit und der Scheich Kemaleddin Abderrahman Er-Raſii die oberste Würde des Islams mit der Verwaltung aller Religionsgüter und dem Auftrage: die Einkünfte derselben auf die Pensionen grosser und berühmter Gelehrten und Almosen für Ssofi und Derwische und die Verwandlung der christlichen Kirchen in Moscheen zu verwenden.

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