Viertes Buch
Abaka's Aufbruch; Borrak's Niederlage.
Fast zwei Tage früher, als Borrak Nischabur verheerte,
brach Abaka, von allen seinen Brüdern, Jaschmut und Tekschin
ausgenommen, die schon in Chorasan, begleitet, dahin von der
Gränze Aserbeidschan's auf. Als er nach dem zwischen Sendschan
und Ebher gelegenen Distrikt Schirgis gekommen (wo später die
Stadt Sultanie erbaut ward), welchen die Mongolen Kungurulang
nennen, wartete ihm der von Kubilai an ihn geschickte Gesandte
Tekadschek auf, welcher von Borrak aufgefangen und in Verhaft
gehalten, demselben entflohen war. Auf die durch ihn erhaltene
Kundschaft von der Schwelgerei und der Sorglosigkeit Borrak's
beschleunigte Abaka seinen Marsch; jenseits Rei, zu Kumis,
kamen ihm sein Bruder Tekschin, der General Arghun und sein
Sohn Arghun und mit ihnen der Sultan Kerman's bewillkommend
entgegen; auf der Ebene von Radegan wurden Gold und Silber in
Menge unter das Heer vertheilt und demselben mit Drohungen und
Verheissungen die Erfüllung seiner Pflichten eingebunden. Von
hier ging der Marsch nach Bachers, dem zwischen Nischabur und
Herat gelegenen Distrikte, in der Literaturgeschichte durch
Bachersi, den Verfasser der berühmten Blüthenlese, für immer
geadelt. Gegen Farab, nicht zu verwechseln mit Farab, dem
Geburtsorte des grössten Philosophen und Gesetzgebers der
Tonkunst, Farabi, welchen die Araber den zweiten Lehrer, wie
Aristoteles den ersten, nennen, sandte er Streifparteien aus
und beschäftigte sich mit der Vertheilung des Heeres in
verschiedenen Richtungen. Dem Bruder Jaschmut übertrug er den
Befehl des rechten Flügels, den Obotai Nujan behielt er bei
sich im Mittelpunkte, den Bruder Tekschin sandte er nach
Beldschaghran, dem Jurte Merghaul's, wo einige der Vorposten
Merghaul's getödtet wurden; dieser eilte, dem Borrak die Kunde
zu bringen, dass ein feindliches Heer zugegen. Borrak sagte:
Wenn Tekschin und Arghun wieder zurückgekommen, so wissen wir
schon, was von ihnen zu halten, da wir sie geschlagen; ein
Anderes wäre es mit Abaka; geh' und verrenne ihnen den Weg,
bis wir zur Schlacht gerüstet. Von Badghis aus sandte Abaka
einen fündigen Gesandten an Borrak mit Friedensanträgen: er
wolle ihm Ghasnin und Kerman und das Land bis an den Indus
überlassen, er möge freiwillig zurückkehren; wenn nicht, zur
Schlacht gerüstet sein. Prinz Jesawur rieth zum Frieden, weil
Kipdschak und Dschebat entflohen und die Pferde noch schwach.
Merghaul ereiferte sich dagegen und behauptete, das anziehende
Heer seien nur die Truppen Tekschin's und Jaschmut's, indem
das Abaka's in Syrien beschäftigt sei. Dschelartai sprach im
Sinne Merghauls: Wir sind zum Kriege ausgezogen; wenn du
Frieden gewünscht, wärest du besser jenseits des Oxus
geblieben. Borrak fragte den Astrologen Dschelal; dieser rieth,
einen Monat zu warten, indem die Ansichten der Gestirne
ungünstig. Merghaul und Dschelartai sprachen erzürnt dagegen;
die Schlacht ward beschlossen. Abaka befahl dem Emire Toghus,
das Terrain auszuwählen. Er bestimmte am Fusse eines Berges
eine grosse Ebene, vom Flusse Karasu durchschnitten. Drei hier
aufgegriffene Kundschafter wurden durch eine Kriegslist
Abaka's getäuscht, indem in ihrer Gegenwart ein eingelernter
Bote die falsche Nachricht brachte, dass zu Hause ihr Jurt von
den Feinden im Norden überfallen, schleunigen Rückzug fordere.
Dieser wurde in der grössten Eile veranstaltet, das ganze
Lager im Stich gelassen; der Befehl zur Hinrichtung der
Kundschafter ward öffentlich, heimlich der gegeben, dass man
einen derselben entwischen lasse. Borrak mit seinen beiden
schlachtlustigen Feldherren, Merghaul und Dschelartai, gingen
in die Falle; das zurückgelassene Lager ward geplündert und
dann der flüchtige Feind verfolgt bis an den Ort, welchen
Abaka zum Schlachtfeld ausersehen; Borrak, betroffen, stellte
sich am Flusse in Schlachtordnung auf. Abaka gab den Befehl
des rechten Flügels dem Bruder Tekschin und dem Emir Semghur,
den des linken dem Bruder Jaschmut, unter welchem die Generale
Suntai und Arghunaga; der letzte befehligte die Hilfstruppen
von Kerman und Fars, deren Anführer Sultan Hidschadsch und der
Atabeg Jusufschah; Obotai befehligte das Mitteltreffen.
Merghaul fiel gleich Anfangs der Schlacht, Dschelartai schlug
den linken Flügel und drückte denselben bis Fuschendsch
zurück; der rechte Flügel und der Mittelpunkt hielten noch
fest; als aber auch die Truppen Abaka's zu wanken begannen,
liess sich Suntai, der neunzigjährige Feldherr desselben, auf
einem Sessel mitten im Schlachtfeld nieder und sagte zu den
ihn umgebenden Offizieren: „Heut' ist der Tag, uns dankbar
gegen Abaka zu erweisen durch Sieg oder Tod.“ Nach dreimaligem
Angriffe wurde Borrak geschlagen; sein ganzes Heer wäre
verloren gewesen ohne Dschelartai's Muth und Geistesgegenwart.
Er sammelte die zerstreuten Flüchtlinge und bewirkte ihren
Rückzug über den Oxus. |