Fünftes Buch
Kendschatu's Thronbesteigung.
Von Arghun's Tod sandten die verschiedenen Parteien der
Emire, welche über die Nachfolge des Thrones getheilter
Meinung, die Kunde an die drei Prinzen, denen sie denselben
zugedacht; nach Chorasan an Ghasan, den ältesten Sohn Arghun's,
nach Bagdad an Baidu, den Sohn Tarakai's, des fünften Sohnes
Hulagu's, und nach Rum an Kendschatu, den Bruder Arghun's,
welchem nach dem mongolischen Erbrechte die Nachfolge der
Herrschaft als dem Aeltesten des Hauses gebührt. Am ersten
Tage waren die Emire zwar über die Nachfolge Kendschatu's
einig gewesen, aber schon am anderen sandten Taghadschar und
Semaghar dem Legsi, welcher mit der Nachricht des Todes an
Kendschatu abgefertigt worden, den Balisad mit der Nachricht
nach, dass die versammelten Emire und Frauen noch den Baidu
als den Aeltesten der Familie zum Throne berufen hätten.
Hierzu bestimmte die beiden genannten Emire einerseits die
Furcht vor Ghasan's bekannter Energie und Herrscherkraft, bei
welcher der ihrigen wenig Raum bliebe, andererseits die
Aussicht, dass, wenn Kendschatu Chan, er allen Einfluss der
Herrschaft seinen mit ihm in Rum befindlichen Emiren
überlassen und sie mit ihrer Partei leer ausgehen würden. Die
Partei Baidu's bestand aus den Emiren: Taghadschar, Semaghar,
Kundschukbal, Tokal, Schiktur, Tughan, Timurbuka, Tekne,
Ildschidai, Toghdai und Doladai; der letzte wurde auf der
Stelle mit einem Heere nach Fars abgeordnet, wo die Luren
eingefallen, Schiras erobert, den Vogt todtgeschlagen hatten.
Baidu, klug und umsichtig und ohne Heer, um dem an ihn
gestellten Antrage anderer Emire Gewicht zu geben, anwortete:
Nach dem Gesetze Tschengischan's gebührt die Chanschaft den
Söhnen des Bruders, weil ihr Vater der Aeltere des meinen;
welches Recht habe ich auf den Thron, so lange jener und
andere Prinzen leben, die mir dem Alter nach vorgehen? Nach
diesem Grundsatze hätte er den von sich gewiesenen Thron dem
Ghasan als dem Aelteren zuweisen sollen; aber es scheint,
dass, weil Kendschatu die grösste Partei für sich hatte, er es
für klüger fand, sich an diesen zu halten, indem er ihm die
Nachricht von dem an ihn gelangten Antrage mittheilte. Baidu's
Weigerung bestürzte die Emire, welche ihm den Antrag gemacht,
und an deren Spitze Tughan, der Hebel des Sturzes der beiden
Grosswesire der vorigen Regierung, des Turkmanen Buka und des
Juden Seaadeddewlet. Einige gingen nach Rum, um sich an
Kendschatu anzuschliessen. Kundschukbal entfloh, Tokal
verliess sich auf einen Haufen Georgier, Tughan brütete
Aufruhr in Irak, der Prinz Suka (der jüngste Sohn Jaschmut's,
des dritten Sohnes Hulagu's) mit den Emiren Tschoban, dem
Suldusen, und Kurmischi, der Sohn Alinak's, führten auf
Tokai's Rath das Lager der Frauen nach dem Gebirge von Alatagh
dem Kendschatu entgegen. Die Frau Uruk, die Wittwe Arghun's,
die Mutter zweier seiner Söhne und dreier seiner Töchter, war
mit ihnen verstanden. Die Emire welche dem Baidu zu Kökbuldagh,
d. i. am blauen Quelle, in der Nähe von Sughurluk,
aufgewartet, verliessen ihn. Ildschitai Kuschdschi,
Kundschukbal, Timurbuka, Tschoban gingen zu Kendschatu über.
Als er in die Nähe von Alatagh kam, gingen ihm Chatai Aghul,
der jüngste Sohn Arghun's, und andere Prinzen entgegen.
Taghadschar, das Haupt der Partei Baidu's, wurde sogleich in
Empfang genommen; Tughan, welcher nach Gilan entflohen, wurde
eingebracht; doch wurde ihm, weil er ein Schützling Baidu's,
vor der Hand nichts zu Leide gethan. Kendschatu bestieg in der
Stadt Achlath den Thron. |