Fünftes Buch
Schemseddin geschützt von einer der Gemahlinnen Teguder's.
Nach Beendigung der Krönungsfeste liess sich Teguder die im
unbezwinglichen Schlosse Schahutela (dem persischen
Königstein) aufbewahrten Schätze bringen und vertheilte
dieselben unter die Prinzen, Nujanen und Emire des Hauses und
des Heeres; jeder Soldat erhielt zwanzig Dinare und Arghun,
der sich beklagte, dass man auf ihn mit der
Krönungsfeierlichkeit nicht gewartet, zwanzig Goldbalische.
Bei dieser Gelegenheit verbanden sich Arghun und sein Oheim
Konghuratai (der neunte Sohn Hulagu's) im Lager der Frau
Tuktini durch Eidschwur in unzertrennlicher Freundschaft,
welche hernach den häufigen Gesandtenwechsel zwischen ihnen
und den gewaltsamen Tod Konghuratai's herbeiführte. Teguder
befahl, seine Bekehrung zum Islame auszurufen, und erliess an
die Obrigkeiten von Bagdad ein Jerligh, dass sie die gute
Kunde den Einwohnern Bagdads mittheilen, den frommen
Stiftungen ihre Einkünfte wie zur Zeit des Chalifats wieder
geben, den Moscheen und Medreseen ihre vorigen Rechte wieder
einräumen sollten; der Prophet habe gesagt, dass der Islam
nicht aufhören werde, siegreich zu sein, bis an den Tag des
Gerichts. Tags darauf lagerte er zu Siahkuh und sandte Befehl
nach Hamadan, dass Medschdolmülk und Atamülk Dschuweini, der
noch als dessen Schlachtopfer dort gefangen gehalten ward, vor
ihm erscheine. Medschdolmülk begann seine alten Ränke wider
Schemseddin, und wenig fehlte, dass er nicht auch diesmal
gesiegt hätte; nur der Schutz Ermeni Chatun's, der Gemahlin
Teguder's, zu welcher Schemseddin flüchtete, rettete ihm und
dem Bruder das Leben und verschaffte ihnen den Triumph über
den Todfeind. Ermeni Chatun war nicht die Herrin des Harems,
d. i. die erste Gemahlin oder grosse Frau Teguder's (welche
Tokus Chatun, die Konghuratin), sondern die zweite, keine
Armenierin, wie der Name glauben machen konnte, sondern auch
eine Konghuratin; die dritte, Tudakun Chatun, die Tochter Musa
Gurgan's, des Konghuraten, des Eidams Hulagu's, welchem dieser
seine fünfte Tochter, Tarakai, zur Gemahlin gegeben, und
folglich die Nichte Arghun's; die vierte Baitegin, die Tochter
Huseinaga's; die fünfte, Ilkotlogh, die Mutter Tughandschik's,
der Tochter Schadi Nujan's, des Gemahls der Prinzessin Arguruk,
Tochter Dschumkur's, des zweiten Sohnes Hulagu's, aber nicht
aus dieser, sondern aus der Beischläferin Ilkotlogh;
Tughandschik, während der Herrschaft Teguder's getraut, wurde
ob Verdacht von Zauberei in den Kor (Cyrus) geworfen; die
sechste, Tudai Chatun; diese gaben ihm drei Söhne und sechs
Töchter. Stark durch den Schutz Ermeni Chatun's, arbeitete nun
Schemseddin an dem Sturze Medschdolmülk's, denselben in
allerhand Klagen verwickelnd und vor Gericht fordernd.
Medschdolmülk, seines drohenden Ruines gewahr, sandte Wort an
den Prinzen Arghun: Schemseddin habe Abaka vergiftet, und wenn
nun er (Medschdolmülk) mit seinem Leben büssen müsse, geschähe
es, um den Beweis der Vergiftung zu unterdrücken; auf diese
Art warf er, selbst des Todes gewärtig, den Saamen der Rache
am Todfeind in die Brust Arghun's, wo derselbe später zur
blutigen Frucht zeitigen sollte. Schemseddin bediente sich als
Werkzeug zum Sturze Medschdolmülk's eines Neffen des letzten,
Namens Seaadeddin, welcher vom Oheime wegen Geldveruntreuungen
seines Amtes entsetzt worden war; demselben ward die Stelle
eines Mestufi (Finanzpräsidenten) in Irak und Persien
versprochen, und er klagte dafür den Oheim verrätherischen
Briefwechsels mit Arghun an; demselben wurde die
Zurückstellung aller von seinem Oheim confiscirten Güter
Atamülk's, des Bruders Schemseddin's, aufgetragen,
Medschdolmülk selbst vor Gericht gestellt. |