Fünftes Buch
Unterhandlungen und Marsch durch Kumis.
Arghun, als er auf seinem Rückzuge nach Bostam gekommen,
wallfahrtete zum Grabmale des Scheichs Ebu Jesid, während
Ahmed Teguder seinerseits am Grabe des Scheichs Babi den
Beistand desselben erflehte, eine Wallfahrt, die von diesem,
der den Islam angenommen, natürlicher, als von jenem, der kein
Moslim war. Teguder befehligte seinen Bruder Huladschu mit
einem Tomane nach Rei, und befahl dort allen Befehlshabern des
Heeres, eine Schrift zu unterzeichnen, dass sie Niemanden
gehorchen würden, als dem zum obersten Feldherrn ernannten
Bugha; Alle unterschrieben bis auf Alinak. Zwei Gesandte
Arghun's, Kotloghschah und Legsi, kamen nach der Ebene von
Akchodscha bei Kaswin, um Frieden zu bitten und sich über die
Streifzüge der Truppen Teguder's, welche das Land weitum
verwüsteten, zu beklagen. Teguder verwies die Gesandten an den
Inhaber des Diwans, Schemseddin; dieser aber trug vor: Es sei
unmöglich, dem Rauben des Heeres Einhalt zu thun, indem diese
Streifzüge die Vorspiele des Krieges; auch Jagdvögeln sei
Beute lieber, als täglich zugemessene regelmässige Fütterung.
„Diese Gedanken des Inhabers des Diwans“, sagt Wassaf,
„brachten demselben kein Heil und das Reich ward schnell dem
Verderben zu Theil.“ Alle Entschuldigungen, welche die
Gesandten Arghun's vorbrachten, blieben unbeachtet, und der
Sultan (Ahmed) befahl abermal dem Heere, in's Feld zu ziehen.
Ssadreddin und Assileddin, die zwei Söhne des grossen
Astronomen Nassireddin von Tus, welche, wenn nicht die
astronomische Wissenschaft des Vaters, doch die astrologischen
Verrichtungen geerbt hatten, stellten vor, dass die Gestirne
den Auszug eines Heeres nicht begünstigten, worüber Ahmed
ungnädig auf sie. Arghun empfing im Dorfe Surch, in der Nähe
von Semnan, seinen Sohn Ghasan und Omer Aghul, den Sohn
Niguder's, des Enkels Dschaghatai's, aus dessen erstgeborenem
Sohne Dschudschi, gleichnamig mit seinem Oheime Dschudschi,
dem erstgeborenen Sohne Tschengischan's; mit ihnen stellten
sich Nokai, der Jarghudschi, d. i. der Oberrichter, und Sischi
Bachschi, d. i. der Staatssekretär, zum Dienste Arghun's ein.
Zur Erwiederung der Gesandtschaft Arghun's sandte Ahmed die
Prinzen Toghatimur (den vierzehnten Sohn Hulagu's), welcher,
wie sein Bruder Huladschu, im Interesse ihres Bruders Teguder,
und Suke, den dritten Sohn Jaschmut's, des dritten Sohnes
Hulagu's, mit den Emiren Buka und Doladai Jarghudschi mit der
Botschaft, dass, wenn Arghun unterthänig, er selbst kommen
oder den Bruder Kendschatu senden möge. Buka stellte dem
Sultan vor, dass, da er nun unterhandle, er nicht weiter
marschiren dürfe; und Ahmed antwortete: dass er zu Charkan
ihre Ankunft abwarten wolle. Er zog ihnen verheerend über
Demaghan nach, dessen Einwohner vielfältig gepeinigt wurden;
fünf Tage hernach war er zu Charkan angelangt, welches ein zu
Bostam gehöriges Dorf, nur als Geburtsort und Grabstätte des
Scheichs Ebul Hasan Charkani berühmt. Der Emir Dschirkudai,
sein Bruder Jesuder und Bulughan, der Statthalter von Schiras,
brachten ihre Huldigung dar. Zu Charkan machte Ahmed
keineswegs Halt, wie er seinem Gesandten Buka versprochen,
sondern sandte den Alinak mit dem Vortrab weiter voraus; er
selbst lagerte acht Tage hernach zu Kalpusch und drei Tage
später zu Kebud Dschame, d. i. Blaukleid, einem zum Gebiete
von Dehistan (dem alten Sitze der Dahen) gehörigen Orte, das
reich an Korn, Trauben und Seide. Zwar kam die Wesirschaft
Ahmed's, nämlich die beiden Prinzen Toghatimur und Suka und
die beiden Emire Buka und Doladai, zurück und brachten
Kendschatu, den Bruder Arghun's, mit sich; mit ihnen trafen
die Emire Newrus und Buralighi als Gesandte Arghun's ein. Buka
zürnte darob, dass Ahmed nicht seinem gegebenen Worte getreu
zu Charkan Halt gemacht; er deutete diese Wortverletzung
unglücklich für Ahmed und glücklich für Arghun aus. Newrus und
Buralighi kehrten unverrichteter Dinge zurück. 3. Rebiulachir
Drei Tage hernach ward von Kalpusch aufgebrochen; die Emire
Jula Timur und Imkadschin, der Sohn Suntai's, brachten ihre
Huldigung dar. Ahmed, ungeduldig des Verzuges, gab dem Akbuka
die Stelle Buka's und machte diesen dadurch um so mehr im
Herzen dem Arghun zugethan. |