Fünftes Buch
Schemseddin durch Jusufschah von Luristan geholt und
angestellt.
Von Jusufschah, dem Atabeg Grossluristans, ist unter der
Regierung Abaka's erzählet worden, wie er, dessen treuer
Hilfsgenosse, im Feldzuge wider Borrak auf dem Rückmarsche den
Chan aus den Händen von Strassenräubern gerettet, von
demselben Vergrösserung seiner Länder erhalten hatte.
Demselben und seinem Sohne Arghun dankbar ergeben, hatte er,
der Aufforderung Teguder's, ihn mit einem Heere zu
unterstützen, nur nothgedrungen Folge leistend, zweitausend
Reiter und zehntausend Fussgänger in's Feld gestellt. Nach der
Niederlage Teguders brach das Heer gleich bei Tabs in die
Wüste ein, um auf dem kürzesten Wege Luristan zu erreichen;
diese Unvorsichtigkeit kostete dem grössten Theile das Leben;
es war das erste Unglück, das den Atabegen Jusufschah
betroffen. Jetzt sandte ihn Arghun an den vorigen Inhaber des
Diwans, um denselben nach Hof zu bringen. Arghun's Politik war
eine (wenigstens dem Scheine nach) versöhnliche; er sandte an
alle Prinzen und Prinzessinnen Gesandte mit Geschenken, um
sich dieselben zu verbinden; so dem Huladschu einen
Sonnenschirm, „welcher“, sagt Wassaf, „wie die Flügel des
Königsgeiers schattete und dessen Glanz, wie das Licht der
Sonne, nie ermattete“, um ihn nach Hof einzuladen, denn
Huladschu machte Miene von Unzufriedenen. Huladschu gab dem
Botschafter keine andere Antwort, als die Frage: Wie weit wird
Arghun's Engbrüstigkeit noch gehen? Er zog sich nach
Kirbanschir in's Haus Argasun's zurück, und Dschuschkab brach
gegen Hamadan auf. Da sie auf wiederholte Aufforderungen nicht
erschienen, schwur ihnen Arghun:
Im Namen dess, der Mond, Saturn und Sonn' erhöht,
Der schirmt das Diadem der Majestät,
dass er sie als Prinzen behandeln, sie mit Gnaden
überhäufen werde. Er gab jedem derselben Mütze und Gürtel, und
sie verbanden sich ihm als Vasallen; mehrere der ersten Emire
Ahmed's, vor den Gerichtshof von Tebris gestellt, wurden
freigesprochen und erhielten Aemter. Jusufschah von Lur,
welchem Schemseddin seine Tochter Dewlet Chatun zur Gemahlin
gegeben, führte denselben mit sich an den Hof Arghun's. Noch
auf dem Wege von Sawa kam ihnen der Emir Kumari mit einem
Diplome entgegen, wodurch alles Vergangene verziehen und
vorige Gnade verliehen ward. Sogleich erliess Schemseddin
Rundschreiben an alle Befehlshaber Iraks, um denselben seine
Wiederaufnahme in die Gnade des Chans zu künden. Freitags in
der Herbst-Tag- und Nachtgleiche traf er zu Kurban Schire ein
und begab sich sogleich zu Buka, mit welchem er früher in
freundschaftlichem Verhältnisse gestanden. Der gegenseitige
Empfang war voll Freude und Freundlichkeit (aber wohl von
beiden Seiten verstellter). Am nächsten Tage stellte ihn Buka
der Majestät vor. Arghun empfing ihn weder gnädig noch
ungnädig, ohne Zeichen von Gunst oder Abneigung, setzte ihn
aber in seine vorige Stelle als Wesir des Diwans
gemeinschaftlich mit Buka ein. Schemseddin erklärte
öffentlich: er wolle nur der Stellvertreter Buka's im Diwane
sein; als aber von allen Seiten wieder Wünsche und Geschenke
dem vorigen Inhaber des Diwans zuströmten, ward Buka's
Eifersucht und Gier nach ausschliesslicher Herrschaft schon
nach Einer Woche rege; er sandte Ali, den Temghadschi
(Stempeleinnehmer), nach Tebris, um Jahja, den Sohn
Schemseddin's, und dessen Güter einzuziehen. Fachreddin
Mestufi und Hosameddin Ssahib, zwei Untergebene Schemseddin's,
schmiedeten wider denselben Ränke und bliesen Buka's Neid und
Eifersucht zu vollen Flammen auf, indem sie ihm vorstellten,
dass seine Machtvollkommenheit nur ein Schatten, so lang
Schemseddin dieselbe mit ihm theile. Buka warf seinerseits
Saamen des Verdachts in die Seele Arghun's, indem er ihm
vorstellte, dass von dem Verräther seines Vaters keine guten
Dienste zu erwarten seien. Sogleich ward Bakdai Aidadschi dem
Schemseddin an die Seite gegeben, und zu Audschan erging der
Befehl, demselben zweitausend Tomane abzufordern und ihn an
Buka zu senden. Schemseddin antwortete: Ich bin kein Thor, der
das Geld bezahlt statt es auszugeben; ich bin nicht im Stande,
tausend Goldstücke aufzubringen; und dem Buka schrieb er: O
Emir Buka, lehre nicht den Padischah, Wesire zu tödten, denn
heute mir und morgen dir. Doladai und Kadan wurden gesandt,
ihn gerichtlich zu verhören.