Fünftes Buch
Konguratai getödtet.
Als Arghun auf seinem Zuge gegen Chorasan nach Rei
gekommen, liess er den Vogt Teguder's prügeln, ihm an den Hals
und an die Füsse einen Block schlagen und sandte ihn so auf
einem Esel an Teguder, zugleich die Forderung der Auslieferung
des Wesirs Schemseddin zur Berichtigung der dem Vater schuldig
gebliebenen Summen stellend. An der Gränze Masenderans kam ihm
Jankadschi Nujan mit einem Tomane (zehntausend Mann) des
Heeres entgegen; er sagte zu ihm und zu Hindu Nujan, dem
Befehlshaber der beiden Tomane, welche die Gränze am Dschihun
hüteten: Als mein Vater mich vor seinem Tode zu sich berief,
war ich bis hierher gekommen, als ich die Nachricht, dass er
gestorben, erhielt, und weil ich kein Heer hatte, des mir
bestimmten Thrones verlustig ging; nun bin ich entschlossen,
wenn ihr mir nur beistehen wollt, denselben mit dem Schwerte
zu erobern. Hindu antwortete: Wiewohl die Sache sich so
verhält, so ist doch Teguder als der Aka, d. i. der Aeltere,
dermalen Chan, doch du, Gott sei Lob! Herr und Padischah in
diesem Lande; begnüge dich damit und befolge den Rath des im
Dienste deines Vaters ergrauten Dieners; sollte aber Teguder
dich angreifen wollen, so sind wir bereit, die Seele für dich
zu opfern. Zu gleicher Zeit, als Tarchun gegen Chorasan
gezogen, war Teguder nach Alatagh gekommen und hatte von hier
seinen vertrauten Rathgeber, den Scheich Abderrahman, als
Gesandten an den Sultan Aegyptens gesandt; er wurde zu
Damaskus in den Kerker geworfen, aus welchem ihn nur der Tod
befreite. Teguder lud seinen Bruder, den Prinzen Konguratai,
den Statthalter Rum's, ein, auf einem Kurultai zu erscheinen.
Dieser hatte zwei seiner Vertrauten zu Arghun gesendet,
welcher dieselben höchst ehrenvoll empfing und dem Oheim zwei
Kuppeln Panther zum Geschenke sandte; diese Sendung erregte
das höchste Missvergnügen und den grössten Verdacht Teguder's.
Konguratai verschwor sich mit zwei Emiren wider das Leben
Teguder's, und sie bestimmten zur Ausführung ihrer That die
Festnacht des neuen Jahrs, wo nach mongolischem Herkommen zum
Andenken des Auszugs aus den Erzgebirgen von Ergenekun der
Chan mit seinem ganzen Hofe der Schmiedung von Eisenmassen
beiwohnte. Teguder, hiervon benachrichtigt, begab sich zu
Alinak, seinem Eidam, und bewog ihn, am Tage vor der neuen
Jahresnacht sich zu Konguratai zu verfügen und ihm denselben
zu bringen. Alinak versprach, nicht nur den Konguratai,
sondern auch den Arghun auf gleiche Weise in Teguder's Hände
zu liefern. Dieser überhäufte ihn mit Ehren und Geschenken und
übertrug ihm den Befehl des ganzen Heeres. Am neuen Jahrstage
des Affenjahres (des neunten des zwölfjährigen mongolischen
Thiercyklus) wurde Konguratai getödtet. Zu Karabagh in Arran
sassen die Richter durch sechs Tage lang zu Gericht und
verurtheilten die beiden Emire, Mitverschworenen Konguratai's,
zum Tode; nach Bagdad erging der Befehl, den Prinzen
Dschuschkab und sieben Emire Arghun's zu ergreifen und
gebunden nach Tebris zu bringen, wo sie erst später durch die
Ankunft Arghun's von ihren Banden befreit wurden; auch den
Bruder des Chans, den Bruder Kendschatu, welcher sich selbst
als ergeben stellte, hatte man nach Tebris gesendet, aber auf
dem Wege dahin, zu Sawa, entwich er seinem Geleite und begab
sich zu Arghun. Diesem berichtete der Richter von Kaswin,
Rasieddin, den Mord Konguratai's, die Gefangennehmung der
Emire, die Rüstung des Heeres unter dem Oberbefehle Alinak's.
Zu Tebris feierte Teguder die Hochzeit mit seiner Nichte Tudai
Chatun, der Tochter Musa Gurgan's, des Gemahls Tarakai's, der
fünften Tochter Hulagu's. Gurgan war der Ehrentitel aller
Eidame und mit dem regierenden Hause verschwägerten Emire. |