Ilchane

Geschichte der Ilchane
das ist
der Mongolen in Persien

von

Hammer-Purgstall

mit neuen Beilagen und neuen Stammtafeln

Darmstadt. Druck und Verlag von Carl Wilhelm Leske. 1842.

Inhaltsverzeichnis

Fünftes Buch

Seaadeddewlet's Verwaltung.

Die Verwaltung des Arztes Juden war eine blutige und goldene, Aderlass und Schacher. Noch lebten die Enkel seines grossen Vorfahrers in der Wesirschaft, Mohammed Schemseddin's, Mahmud und Ali, die beiden Söhne seines Sohnes Behaeddin, auf den ihnen gelassenen Besitzungen in Irak. Ali war mit seiner Mutter, der Tochter Iseddin Tahir's, nach Issfahan gegangen, als Medschdeddin Muminan von Kaswin, einer der Blutegel des Wesirs, an Arghun Bericht erstattete, dass fasst alle Krongüter in den Händen der Enkel Schemseddin's. Der Befehl erging, die Söhne Schemseddins hinzurichten. Von diesen wurden Mesud und Feredschullah zu Tebris getödtet; dem Enkel Mahmud rettete der Vogt das Leben, weil in dem Befehle blos von den Söhnen und nicht von den Enkeln die Rede; aber Ali, welcher zu Issfahan sich befand, wurde getödtet, und sechzehn Tage nach ihm auch sein Oheim Mesud. Noch waren von den Söhnen Schemseddin's zwei, nämlich: Atabeg und Sekeria, übrig, welche, die einzigen, nicht gewaltsamen Todes starben. Der Jude legte nun seinem Namen und dem seiner Brüder nach dem Beispiele der Herrscher aus dem Hause Buje den Ehrennamen Dewlet, d. i. Reich oder Hof, bei; er nannte sich Seaadeddewlet, d. i. das Reichsglück, seine Brüder hiessen: Fachreddewlet, d. i. Reichsruhm, Mohesibeddewlet, d. i. Reichsläuterer, desgleichen seinen anderen Angehörigen, unter die er die Statthalterschaften des Reichs vertheilte; den beiden genannten Brüdern und dem Dschemaleddin von Destadscherd übertrug er die Befehlshaberschaft von Bagdad; nach Fars sandte er den Medschdeddewlet, d. i. Reichsglorie, den Sohn des Astronomen Montachabeddewlet, d. i. des Reichsauserwählten, als Statthalter nach Diarbekr seinen Bruder Emineddewlet, d. i. Reichsintendent, und die Befehlshaberschaft von Tebris verlieh er seinem Neffen Ebu Manssur Mohesibeddewlet (ein zweiter Reichsläuterer) dem Arzte. Fünf Juden (die vier Brüder und der Neffe) hatten die Verwaltung unter sich getheilt. Die Emire Taghadschar, Ordu Kaja und Dschuschi, welche bisher die Finanzen verwaltet, wurden durch ein Patent verständigt, dass Seaadeddewlet der Befehlshaber des Staatsschatzes sei, „und dass sie ohne dessen Gutheissung kein Geschäft dem Padischah vorzutragen ermächtiget seien, dass dem Wesir aber frei stehe, zu jeder Zeit Geschäfte zu schlichten, ohne sich nach ihnen zu richten“. Die Wesire und Emire der Länder wurden ihm untergeordnet, Könige und Sultane standen dem Arzte Juden zu Befehl; wäre nicht Chorasan und Rum wirklich im Besitze Ghasan's und Kendschatu's, der beiden Söhne Arghun's, gewesen, so hätte er auch diese Länder an seine Geschöpfe verliehen. Er vernichtete gleich Anfangs seiner Verwaltung in allen Ländern die Melik, wörtlich Könige, der Finanz, d. i. Intendenten der Pachten und Steuern, und erregte in den Herzen der Juden die Erwartung, dass in ihm der versprochene Messias erschienen, der Wiederhersteller des Reichs im vorigen Glanze. Die Verordnungen, die er in Finanzsachen erliess, waren streng, aber verständig, auf die sichere Eintreibung der Steuern und Vermehrung des Staatsschatzes berechnet; den Plackereien der Gesandten und Vögte wurde gesteuert, arabische und persische Dichter und Philologen mit Geschenken und Pensionen zur Verbreitung seines Lobes erkauft. Binnen zwei Jahren war ein ihm gewidmetes Buch, welches blos die zu seinem Lobe erschienenen Ghaselen, Kassidete, Makame und Lobreden enthielt, gesammelt, und welches sich noch zur Zeit Wassaf's zu Bagdad fand; er nahm sich nicht nur mit den Prinzen und Nujanen, sondern auch gegenüber des Schah und dessen Gemahlinnen die grössten Freiheiten heraus. Eines Tages, als er mit dem Schah langen Puff spielte, streckte er mir nichts dir nichts seine Füsse aus, als läge er auf einem Ruhebette; eine der Frauen, welche herein kam, redete ihn an: „Wie unterstehst du dich, in Gegenwart eines solchen Chans, dessen Sklaven mit dem störrigen Himmel wie mit einer Kugel aus Handteig spielen, ohne Scheu den Fuss auszustrecken?“ Seaadeddewlet entschuldigte sich mit dem Zipperlein, und Arghun liess die Entschuldigung gelten.

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