Ilchane

Geschichte der Ilchane
das ist
der Mongolen in Persien

von

Hammer-Purgstall

mit neuen Beilagen und neuen Stammtafeln

Darmstadt. Druck und Verlag von Carl Wilhelm Leske. 1842.

Inhaltsverzeichnis

Fünftes Buch

Wassaf bei Schemseddin; Zustände von Schiras.

Schemseddin, welchem unter Abaka's Regierung von seinen Anklägern Vergeudung der Staatsgelder zur Last gelegt worden und der sich ausgewiesen, dass dieselben zum Theil für den Hofstaat der Prinzen und andere Ausgaben des Hofes aufgegangen, begann seine neue Verwaltung mit Einschränkungen der Ausgaben der Küche des Chans und des Hofstaates der Prinzen und Prinzessinnen. Die Ausgaben der Küche, welche bisher unter dem Oberstküchenmeister Fachreddin jährlich achtzig Tomane (Toman ist zehntausend) betragen hatten, wurden nun ohne Einmischung des Oberstküchenmeisters mit der Hälfte dieser Summe bestritten. Dieser besonders wider das Zehrgadenamt gerichteten Oekonomie lag einige Persönlichkeit Schemseddin's wider Fachreddin zum Grunde, weil diesem gleich nach der Thronbesteigung Teguder die Wesirschaft verleihen wollte, was sich Fachreddin verbeten hatte; nichtsdestoweniger war Schemseddin auf denselben eifersüchtig; Wassaf, bei welchem sich diese Angabe findet, konnte um so besser von der Sache unterrichtet sein, als er gerade in diesem Jahre dem Wesir Schemseddin persönlich aufwartete, und einige Spannung, in welcher er mit demselben gestanden, auszugleichen bemüht war; es scheint nämlich, dass Wassaf sich einigen Tadel über des Wesirs frühere Verwaltung erlaubt, worüber ihn der Wesir zur Rede stellte. Wassaf bekräftigte zwar mit den stärksten Schwüren das Gegentheil und sandte zweimal entschuldigende und um Vergebung flehende Verse an Schemseddin, aber „ohne dadurch“, wie er sagt, „den leicht zu lösenden Knoten der Entfremdung des Inhabers des Diwans zu entwirren“. Wiewohl Wassaf weder den Gegenstand des Tadels, noch den Anlass seiner Reise ins Hoflager näher angibt, so betrafen wahrscheinlich beide die Angelegenheiten seines Vaterlandes, die Landschaft Fars, deren Geschichte er der seinen so umständlich einverleibt hat. Zu Ende der Regierung Abaka's war die Statthalterschaft von Schiras dem Emir Sughundschak (von dem so eben als vom Richter Medschdolmülk's die Rede gewesen) anvertraut, von dessen Scharfsinn und die Wahrheit ergründenden Urtheilen Wassaf Belege erzählt. Unzufrieden mit den Pächtern der Steuereinnahme, ernannte er einen derselben, der die wenigsten Staatsgelder unterschlagen hatte, den Chodscha Nisameddin, zum Wesir und ordnete ihm die anderen Pächter unter. Zum Richter der Richter ernannte er den Ebu Mohammed Jahja Imadeddin, wiewohl der grössere Theil der Einwohner den hochgelehrten Seid Abdallah, den Verfasser vieler Werke über die Exegese und Hermeneutik, über die Ueberlieferung und Rechtsgelehrsamkeit, über Dogmatik und Philosophie für den Würdigeren erkannten. Sughundschak begab sich mit einigen Pächtern, deren Summen noch ausständig, nach Hof; nur als es in seiner Abwesenheit zwischen dem Wesir und dem Oberrichter zu Reibungen kam, sandte er einen Befehl, vermöge dessen der letzte im Hause des ersten in Verhaft gesetzt ward. Zu dieser Zeit (wo eben Medschdolmülk's Anklage wider Schemseddin angebracht und Abaka's Sinn auf Zusammenscharren des Goldes erpicht war) wandte sich der Seid Richter an Buka, einen der geheimen Schatzmeister Abaka's, welcher sich damals zu Schiras befand, und dieser sandte den Seid und den Intendenten Schemseddin nach Hof, wo sie, von Abaka wohl empfangen, ihre Beschwerden wider die Verwaltung Sughundschak's und des von ihm bestellten Wesirs Nisameddin anbrachten. Abaka reichte ihnen mit eigener Hand einen Becher Wein und befahl, dass Nisameddin zweihundert der ausständigen Tomane abtrage; dieser wurde nun im Hause des Seid Imadeddin festgesetzt und der Emir Taghadschar kam, die Eintreibung der Summe zu vollstrecken; die Pächter aber, hierdurch aufgelärmt, machten mit Nisameddin gemeinsame Sache, und wiewohl sie dem Scheine nach sich den Befehlen Taghadschar's fügten, so ruhten sie doch nicht, bis sie den Nisameddin aus der Haft befreit und Taghadschar in Verlegenheit brachten. Dieser begab sich, da unterdessen die Thronbesteigung Teguder's stattgefunden, an's Hoflager und führte seine beiden Schutzgenossen, den Melik Schemseddin und den Seid Imadeddin, mit sich. Teguder verlieh dem letzten die Wesirschaft von Schiras und forderte den Statthalter Bulghuwan, welcher öffentlich die Partei der Intendenten wider Taghadschar ergriffen hatte, nach Hof; dieser hielt die Gesandten des Chans zu Schiras auf, ohne ihnen Erlaubniss zur Rückkehr zu gewähren, und wandte sich heimlich an den Prinzen Arghun in Chorasan, von dessen Umtrieben weiter unten die Rede sein wird. Diess war der Zustand der Dinge in Fars, als Wassaf sich bei Schemseddin rein zu waschen bemüht war.

Auf Veranlassung Schemseddin's wurde eine feierliche Botschaft an den Sultan Aegyptens abgesandt, um demselben von dem Uebertritte Teguder's zum Islam Kunde zu geben. Das Beglaubigungsschreiben der beiden Gesandten und die Antwort Kilawin's sind so durch Gehalt als Styl merkwürdig genug, um unverändert hier in sach- und wortgetreuer Uebersetzung zu folgen:

„Durch Gottes des Allmächtigen Kraft (welcher erhöhet werde!) Ferman des Kaan Ahmed an Aegyptens Sultan. Gott der Allmächtige hat durch die Vorgänge seiner Gnaden und das Licht seiner Leitung in der ersten Jugend und Frische Uns geleitet auf die wahren Pfade zur Kenntniss seiner Herrlichkeit und zum Geständniss seiner Einheit, zur Zeugenschaft, dass Mohammed (über welchen das reinste Gebet!) Gottes Prophet, zum schönen Glauben in seine Heiligen und frommen Männer. Wen Gott leiten will, dessen Brust erleichtert er durch den Islam, und Wir haben nicht aufgehört, Uns für die Erhöhung der Religion und Zurechtbringung der Geschäfte des Islams geneigt zu zeigen, bis von Unserem Vater, dem Bessten, und Unserem Bruder, dem Grössten, die Reihe der Regierung auf Uns gekommen, bis dass über Uns der Schmuck seiner Gnaden ausgegossen und Wir von seinen Wohlthaten, was Wir verdienten, genossen in dem Uebermaasse seiner Gnaden, der grossen; und es ward Uns das Brautgemach des Reichs aufgeschlossen und die Braut Uns vorgeführt unverdrossen. Es wurde von Uns ein gebenedeites Kurultai versammelt, diess ist die Versammlung, wo einen Funken gibt der Feuerstahl der Brüder und Kinder, der Emire, der Grossen, der Führer des Heers, der Vorgesetzten der Truppen; ihr Wort stimmte darin überein, die Verfügung Unseres Bruders des Grossen auszuführen in der Aufstellung eines allgemeinen Aufgebotes Unserer Heere: die Erde ist zu enge vor ihrer Menge, und es füllet die Herzen Schrecken vor der Gewalt, womit sie die Erde bedecken; vor ihrem hohen Muthe werden die Berge zu Ebenen ausgegleichet und die härtesten Felsen erweichet. Wir dachten nach über das, was sie sich vorgenommen und worin ihre Begierden übereingekommen, und Wir fanden, dass ihre Absicht widerstreite mit dem, was Wir in Unserem Innern beschlossen zur Bewirkung allgemeinen Wohls. Hierunter verstehen Wir die Stärkung der Satzungen des Islams, dass so viel als möglich keiner von Unseren Befehlen in anderer Absicht ergehe, als um Blut und Brand zu stillen und alle Länder mit dem Wehen der Winde der Ruhe und der Sicherheit zu erfüllen, und damit ausruhen mögen die Könige der anderen Länder auf dem Lager der Milde und Wohlthätigkeit, um Gottes Befehle zu ehren und dem Volke Gottes Mitleid zu gewähren. Gott hat Uns eingegeben, dieses Feuer auszulöschen und diese Unruhe zu stillen, und die Anzeige dessen, den Gott der Allmächtige hierauf geleitet hat, ist die des Vorschlags der Mittel, womit die Heilung der Welt von den Gebrechen erzweckt und die Anwendung der letzten verschoben würde; denn Wir lieben, nicht schneller die Pfeile zu senden und uns zu den Lanzen des Kampfes zu wenden, als nachdem Wir das Nöthige erklärt, und Wir gestatten diess nicht, als nachdem Wir die Wahrheit und Nothwendigkeit mit Beweisen bewährt. Wir wurden bestärkt in dem, was wir Uns Gutes vorgenommen hatten, und in der Durchführung gemeinnütziger Thaten durch die frommen Wünsche des Scheichs des Islams, des Musterbildes der Erkennenden, dessen Hilfe Uns in den Geschäften der Religion nützt und unterstützt, und Wir haben dieses Schreiben erlassen als Gottes Barmherzigkeit für den, der sich demselben fügt, wie sich's gehört, und als Pein wider den, der sich abwendet und empört. Wir haben damit betraut den entscheidendsten der Richter, den Pol der Religion und des Volks (Kutbeddin), und den Atabeg (Behaeddin), welche beide von den Bewährtesten und Gelehrtesten dieses blühenden Reichs, weil sie Unsere Wege kennen und weil sie mit Gewissheit wissen, was Uns eingibt Unser Gewissen zum allgemeinen Wohl der Moslimen. Wir haben sie in dieser Absicht gesendet, denn Wir sind von Gott auf die Wachsamkeit angewiesen, denn der Islam liebt, was ihn empfängt, und Gott der Allmächtige hat in Unser Herz gelegt, dass Wir der Wahrheit und ihren Bekennern folgen sollen, damit sie bezeugen die grosse Gnade Gottes über die Gesammtheit in dem, was wir fordern als Vertrag der Ursachen der Wohlthat. Sucht dieses nicht zu erproben durch einen Rückblick auf Unsere Brüder (die Herrscher vergangener Zeit), denn jedem Tage ist anderes Loos bereit. Wenn die Seelen Einsicht nehmen wollen in einen Beweis, wodurch die Forderung des Vertrauens befestiget würde, und in eine Urkunde, worin sie die Erfüllung ihres Wunsches fänden, so sollen sie ihre Blicke auf Unsere Denkmale richten, deren Ruhm nicht klein und deren Wirkung allgemein. Wir haben unter Gottes Leitung angefangen, die Spuren der Religion zu erheben, dieselben in jedem Dinge an Tag zu legen und auszuheben zur Aufrechterhaltung der Novellen des Gesetzes, des mohammedanischen, nach Erforderniss der Kanone der Gerechtigkeit, der ahmedischen, um es zu erheben und demselben Ehre zu geben. Wir liessen Freude scheinen in die Herzen des Wesens, des gemeinen, Wir haben nachgesehen die Vergehen und den Schuldigen verziehen und stellten auf die Verbesserung der Geschäfte Unser Bemühen, auf die frommen Stiftungen der Moslimen, von Moscheen, Grabstätten, Medreseen, auf den Bau frommer Zellen und verfallener Wachposten, indem Wir die Einkünfte derselben denen, so dieselben verdienen, verlieh'n und dadurch erfüllet der Stifter Sinn; Wir haben verwehrt, dass Neuerung in denselben werde begehrt und dass das Geringste werde verletzt von dem, was ursprünglich festgesetzt; Wir haben befohlen, den Pilgerreisen die grösste Ehre zu erweisen, ihre Schaaren zu bewahren, ihre Wege zu sichern und zu ebnen die Bahnen der Karawanen; Wir haben freigelassen die Strassen den Kaufleuten, die von Land zu Land wandeln und handeln, damit sie nach ihrer Willkür und mit ihrem bessten Vermögen reisen mögen; Wir verwehren den Heeren, den Wachen und denen, welche die Runde machen, dass sie denselben auf ihren Wegen, wenn sie kommen oder gehen, das Geringste in den Weg legen. Eine Unserer Wachen hat einen Kundschafter ergriffen in der Verkleidung eines Fakirs, und wiewohl es in der Ordnung gewesen wäre, denselben zu tödten, so wollten Wir doch nicht sein Blut vergiessen lassen aus Schonung dessen, was Gott verboten, und Wir haben denselben zurückgesandt. Indessen ist es denselben nicht unbekannt, dass die Kundschafter ein Schaden im Land; denn so lang unsere Armeen dieselben in der Gestalt von Fakiren und Andächtigen sehen, ist ihre Meinung von diesen Leuten schlecht, sie tödten den Mann und thun, was sie gethan: die Nothwendigkeit davon ist, Gott sei Dank, erhöhet durch das, was Wir ergehen liessen, um die Wege aufzuschliessen dem Zuge der Kaufleute und anderer Wanderer. Wenn dieselben diesen Geschäften einiges Bedenken schenken, so wird denselben nicht verborgen sein, dass diese Eigenschaften uns angeboren als zweite Natur und dass darin von Affectation keine Spur; und da die Sache so liegt, so sind alle Anforderungen gegenseitiger Abneigung, welche zum Widerstand führten, aus dem Wege geräumt. Diese gründeten sich vormals auf den Weg verschiedener Religion und der Entfernung von dem Schoosse des Islams; aber nun ist durch Gottes Huld und die Gunst Unseres Glückes das helle Licht erschienen, und wenn es vormals Ursachen gab, so wandten wir uns nun von denselben zum Besseren ab; Wir sind auf dem Pfade der Gnade, wo Einkehr und Rückkehr. Wir haben den Schleier aufgehoben durch dieser Anrede Farben und haben dieselben unterrichtet von dem, was wir zu thun aufrichtig gesonnen, und haben hiermit begonnen; Wir haben Unseren Heeren verboten, zuwider zu handeln diesen Geboten, Gott und seinem Propheten zu Gefallen. Damit auf den Blättern die Spuren des Glücks und der Annahme erscheinen, damit die Welt über die Verschiedenheit des Wortes beruhiget werde, damit durch das Licht des Einverständnisses verschwinde die Finsterniss des Missverständnisses, damit ausruhen mögen unter dem weiten Schatten die Städter und die Bewohner der Matten, und damit sich erfrischen die Seelen, welchen die Plagen gestiegen in die Kehlen. Wenn Gott der Herr den Sultan Aegyptens leitet zum Besten der Welt und zu dem, was die Ordnung der Menschen erhält, so ist's nöthig für ihn, den Eimer fester Anhänglichkeit zu erfassen und zu wandeln dergleichen Strassen durch Eröffnung der Thore der Unterwürfigkeit und Einigkeit, durch Erwähnung der Aufrichtigkeit, damit diese Länder sich dieser Gnaden erfreuen, damit die Unruhen sich legen, welche zerstreuen, damit die Schwerter, welche schneiden, gesteckt werden in die Scheiden, damit die ganze Erde ein Eden der Ruhe werde, damit die Nacken der Moslimen werden befreit von dem Joche der Verachtung und Niedrigkeit. Sollte aber böse Meinung die Oberhand behalten über das, was Wir aus Gottes des Allverleihers Barmherzigkeit behalten, und sollte dieselbe verwehren, diesem Antrage, wie er es verdient, Anerkennung zu gewähren, so wird Gott Unsere Bemühungen ehren und Unsere Entschuldigungen lassen gewähren. Wir haben Uns nicht zur Strafe gewandt, ehe Wir einen Gesandten gesandt; bei Gott, er leitet zur Rechtlichkeit und zum rechten Verstand! Er bewahret sicher die Unterthanen und das Land. Wir rechnen auf Gott den Einen. Geschrieben Ende Dschemmasiulewwels 681 (Anfangs September 1282).“

© seit 2006 - m-haditec GmbH - info@eslam.de