Ilchane

Geschichte der Ilchane
das ist
der Mongolen in Persien

von

Hammer-Purgstall

mit neuen Beilagen und neuen Stammtafeln

Darmstadt. Druck und Verlag von Carl Wilhelm Leske. 1842.

Inhaltsverzeichnis

Fünftes Buch

Teguder's Thronbesteigung.

Teguder war der Sohn der Frau Kutui Chatun, welche mit ihm und seinem Bruder Tekschin, jener der siebente, dieser der vierte Sohn Hulagu's, während des persischen Feldzugs im Lager Mengkukaan's zurückbehalten und unter Abaka's Regierung von Kubilai nach Persien gesandt worden; in seiner Jugend war derselbe getauft worden und hatte den Namen Nikolaus erhalten. Hierdurch schon dem Götzendienste des Budhismus entfremdet, mochte er so leichter zum Islam zu bekehren gewesen sein, als seine Bekehrer nicht ermangelt haben werden, nach moslimischer Ansicht der Dreifaltigkeit, als einer Trimurti, und den Uebertritt zum Islam als eine Erhebung zu reinerem Gottesdienste, durch den Aufschwung von Vielgötterei zur Anbetung eines einzigen Gottes darzustellen; der mächtigste Bekehrungsgrund war aber ganz gewiss die Aussicht auf den Thron, indem er den Islam erst, als er denselben bestieg, annahm. Die Nebenbuhler um denselben nach dem Tode Abaka's waren drei; Arghun hatte die Emire des Hauses seines Vaters, mehrere der grossen Emire auf seiner Seite; die drei Prinzen Adschai, Kungurtai, Huladschu (die drei Söhne Hulagu's), Dschuskab und Kunkschu, die Söhne Tschumkur's, des zweiten Sohnes Hulagu's, die Emire Schingtur, Sughundschak und andere stimmten für Teguder; endlich suchte die Frau Oldschai Chatun, die Mutter Mengu Timur's, demselben eine Partei zu gewinnen; als dieser aber am fünf und zwanzigsten Tage nach Abaka's Tode gestorben, schlug sie sich mit der Frau Kutui, der Wittwe Abaka's, auf die Seite Arghun's, welcher der Sohn aus der Beischläferin Kaimisch Ikadschi. Alsbald nach Abaka's Tode eilte Teguder aus Kurdistan nach Tebris und Arghun, welcher ohnedies auf dem Wege von Chorasan nach der Residenz, begegnete auf der vierten Station vor Tebris dem Schingtur Nujan, welcher ihm mit der Nachricht von des Vaters Tod entgegengesendet worden. Arghun vollzog die Gebühren der Trauer nach mongolischer Sitte mit dem gewöhnlichen Todtenmahle, bei welchem, wie bei Festgelagen, der Becher mit Kumis herumging; die Leibwachen, Speerträger und Stallmeister seines Vaters wurden ihm übergeben. Die Prinzen des Hauses, die Oheime und Neffen Arghun's, beriethen sich und stimmten für Teguder, und auf den Rath des weisen Emirs Schischi Bachschi that Arghun, um sein Leben zu retten, keinen Einspruch. Fünf Wochen nach dem Tode Abaka's wurde Teguder als Chan und Ilchan, Schah und Padischah ausgerufen; die Herrlichkeit der festlichen Thronbesteigung wurde auf zwei Monate hinausgeschoben. Arghun begab sich nach Alatagh, um dort von dem Lager und dem Schatze seines Vaters Besitz zu nehmen; Taghadschar kam aus Fars zu seinem Dienste und die Frau Kutui mit ihren Anhängern begab sich ebenfalls in's Lager Arghun's. Der Wesir Schemseddin, welcher sich in dessen Macht befand, wurde ihm abgefordert, und der Emir des Lagers der Frau Kutui brachte denselben zu Teguder. Am Tage der Sommersonnenwende hatte die feierliche Thronbesteigung statt. Nach dem uralten, schon auf den ägyptischen Denkmalen abgebildeten Krönungsgebrauche, vermöge welchem zwei Geleitsmänner den König, der eine zur rechten, der andere zur linken Hand, auf den Thron einführend, wurde Teguder vom Bruder Kungurtai und vom Emir Schingtur Nujan auf den Thron gesetzt, indem jener dessen rechte, dieser dessen linke Hand ergriff; die Prinzen warfen, mit dem Gürtel um den Nacken, ihre Mützen in die Luft, zu sagen, dass ihr Hals bereit, auf den Wink des Herrschers mit dem Gürtel oder Strang zugeschnürt zu werden, und dass sie nicht mehr kopfbedeckt, das ist, nicht mehr frei. Mit siebenmaliger Niederwerfung wurde die Sonne, mit neunmaliger der neue Herrscher verehrt zur glücklichen, durch die Astronomen ausersehenen Stunde.

Zu einer guten Stunde, wo die Glücksgestirne
Im Ort des Aufgangs niederwarfen ihre Stirne.

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