Fünftes Buch
Verrath der Emire; Kendschatu's Ende; Baidu's
Thronbesteigung.
Die Unzufriedenheit der Völker Persiens mit dem in
Weichlichkeit und Wollust versunkenen Leben Kendschatu's
ermuthigte den Prinzen Baidu, welchem vor ihm von den Emiren
der Thron angetragen worden war, zum Versuche, denselben
wirklich zu behaupten. Nachdem er bei seiner letzten
Aufwartung von Kendschatu übel aufgenommen, nur durch die
Fürbitte des Günstlings Burekdschin Ikadschi vorgekommen,
beklagte er sich über solche Behandlung bei den Emiren, und
als von diesen Tudadschu, der Oberrichter Dschidschek Gurgan
Legsi, der Sohn Arghun's (des Statthalters) und Iltimur, der
Sohn Hindukur Nujan's, nach Bagdad gekommen, verband er sich
mit ihnen zum Aufstande wider Kendschatu. Dschemaleddin von
Destadscherd, der Vorsteher der Sekretäre der Steuer zu
Bagdad, schloss sich an dieselben an, und schaffte ihnen die
für den Unterhalt des Heeres nothwendigen Lebensmittel. Baidu
schickte Abgeordnete nach Bagdad, um den Mohammed Sikurdschi,
welcher dort mit dem Diplome Kendschatu's die Vogtei
verwaltete, zu tödten. Ghurantai Gurgan, der Eidam
Kendschatu's, Gemahl von dessen ältester Tochter Kotlogh, gab
durch Eilboten dem Schwiegervater von der Verschwörung der
Emire, und von dem, was zu Bagdad vorgefallen, Nachricht, und
warnte ihn wider seine nächsten Umgebungen, die Emire Doladai
Ordadschi, d. i. Kellermeister, Kundschukbal (welchem
Oldschatai, die erstgeborene Tochter Arghun's, sowie seinem
Bruder Ahmed früher Taghai, die zweite Tochter Abaka's, als
Frau bestimmt gewesen), Tukal (der Gemahl Oldschai Timur's,
der zweiten Tochter Arghun's), Ildschidai und Bukdai, als
dieses Anschlages theilhaftig. Kendschatu berieth sich mit
Akbuka, in dessen Händen noch immer die Zügel der obersten
Leitung der Geschäfte, liess die genannten Emire ergreifen und
schickte sie gebunden nach Tebris. Hasan und Taidschu, die
beiden mit der Leitung der Geschäfte Betrauten Kendschatu's
stellten die Nothwendigkeit vor, durch die Hinrichtung der
Emire das Uebel mit der Wurzel auszurotten; aber Taghadschar,
der schon verderbliche Plane hegte, verhinderte die
Hinrichtung und schickte sie als Gefangene nach Tebris in
Verhaft, den Tukal ausgenommen, welcher nach Georgien
geschickt ward. Von Arran aus gingen Gesandte an Baibuka, den
Botschafter, nach Diarbekr, dass er dort den Baidu ergreife.
Als die Gesandten nach Irbil gekommen, vernahmen sie, dass
Baibuka von Baidu's Abgesandten aufgehoben worden sei; sie
kehrten also schnell zurück, um diesen Unfall dem Herrn zu
berichten. Hierauf wurden die Emire Akbuka und Taghadschar mit
Truppen wider Baidu gesandt. Taitak führte den Vortrab von
fünftausend Reitern nach Hamadan, ihm folgten Akbuka und
Taghadschar mit zwei Tomanen. Ausser Hamadan trafen die
Vorposten Taghadschar's und Baidu's aufeinander; die Baidu's
wurden zurückgeschlagen. Der Chan selbst brach mit einem Heere
vom Thale Aher auf. Taghadschar, welcher, da Akbuka das
höchste Vertrauen genoss, von Kendschatu sich abgewandt,
sandte heimlicher Weise verrätherische Botschaft an Baidu, ihn
zum Aufruhre ermunternd. Als das Heer am Ufer des Dschaghan
stand, sagte Akbuka, wiewohl er von der heimlichen Sendung
Taghadschar's keine Kunde hatte, zu diesem: Du bist ein
Ränkeschmied, und gewahrest nicht, in welche Dinge du dich
einlässest. Taghadschar, der sich verrathen glaubte, berieth
sich in der Nacht mit seinen Emiren und ging zu Baidu über.
Akbuka, als er sich auf diese Weise verlassen sah, eilte mit
dreihundert Reitern zum Dienste des Schah. Kendschatu,
bestürzt, wollte nach Rum entfliehen, aber seine Angehörigen
redeten ihm diesen Plan aus, ihn zur Bekämpfung des Feindes
ermuthigend. Das Lager brach gegen Arran auf; als er zu
Pilsuwar stand, entfloh Hasan, der Sohn Buku's, welcher von
der Wiege auf von den Umgebungen der Majestät, um Mitternacht
zu Baidu, und die Emire Doladai und Kundschukbal, welche
bisher zu Tebris in Verhaft gehalten worden waren, thaten
desgleichen. Die Emire Irindschin und Taidschik verbanden sich
mit einigen anderen, und setzten ebenfalls den Kifdschak, den
Sohn Baidu's welcher vom Vater an Kendschatu gesandt, von
diesem in Gewahrsam behalten worden war, in Freiheit und
führten denselben dem Vater zu. |