Fünftes Buch
Parteiungen um die Thronfolge; Teguder's Thronbesteigung;
Hinrichtung Medschdolmülk's; Zustände von Schiras; Konguratai
getödtet; Krieg zwischen Teguder und Arghun; die Landschaften
Kumis und Taberistan mit ihren Städten; Marsch nach Kumis;
Arghun vor Kelat; Thronbesteigung Arghun's; dessen
Gemahlinnen, Söhne und Töchter; Verungnadung und Hinrichtung
des Wesirs Schemseddin; die Verwaltung von Fars unter der
Prinzessin Abisch, dann Seid Imadeddin; Buka's Sturz;
Hinrichtung der Prinzen Dschuschkab, Huladschu und Karabuka;
Verwaltung des Juden Seadeddewlet; Feldzug gegen Derbend;
Arghun's Verhältnisse gegen Aegypten; Kendschatu's
Thronbesteigung und dessen Familie; Ssadreddin von Sendschan
Wesir; Einfall der Luren in Irak und Fars, und Melik el
Eschref's, des Sultans von Aegypten; Verrath der Emire;
Papiergeld; Ende Kendschatu's und Baidu's Nachfolge.
Parteiungen um die Thronfolge.
Wir haben die achtjährige Regierung Hulagu's, des Gründers
des Reichs, in zwei Büchern, die der siebzehnjährigen seines
Nachfolgers in dem vorhergehenden erzählt; wir werden auch, so
Gott will, das Leben und die Regierung der achtjährigen
Regierung Ghasan's, des siebenten und grössten mongolischen
Herrschers in Persien, in zwei Büchern beschreiben; aber nur
in diesem Einen die Regierungen von Teguder, Arghun und
Kendschatu, die durch zwölf Jahre nacheinander geherrscht.
Hulagu, der erste der Ilchane, hat das Reich als Eroberer
gegründet; Abaka, der zweite, dasselbe zwar nicht erweitert,
aber durch die Stätigkeit seiner Wesire, des grossen
Brüderpaars Schemseddin und Alaeddin, auf derselben Höhe
erhalten; unter den vier nächsten ward es durch innere Unruhen
und Streit der Prinzen um den Thron zerrüttet, bis Ghasan das
erschütterte Gebäude der Herrschaft wieder mit blutigem Mörtel
befestigte und durch weise Einrichtungen zum Giebel seiner
Grösse emporhob. Der dieses Buch füllende zwölfjährige
Zeitraum des Bürgerkriegs und der Zerrüttung mag einigermassen
mit dem zehnjährigen der osmanischen Geschichte verglichen
werden, in welchem nach Bajesid's des Wetterstrahls Tod die
Söhne desselben sich um den Thron stritten und das getheilte
Reich erschütterten; nur herrschten dort längere Zeit drei und
dann zwei gleichzeitig, während hier die schnelle Entscheidung
des Thronstreites durch das Schwert nur zwischen Baidu und
Ghasan getheilter Herrschaft Raum übrig liess. In der
osmanischen Geschichte ist die gleichzeitige Regierung der
drei Brüder Suleiman, Musa und Mohammed eine
Zwischenherrschaft, während hier die drei ersten genannten
Herrscher nicht gleichzeitig regiert, sondern den bestrittenen
und dem Vorfahrer entrissenen Thron nur nach einander durch
kurze Zeit behauptet haben. Abaka hatte seinen Sohn Arghun zu
seinem Nachfolger im Reiche bestimmt und demselben als solchem
die Statthalterschaft von Chorasan verliehen. Die Entfernung
würde denselben nicht gehindert haben, sein Recht auf den
Thron zu behaupten, hätten nicht andere Umstände dem Oheime
Teguder und seiner Partei Vorschub gethan. Dieser war der Aka
Arghun's, d. i. der Aeltere der Familie, und das höhere Alter
gab, wie schon beim Streite zwischen Hulagu und Berke zu
bemerken Gelegenheit gewesen, in der mongolischen
Familienhierarchie immer Vorrang und Ansehen vor dem Ini, d.
i. dem Jüngeren; aber dieser Altersvorzug würde dem Teguder
eben so wenig zum Throne verholfen, als die Entfernung von der
Residenz dem Arghun denselben geraubt haben, wären nicht
andere Hebel wirksam thätig gewesen. Die persischen Quellen
stellen dieselben gar nicht gehörig heraus und lassen über die
nächsten Beweggründe der veränderten Thronfolge einiges
Dunkel; dieses aber verschwindet bei näherer Betrachtung des
zu Ende des vorigen Buches berührten Verhältnisses zwischen
Arghun und dem gestürzten Bruderpaare Schemseddin und Alaeddin,
welche seit Hulagu zu Tebris und Bagdad das Steuer der
Regierung geführt. Arghun war der Kanal gewesen, durch welchen
die Anklagen Medschdolmülk's, des Todfeindes Schemseddin's und
Alaeddin's, bei Abaka Eingang gefunden; ihre ganze, durch
zwanzigjährige unumschränkte Machtvollkommenheit mächtig
gewordene, durch ihren Sturz aber in den Staub getretene
Partei hatte von der Thronfolge Arghun's und der tyrannischen
Verwaltung Medschdolmülk's Nichts zu hoffen und Alles zu
fürchten; diese Partei also war es wohl hauptsächlich, welche
dem Neffen Arghun, dem Sohne Abaka's, dessen Oheim Teguder
vorzog und diesem die Stimme der Völker (die in Persien alle
Moslimen) durch den Uebertritt zum Islam gewann.