Fünftes Buch
Verschwörung Buka's und Ermordung Teguder's.
Buka, welcher wider Ahmed den doppelten Groll ob
gebrochenem Wort und genommenem Oberbefehl nährte, vermochte
mehrere Emire zu einer Verschwörung wider Alinak und Ahmed,
indem er sie versicherte, dass dieser beschlossen, sie an der
Gränze von Isferain hinrichten zu lassen; auch den Prinzen
Huladschu, den Bruder Ahmed's, brachte er auf seine Seite. Sie
beriethen sich zuerst über das Mittel, sich Alinak's zu
entledigen. Buka sandte durch einen Vertrauten Arghun's
demselben Wort, diesen Abend den Alinak zu begehren, und zwei
der Verschworenen nahmen es auf sich, desgleichen die Emire
Karabuka und Taitak zu berufen. Nach dem Nachtgebete begab
sich Buka, von drei Reitern begleitet, in den von Wachen
besetzten Umkreis des Zeltes Arghun's und sandte einen hinein,
um den Prinzen leise zu wecken. Arghun glaubte, es sei List
und Verrätherei; als ihm aber dieser schwur, dass Nichts zu
fürchten und dass Buka als treuer Diener ihn als seinen Herrn
zu retten gekommen, schloss sich Arghun an denselben an. Als
sie um den dritten Kreis der Umzäunung kamen, rief sie eine
Wache an: Wie ist's, dass ihr ginget vier hinein und kommet
fünf heraus? Du irrst dich, Freund, sagte Buka, deine
schlafbenebelten Augen haben ehe um einen zu wenig gezählt. So
kamen sie glücklich durch in's Zelt Buka's. Arghun ward
bewaffnet, auf ein Pferd gesetzt, und sie begaben sich in das
Zelt Alinak's, der im Rausche abgethan, sein Kopf vor's Zelt
geworfen ward. In derselben Nacht wurden Boten an Huladschu
und Bektu abgesandt, die sich zu Firuskjuh befanden, dass jene
an Basar Aghul und Abukjan thun möchten, wie sie an Alinak und
Taitak gethan; in derselben Nacht wurden auch Karabuka und
andere Emire ergriffen und am nächsten Morgen hingerichtet.
Ahmed befand sich im Lager der Tudai mit dem Prinzen Kinschu
(dem Sohne Dschumkur's, des zweiten Sohnes Hulagu's) und den
Emiren Akbuka und Legsi, als er die Nachricht erhielt, dass
alle seine Treuen getödtet; er unterhielt sich zu Kalpusch
noch mit der Frau Tudai und floh dann auch von Isferain gegen
Kumis und Irak. Die Verschworenen hatten ihrerseits den Buri,
den Vogt, nach Issfahan an die Karawinas, die zu Siakuh
hielten, abgesandt, dass sie aufsitzen und den Ahmed ergreifen
sollten. Dscherik, der Emir des Lagers des hingerichteten
Prinzen Konghuratai, wurde zur Blutrache seines Herrn mit
viertausend Reitern dem Ahmed nachgesandt, und Doladai, der
Oberrichter, machte sich an der Spitze von vierhundert auf den
Weg. Die Prinzen Huladschu und Kinschu huldigten dem Arghun zu
Charkan; die Emire berathschlagten nun über die Wahl des
Chans. Buka erklärte sich laut für Arghun, während sein Bruder
Aruk und Kurmischi für Dschuschkab, den Bruder Kinschu's,
Tekia für Huladschu stimmten. Buka legte die Hand an's Schwert
und schwur, dass, so lang er es führe, es nur für Arghun und
seine Feinde dienen solle. Sie fragten nun den Tengir Gurgan,
den Gemahl der Prinzessin Tudukasch, der vierten Tochter
Hulagu's, und den Vater Kotloghschah's, der Gemahlin Arghun's,
um den letzten Willen Abaka's. Er bezeugte: er habe zu seinem
Nachfolger seinen Bruder Mengu Timur und nach dessen Tode den
Arghun ernannt. Arghun bat mit der bei mongolischen
Thronbesteigungen hergebrachten verstellten Bescheidenheit,
dass man ihn mit dem Throne verschonen und die
Statthalterschaft Chorasan, wie bei seines Vaters Lebzeit,
lassen wolle. Buka brachte die Entschuldigungen zum Schweigen,
indem er sagte: das erste sei, sich der Person Ahmed's zu
versichern, worauf dann mit Beiziehung des Raths der Frau
Oldschai (der Gemahlin Hulagu's und dann Abaka's) einer der
Prinzen zum Chan ausgerufen werden solle. Aruk und Dschuschkab
zogen mit dem Vortrab voraus, Huladschu, Kinschu und Bektu
folgten mit dem schweren Gepäcke. Zu Konkurlang bei Tebris
wurde das Haus Buka's geplündert, sein Harem auf Sundschak's
Fürbitte verschont. Ahmed, der noch gekommen, seine Mutter
Kutui zu sehen, wollte nach Derbend entfliehen; aber Schiktur
und Karabuka sandten Botschaft an Kutui Chatun, dass es der
Prinzen allgemeiner Wille, sich der Person ihres Sohnes zu
bemächtigen, und dass sie ihn bis zur Ankunft derselben hüten
wollten. Die Mutter gab ihre Einwilligung. Schiktur übergab
den Sultan einer Wache von dreihundert Mann. Unterdessen kamen
die unverschämten Räuber, die Karawinas, an, welche Buka nach
Ssugurluk gesandt hatte; sie plünderten das Harem und stiessen
sogar die Mutter Kutui Chatun und die Frauen Tudai und Ermeni
Chatun nackt hinaus. Arghun war unterdessen von Nemuwer
vorgerückt und hatte zu Abaschur bei Jüs Agadsch gelagert.
Karaukai und Schiktimur hatten mit den Karawinen den Sultan
gefangen; als ihn Arghun erblickte, streckte er nach der
mongolischen Sitte der siegreichen Pfeilschützen die Hände aus
und schrie: Mordio!; er ward sogleich getödtet. Die von Ahmed
verhafteten Emire: Taghadschar, Kundschukbal und Toladai
erhielten nun ihre Freiheit; die Frauen und Emire waren
einstimmig in der Wahl Arghun's. Ahmed wurde vor's Gericht
gestellt; Bektu und der Diener Konghuratai's befragten ihn als
seine Richter: warum er den Konghuratai unschuldiger Weise
getödtet, dem Arghun die Statthalterschaft von Chorasan
missgönnt, ihm den Alinak nachgesandt habe? Ahmed bekannte,
dass er übel gethan, künftig desgleichen nicht thun wolle. Die
Emire wollten sein Leben der Frau Kutui schenken, welche bei
Allen in grösstem Ansehen; da erhoben aber die Mutter
Konghuratai's und seine sechs Söhne Geschrei der Blutrache.
Jetzt erschien Jesu Buka Gurgan, der Gemahl der Prinzessin
Kutulun, der sechsten Tochter Hulagu's, und schreckte die
Versammlung durch die Nachricht, dass die Prinzen Huladschu
und Dschuschkab an der Gränze Hamadan's ein Heer zum
Widerstande sammelten. So erging das Jerligh der Blutrache
Konghuratai's, und Chan Ahmed fiel, der erste der mongolischen
Herrscher, unter der Sanktion der Jasa, um das vergossene Blut
Konghuratai's zu büssen; das Todesurtheil ward in der Nacht
vom Donnerstage am zehnten August vollzogen durch Timur
und Ildir, zwei Söhne Konghuratai's; sie rächten des Vaters
Tod durch den des Oheims, indem sie ihm den Rückenwirbel
brachen. |