Ilchane

Geschichte der Ilchane
das ist
der Mongolen in Persien

von

Hammer-Purgstall

mit neuen Beilagen und neuen Stammtafeln

Darmstadt. Druck und Verlag von Carl Wilhelm Leske. 1842.

Inhaltsverzeichnis

Fünftes Buch

Statthalterschaft von Fars.

Als Arghun nach Schemseddin's Hinrichtung nach dem im Gebiete von Arran gelegenen Palast Manssurije gekommen, kehrten die an den Grosskaan, Oheim Kubilai, geschickten Gesandten, Emir Pulad Dschingsang und zwei andere, zurück. Zwischen Serah und Erdebil und Ssain wurde Kurultai gehalten, und neun Tage darauf kehrte er nach Tebris zurück; dann wurde das Winterquartier in Arran bezogen; und hier hatte eine der feierlichsten Gerichtssitzungen statt, indem die Wittwe Mengu Timur's, die Prinzessin Abisch, die Atabegin von Fars, wegen Veruntreuung der ihr anvertrauten Statthalterschaft vor Gericht gestellt ward. Um die Wichtigkeit des Rechtshandels in seinem ganzen Umfange zu ermessen, müssen wir den Faden der Geschichte der Statthalterschaft von Fars dort, wo wir denselben oben abgebrochen, wieder aufnehmen. Dort ist zuletzt der unruhigen Statthalterschaft Bulughan's (des Nachfolgers Taghadschar's, des Statthalters von Fars) erwähnt worden. Um die Ruhe wieder herzustellen, war Taschmenku zu seinem Nachfolger ernannt und ihm die Hilfe des Atabegen von Lur zugewiesen worden. Als seinen Vorläufer sandte er den Stellvertreter des Diwans der Krongüter, Hosammeddin, den Sohn Mohammed Ali's von Lur, voraus nach Issfahan. Bulughan liess ihn mit Gewalt aufheben und hieb ihn, alsbald er vor ihm erschienen, zusammen. Taschmenku sprach sogleich die Hilfe Jusufschah's, des Atabegen von Luristan, an, und als Bulughan sah, dass sein Platz als Statthalter wider den neu ernannten weiter nicht haltbar, nahm er, was im Schatze, und entfloh mit seinen beiden Geschäftsführern Kawameddin und Seifeddin nach Chorasan. Taschmenku beschäftigte sich mit den Regierungsgeschäften, ward aber seiner Stelle entsetzt, weil er an der Spitze der im Namen des Ilchans Ahmed erlassenen Befehle statt der hergebrachten Formel blos Ahmedaga schrieb, was wider allen mongolischen Kanzleistyl. Nachdem er ein Jahr lang Fars verwaltet, wurde die Statthalterschaft der Frau Abisch, der gebornen Atabegin, Fürstin des Landes, Wittwe Mengu Timur's, des bald nach seinem Bruder Abaka verstorbenen eilften Sohnes Hulagu's, übertragen. Sie war, wie oben unter der Regierung Hulagu's erwähnt worden, ihrem Gemahle in's Lager der Mongolen gefolgt und hatte immer seitdem am Hofe verweilt, jetzt aber ward ihr die Erlaubniss der Rückkehr in's Vaterland und die Vollmacht, dasselbe im Namen des Ilchans als Statthalter zu verwalten, zu Theil; sie dankte diese Gunst hauptsächlich der Verwendung der grossen Frau Oldschai, der Mutter Mengu Timur's, welche nebst der grossen Frau Tokuschan und der Mutter Abaka's vor dreissig Jahren ihren ersten Gemahl, Hulagu, auf dem Feldzuge nach Persien begleitet hatte und als Wittwe desselben und dann seines Sohnes Abaka des grössten Ansehens genoss. Ganz Fars jubelte über die Rückkehr der Prinzessin Abisch, des letzten Zweiges des hochverehrten erlauchten Herrscherstammes der Salghuren, und der Koransvers: Ein gutes Land, ein gnädiger Herr, war auf allen Zungen. Zu ihrem Stellvertreter im Diwan ernannte sie ihren Verwandten Dschelaleddin Arkan und die Wesirschaft sammt der Inhaberschaft des Diwans übertrug sie dem Chodscha Nisameddin Ebubekr, dessen schon Eingangs dieses Buchs im Gegensatze mit dem Oberrichter, dem Seid Imadeddin, Erwähnung geschehen. Die Feindschaft Nisameddin's und Imadeddin's war die Quelle, aus welcher der Strom finanziellen Unheils sich über Fars ergoss.

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