Ilchane

Geschichte der Ilchane
das ist
der Mongolen in Persien

von

Hammer-Purgstall

mit neuen Beilagen und neuen Stammtafeln

Darmstadt. Druck und Verlag von Carl Wilhelm Leske. 1842.

Inhaltsverzeichnis

Fünftes Buch

Parteiungen um die Thronfolge; Teguder's Thronbesteigung; Hinrichtung Medschdolmülk's; Zustände von Schiras; Konguratai getödtet; Krieg zwischen Teguder und Arghun; die Landschaften Kumis und Taberistan mit ihren Städten; Marsch nach Kumis; Arghun vor Kelat; Thronbesteigung Arghun's; dessen Gemahlinnen, Söhne und Töchter; Verungnadung und Hinrichtung des Wesirs Schemseddin; die Verwaltung von Fars unter der Prinzessin Abisch, dann Seid Imadeddin; Buka's Sturz; Hinrichtung der Prinzen Dschuschkab, Huladschu und Karabuka; Verwaltung des Juden Seadeddewlet; Feldzug gegen Derbend; Arghun's Verhältnisse gegen Aegypten; Kendschatu's Thronbesteigung und dessen Familie; Ssadreddin von Sendschan Wesir; Einfall der Luren in Irak und Fars, und Melik el Eschref's, des Sultans von Aegypten; Verrath der Emire; Papiergeld; Ende Kendschatu's und Baidu's Nachfolge.

Parteiungen um die Thronfolge.

Wir haben die achtjährige Regierung Hulagu's, des Gründers des Reichs, in zwei Büchern, die der siebzehnjährigen seines Nachfolgers in dem vorhergehenden erzählt; wir werden auch, so Gott will, das Leben und die Regierung der achtjährigen Regierung Ghasan's, des siebenten und grössten mongolischen Herrschers in Persien, in zwei Büchern beschreiben; aber nur in diesem Einen die Regierungen von Teguder, Arghun und Kendschatu, die durch zwölf Jahre nacheinander geherrscht. Hulagu, der erste der Ilchane, hat das Reich als Eroberer gegründet; Abaka, der zweite, dasselbe zwar nicht erweitert, aber durch die Stätigkeit seiner Wesire, des grossen Brüderpaars Schemseddin und Alaeddin, auf derselben Höhe erhalten; unter den vier nächsten ward es durch innere Unruhen und Streit der Prinzen um den Thron zerrüttet, bis Ghasan das erschütterte Gebäude der Herrschaft wieder mit blutigem Mörtel befestigte und durch weise Einrichtungen zum Giebel seiner Grösse emporhob. Der dieses Buch füllende zwölfjährige Zeitraum des Bürgerkriegs und der Zerrüttung mag einigermassen mit dem zehnjährigen der osmanischen Geschichte verglichen werden, in welchem nach Bajesid's des Wetterstrahls Tod die Söhne desselben sich um den Thron stritten und das getheilte Reich erschütterten; nur herrschten dort längere Zeit drei und dann zwei gleichzeitig, während hier die schnelle Entscheidung des Thronstreites durch das Schwert nur zwischen Baidu und Ghasan getheilter Herrschaft Raum übrig liess. In der osmanischen Geschichte ist die gleichzeitige Regierung der drei Brüder Suleiman, Musa und Mohammed eine Zwischenherrschaft, während hier die drei ersten genannten Herrscher nicht gleichzeitig regiert, sondern den bestrittenen und dem Vorfahrer entrissenen Thron nur nach einander durch kurze Zeit behauptet haben. Abaka hatte seinen Sohn Arghun zu seinem Nachfolger im Reiche bestimmt und demselben als solchem die Statthalterschaft von Chorasan verliehen. Die Entfernung würde denselben nicht gehindert haben, sein Recht auf den Thron zu behaupten, hätten nicht andere Umstände dem Oheime Teguder und seiner Partei Vorschub gethan. Dieser war der Aka Arghun's, d. i. der Aeltere der Familie, und das höhere Alter gab, wie schon beim Streite zwischen Hulagu und Berke zu bemerken Gelegenheit gewesen, in der mongolischen Familienhierarchie immer Vorrang und Ansehen vor dem Ini, d. i. dem Jüngeren; aber dieser Altersvorzug würde dem Teguder eben so wenig zum Throne verholfen, als die Entfernung von der Residenz dem Arghun denselben geraubt haben, wären nicht andere Hebel wirksam thätig gewesen. Die persischen Quellen stellen dieselben gar nicht gehörig heraus und lassen über die nächsten Beweggründe der veränderten Thronfolge einiges Dunkel; dieses aber verschwindet bei näherer Betrachtung des zu Ende des vorigen Buches berührten Verhältnisses zwischen Arghun und dem gestürzten Bruderpaare Schemseddin und Alaeddin, welche seit Hulagu zu Tebris und Bagdad das Steuer der Regierung geführt. Arghun war der Kanal gewesen, durch welchen die Anklagen Medschdolmülk's, des Todfeindes Schemseddin's und Alaeddin's, bei Abaka Eingang gefunden; ihre ganze, durch zwanzigjährige unumschränkte Machtvollkommenheit mächtig gewordene, durch ihren Sturz aber in den Staub getretene Partei hatte von der Thronfolge Arghun's und der tyrannischen Verwaltung Medschdolmülk's Nichts zu hoffen und Alles zu fürchten; diese Partei also war es wohl hauptsächlich, welche dem Neffen Arghun, dem Sohne Abaka's, dessen Oheim Teguder vorzog und diesem die Stimme der Völker (die in Persien alle Moslimen) durch den Uebertritt zum Islam gewann.

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