Ilchane

Geschichte der Ilchane
das ist
der Mongolen in Persien

von

Hammer-Purgstall

mit neuen Beilagen und neuen Stammtafeln

Darmstadt. Druck und Verlag von Carl Wilhelm Leske. 1842.

Inhaltsverzeichnis

Fünftes Buch

Schemseddin durch Jusufschah von Luristan geholt und angestellt.

Von Jusufschah, dem Atabeg Grossluristans, ist unter der Regierung Abaka's erzählet worden, wie er, dessen treuer Hilfsgenosse, im Feldzuge wider Borrak auf dem Rückmarsche den Chan aus den Händen von Strassenräubern gerettet, von demselben Vergrösserung seiner Länder erhalten hatte. Demselben und seinem Sohne Arghun dankbar ergeben, hatte er, der Aufforderung Teguder's, ihn mit einem Heere zu unterstützen, nur nothgedrungen Folge leistend, zweitausend Reiter und zehntausend Fussgänger in's Feld gestellt. Nach der Niederlage Teguders brach das Heer gleich bei Tabs in die Wüste ein, um auf dem kürzesten Wege Luristan zu erreichen; diese Unvorsichtigkeit kostete dem grössten Theile das Leben; es war das erste Unglück, das den Atabegen Jusufschah betroffen. Jetzt sandte ihn Arghun an den vorigen Inhaber des Diwans, um denselben nach Hof zu bringen. Arghun's Politik war eine (wenigstens dem Scheine nach) versöhnliche; er sandte an alle Prinzen und Prinzessinnen Gesandte mit Geschenken, um sich dieselben zu verbinden; so dem Huladschu einen Sonnenschirm, „welcher“, sagt Wassaf, „wie die Flügel des Königsgeiers schattete und dessen Glanz, wie das Licht der Sonne, nie ermattete“, um ihn nach Hof einzuladen, denn Huladschu machte Miene von Unzufriedenen. Huladschu gab dem Botschafter keine andere Antwort, als die Frage: Wie weit wird Arghun's Engbrüstigkeit noch gehen? Er zog sich nach Kirbanschir in's Haus Argasun's zurück, und Dschuschkab brach gegen Hamadan auf. Da sie auf wiederholte Aufforderungen nicht erschienen, schwur ihnen Arghun:

Im Namen dess, der Mond, Saturn und Sonn' erhöht,
Der schirmt das Diadem der Majestät,

dass er sie als Prinzen behandeln, sie mit Gnaden überhäufen werde. Er gab jedem derselben Mütze und Gürtel, und sie verbanden sich ihm als Vasallen; mehrere der ersten Emire Ahmed's, vor den Gerichtshof von Tebris gestellt, wurden freigesprochen und erhielten Aemter. Jusufschah von Lur, welchem Schemseddin seine Tochter Dewlet Chatun zur Gemahlin gegeben, führte denselben mit sich an den Hof Arghun's. Noch auf dem Wege von Sawa kam ihnen der Emir Kumari mit einem Diplome entgegen, wodurch alles Vergangene verziehen und vorige Gnade verliehen ward. Sogleich erliess Schemseddin Rundschreiben an alle Befehlshaber Iraks, um denselben seine Wiederaufnahme in die Gnade des Chans zu künden. Freitags in der Herbst-Tag- und Nachtgleiche traf er zu Kurban Schire ein und begab sich sogleich zu Buka, mit welchem er früher in freundschaftlichem Verhältnisse gestanden. Der gegenseitige Empfang war voll Freude und Freundlichkeit (aber wohl von beiden Seiten verstellter). Am nächsten Tage stellte ihn Buka der Majestät vor. Arghun empfing ihn weder gnädig noch ungnädig, ohne Zeichen von Gunst oder Abneigung, setzte ihn aber in seine vorige Stelle als Wesir des Diwans gemeinschaftlich mit Buka ein. Schemseddin erklärte öffentlich: er wolle nur der Stellvertreter Buka's im Diwane sein; als aber von allen Seiten wieder Wünsche und Geschenke dem vorigen Inhaber des Diwans zuströmten, ward Buka's Eifersucht und Gier nach ausschliesslicher Herrschaft schon nach Einer Woche rege; er sandte Ali, den Temghadschi (Stempeleinnehmer), nach Tebris, um Jahja, den Sohn Schemseddin's, und dessen Güter einzuziehen. Fachreddin Mestufi und Hosameddin Ssahib, zwei Untergebene Schemseddin's, schmiedeten wider denselben Ränke und bliesen Buka's Neid und Eifersucht zu vollen Flammen auf, indem sie ihm vorstellten, dass seine Machtvollkommenheit nur ein Schatten, so lang Schemseddin dieselbe mit ihm theile. Buka warf seinerseits Saamen des Verdachts in die Seele Arghun's, indem er ihm vorstellte, dass von dem Verräther seines Vaters keine guten Dienste zu erwarten seien. Sogleich ward Bakdai Aidadschi dem Schemseddin an die Seite gegeben, und zu Audschan erging der Befehl, demselben zweitausend Tomane abzufordern und ihn an Buka zu senden. Schemseddin antwortete: Ich bin kein Thor, der das Geld bezahlt statt es auszugeben; ich bin nicht im Stande, tausend Goldstücke aufzubringen; und dem Buka schrieb er: O Emir Buka, lehre nicht den Padischah, Wesire zu tödten, denn heute mir und morgen dir. Doladai und Kadan wurden gesandt, ihn gerichtlich zu verhören.

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