Fünftes Buch
Ssadreddin von Sendschan Wesir; Einfall der Luren in Irak
und Fars.
Ssadreddin von Sendschan, der fündige Finanzmann, dessen
oben erwähnet worden, bemühte sich um die Wesirsstelle durch
Buraldschin Ikadschi, den Günstling Kendschatu's, und
Scherefeddin Semnani, welcher beim Emir Akbuka in grösstem
Ansehen und Einfluss. Durch diese beiden Kanäle gelang es ihm,
mit der Würde des Emirs die des Wesirs zu vereinigen. Er
erhielt dazu das goldene Ehrenzeichen des Löwenkopfes mit
Rossschweif und Pelz und einen Toman von Truppen. Sein
Anstellungsdiplom verbot den Prinzen und Prinzessinnen, sich
im Geringsten in die Geschäfte der Verwaltung und der Finanzen
zu mischen; sein Vorname Ssadreddin, d. i. Vorsitz der
Religion, wurde in den von Ssadri dschihan, d. i. Vorsitz der
Welt, umgeändert; zugleich erhielt sein Bruder Kutbeddin, d.
i. Pol der Religion, das Amt des Richters der Richter mit der
Veränderung seines Namens in Kutbi dschihan, d. i. Pol der
Welt; ihr Oheim Kawameddin, d. i. die Feste der Religion,
erhielt die Befehlshaberschaft von Tebris mit dem Ehrennamen
von Kawamolmülk, d. i. Feste des Reichs. Zum zweitenmale sah
Persien die Verwaltung der Geschäfte den Gliedern einer
einzigen einflussreichen Familie übertragen, wie unter Hulagu
den beiden Brüdern Dschuweini und dem Sohne des Wesirs
Schemseddin, Behaeddin, als Befehlshaber von Schiras. Die
Sorge für die Herschaffung der Lebensmittel, das
Oberverpflegungsamt des Heeres, wurde dem Fachreddin Aidadschi
bestätigt; dieser aber bat um Entschuldigung, indem er
vorstellte, dass er bereits dreissig Jahre lang mit diesem
Amte betraut, durch die Anforderungen von Zuschüssen der
Prinzen und Prinzessinnen sich in Schulden gestürzt.
Kendschatu wies dreissig Tomane zur Zahlung der Schulden an
und empfahl ihm fürderhin die grösste Freigebigkeit und
Gerechtigkeit; denn er wollte, dass seine Regierung der
Ogotai's gleiche, mit welchem er die Tugenden der Grossmuth
und Milde, aber auch den Hang zum Wohlleben gemein hatte. Das
grösste Lob seiner Regierung ist, dass während derselben,
einige Hinrichtungen in Luristan ausgenommen, Niemand getödtet
ward; den grössten Beweis seiner Milde gibt die Nachsicht, die
er den rebellischen Fürsten von Lur und Jesd angedeihen liess.
Efrasiab von Lur, der Sohn des unter der Regierung Abaka's und
nachmalig erwähnten Atabegen Jusufschah, hatte unter der
Regierung Arghun's, trotz der Gegenvorstellungen der
Befehlshaber von Schiras, den Distrikt des Gebirges Kiluje,
welches die Gränzscheide zwischen Fars und Lur, überfallen
lassen. Er bemächtigte sich des festen Schlosses Mandschescht
und setzte seinen Neffen Kisil über den neu erworbenen
Gebirgsdistrikt. Kisil's eilf Brüder standen an der Spitze
eben so vieler Heeresabtheilungen; es entstand zwischen dem
Oheime und Neffen Streit über die Verwaltung des Berggebietes;
Kisil, einigemal geschlagen, floh nach Schiras, kehrte dann
aber wieder zurück, und schloss seinen Frieden mit dem Oheim;
um denselben zu befestigen, verstand sich Efrasiab zur
Hinrichtung seines Wesirs Dschelaleddin, und Entrichtung von
Geldern. Als unmittelbar vor dem Tode Arghun's das Reich durch
die Uneinigkeit der Emire und Arghun's schlaghaften Zustand in
der grössten Verwirrung, benützte Kisil dieselbe zu einem
Einfalle in Irak; er liess zu Issfahan die Verwandten des
Emirs Dschelaleddin hinrichten, und der mongolische Vogt Baidu,
der Schwager Taghadschar's ward durch die lurischen Reiter vor
der Stadt getödtet. Kisil sandte seinen Bruder Salghurschah in
dieselbe, und das Heer der Luren nahm unter dem Geschrei: Gott
ist gross! davon Besitz. Salghurschah setzte sich in dem Hause
Chodscha Behaeddin's auf den Thron, und die Münze von Schiras
prägte auf den Namen Efrasiab's von Lur; dann dehnte er seine
Herrschaft von den Gränzen Hamadan's bis an's Meer von Fars
aus, überall lurische Vögte ernennend. Dschelaleddin, den Sohn
des Atabegen Tekele, und Melik Nussret sandte er mit
zweitausend Pferden wider den Toman Arghasun's; auf dem
Marsche erhob sich zwischen Beiden Streit über den Vorrang des
Marsches und sie zogen jeder auf seine Faust. Anfangs schlugen
sie zwar die Mongolen und machten grosse Beute, aber diese
kehrten zurück, und rächten die verlorene Beute durch die
Niederlage der Luren; in diesem Treffen tödtete ein
mongolisches Weib allein zehn Luren. Endlich wurde Toladai
wider die Luren, und Jisudar wider Jusufschah, den Atabeg von
Jesd, gesandt, welche zu gleicher Zeit sich empört hatten.
Toladai schlug die Luren und Efrasiab erhielt durch den Kanal
der Frau Utruk und Padisch Chatun seine Verzeihung; nur Kisil
und seine Angehörigen wurden hingerichtet. |