Fünftes Buch
Teguder's Thronbesteigung.
Teguder war der Sohn der Frau Kutui Chatun, welche mit ihm
und seinem Bruder Tekschin, jener der siebente, dieser der
vierte Sohn Hulagu's, während des persischen Feldzugs im Lager
Mengkukaan's zurückbehalten und unter Abaka's Regierung von
Kubilai nach Persien gesandt worden; in seiner Jugend war
derselbe getauft worden und hatte den Namen Nikolaus erhalten.
Hierdurch schon dem Götzendienste des Budhismus entfremdet,
mochte er so leichter zum Islam zu bekehren gewesen sein, als
seine Bekehrer nicht ermangelt haben werden, nach moslimischer
Ansicht der Dreifaltigkeit, als einer Trimurti, und den
Uebertritt zum Islam als eine Erhebung zu reinerem
Gottesdienste, durch den Aufschwung von Vielgötterei zur
Anbetung eines einzigen Gottes darzustellen; der mächtigste
Bekehrungsgrund war aber ganz gewiss die Aussicht auf den
Thron, indem er den Islam erst, als er denselben bestieg,
annahm. Die Nebenbuhler um denselben nach dem Tode Abaka's
waren drei; Arghun hatte die Emire des Hauses seines Vaters,
mehrere der grossen Emire auf seiner Seite; die drei Prinzen
Adschai, Kungurtai, Huladschu (die drei Söhne Hulagu's),
Dschuskab und Kunkschu, die Söhne Tschumkur's, des zweiten
Sohnes Hulagu's, die Emire Schingtur, Sughundschak und andere
stimmten für Teguder; endlich suchte die Frau Oldschai Chatun,
die Mutter Mengu Timur's, demselben eine Partei zu gewinnen;
als dieser aber am fünf und zwanzigsten Tage nach Abaka's Tode
gestorben, schlug sie sich mit der Frau Kutui, der Wittwe
Abaka's, auf die Seite Arghun's, welcher der Sohn aus der
Beischläferin Kaimisch Ikadschi. Alsbald nach Abaka's Tode
eilte Teguder aus Kurdistan nach Tebris und Arghun, welcher
ohnedies auf dem Wege von Chorasan nach der Residenz,
begegnete auf der vierten Station vor Tebris dem Schingtur
Nujan, welcher ihm mit der Nachricht von des Vaters Tod
entgegengesendet worden. Arghun vollzog die Gebühren der
Trauer nach mongolischer Sitte mit dem gewöhnlichen
Todtenmahle, bei welchem, wie bei Festgelagen, der Becher mit
Kumis herumging; die Leibwachen, Speerträger und Stallmeister
seines Vaters wurden ihm übergeben. Die Prinzen des Hauses,
die Oheime und Neffen Arghun's, beriethen sich und stimmten
für Teguder, und auf den Rath des weisen Emirs Schischi
Bachschi that Arghun, um sein Leben zu retten, keinen
Einspruch. Fünf Wochen nach dem Tode Abaka's wurde Teguder als
Chan und Ilchan, Schah und Padischah ausgerufen; die
Herrlichkeit der festlichen Thronbesteigung wurde auf zwei
Monate hinausgeschoben. Arghun begab sich nach Alatagh, um
dort von dem Lager und dem Schatze seines Vaters Besitz zu
nehmen; Taghadschar kam aus Fars zu seinem Dienste und die
Frau Kutui mit ihren Anhängern begab sich ebenfalls in's Lager
Arghun's. Der Wesir Schemseddin, welcher sich in dessen Macht
befand, wurde ihm abgefordert, und der Emir des Lagers der
Frau Kutui brachte denselben zu Teguder. Am Tage der
Sommersonnenwende hatte die feierliche Thronbesteigung statt.
Nach dem uralten, schon auf den ägyptischen Denkmalen
abgebildeten Krönungsgebrauche, vermöge welchem zwei
Geleitsmänner den König, der eine zur rechten, der andere zur
linken Hand, auf den Thron einführend, wurde Teguder vom
Bruder Kungurtai und vom Emir Schingtur Nujan auf den Thron
gesetzt, indem jener dessen rechte, dieser dessen linke Hand
ergriff; die Prinzen warfen, mit dem Gürtel um den Nacken,
ihre Mützen in die Luft, zu sagen, dass ihr Hals bereit, auf
den Wink des Herrschers mit dem Gürtel oder Strang zugeschnürt
zu werden, und dass sie nicht mehr kopfbedeckt, das ist, nicht
mehr frei. Mit siebenmaliger Niederwerfung wurde die Sonne,
mit neunmaliger der neue Herrscher verehrt zur glücklichen,
durch die Astronomen ausersehenen Stunde.
Zu einer guten Stunde, wo die Glücksgestirne
Im Ort des Aufgangs niederwarfen ihre Stirne.