Ilchane

Geschichte der Ilchane
das ist
der Mongolen in Persien

von

Hammer-Purgstall

mit neuen Beilagen und neuen Stammtafeln

Darmstadt. Druck und Verlag von Carl Wilhelm Leske. 1842.

Inhaltsverzeichnis

Viertes Buch

Abaka's Familie.

Nachdem die Leser auf diese Weise die Heerführer, Statthalter und Wesire Abaka's kennen gelernt, müssen sie sich auch mit seiner eigenen Familie näher bekannt machen. Diese bestand, die kinderlosen Beischläferinnen ungerechnet, aus der Mutter, eilf Frauen, drei Beischläferinnen Müttern, sieben Töchtern und zwei Söhnen. Seine Mutter war die Frau Jesundschin aus dem Stamme Suldus. Von seinen Frauen nennen wir die beiden, nach des Vaters Tode aus dessen Harem in das seine herübergenommenen zuerst, weil sie durch Ansehen und Würde den übrigen vorgingen; diese waren: die Frau Oldschai Chatun, welche mit Tokus Chatun den Vater Hulagu auf seinem Auszuge nach Persien begleitet hatte, die treue Gefährtin desselben auf seinen dreizehnjährigen Feldzügen; dann Tokini Chatun, die Base der grossen Frau Tokus, die Beischläferin Hulagu's, welcher Abaka nach dem Tode ihrer Base das Lager derselben aneignete, ihr als Frau den Baghtak, d. i. den Frauenkopfschmuck, aufsetzte und an die Stelle Durdschi Chatun's als grosse Frau erklärte. Die vierte seiner Gemahlinnen war die Tatarin Nukdan, die Mutter seines Sohnes Kendschatu, welche aber jung starb. Ihr folgte Iltürmisch Chatun, die Tochter Timurgurgan's, die Schwester Turka Gurgan's, des Konghuraten. Hierauf nahm er die Prinzessin Padischah Chatun, die Tochter Sultan Kutbeddin Mohammed Chan's von Kerman, die er an die Stelle seiner Mutter, Jesundschin, setzte, so dass ihr die ersten Ehren des Frauengemachs erwiesen wurden. Die siebente und achte Gemahlin waren ebenfalls zwei Wittwen Hulagu's, die Konghuratinnen Frauen Mertai und Kuti Chatun, Schwestern Musa Gurgan's, des Sohnes der Tochter Tschengischan's, von denen die erste unter der Regierung Arghun's gestorben. Die neunte Gemahlin, Tudai Chatun, die Konghuratin, und nach ihr Bulghan Chatun, die Verwandte des Oberstrichters Nokai die Konghuratin, welche er vor allen anderen liebte und daher im Range sowohl der Mertai als der Despina, d. i. der griechischen Prinzessin, vorsetzte. Die letzte war Maria, die natürliche Tochter Michael's, des Paläologen, aus einer Diplowatzerin. Michael, welcher gegen das Ende der Regierung Hulagu's mit demselben Frieden und Freundschaft unterhandelt hatte, sandte ihm zum Unterpfande desselben die Tochter vom Archimandriten des Klosters des Pantokrators von Villehardouin, dem Bruder des Fürsten des Peloponnesos, mit reichen Geschenken begleitet; unter diesen befand sich eine tragbare Kirche in Gestalt eines Zeltes, dessen Wände und Dach dichte seidene Stoffe, mit goldenen Kreuzen und Heiligenbildern und den Opfergefässen. Der Paläolog durfte sich schmeicheln, dass dieselbe als Christin von ihrer Glaubensgenossin, der Frau Tokus, wohl empfangen, wie dieselbe die Freiheit öffentlichen Gottesdienstes im Lager mit Glocken geniessen würde. In Cäsarea angelangt, erhielt sie die Nachricht vom Tode Hulagu's; aber Michael, gleich folgerecht in seiner Politik, welcher er die Tochter opferte, und in der mongolischen Ansicht, nach welcher die Gemahlinnen und Bräute aus dem Frauengemache der Väter in das der Söhne übergingen, sandte den Befehl zur Fortsetzung der Reise an den Hof Abaka's, in dessen Frauengemach sie doch der aus persönlicher Neigung vorgezogenen Frau Bulghan weichen musste. Von seinen Beischläferinnen gebar ihm Kaitmisch Ikadschi den Sohn Arghun, dann Kewkebi Ikadschi die Tochter Toghandschuk, hierauf Buludschin Ikadschi die beiden Töchter Ilkotlogh und Oldschatai; die vier anderen wurden ihm von Gemahlinnen geboren, nämlich Julkotlogh und Taghai aus der Frau Tudai, dann Nudschin aus der Frau Mertai und endlich Melike aus der Frau Bulghan. Diese sieben Töchter waren keine an Prinzen vom Geblüte, sondern nur an Söhne von Emiren oder grossen Beamten vermählt; so Julkotlogh an den Ildschitai Kuschdschi von der Leibwache, Toghandschuk an den Emir Newrus, den Sohn Arghunaga's, Melike an Taghai Buka, den Sohn des Oberrichters Nokai. In dieser Gallerie von Frauen sind die merkwürdigsten die griechische Prinzessin Maria, die karachitaische Prinzessin Padischah Chatun und vor allen Bulghan Chatun, eine gewiss eben so an Schönheit als an Geist hochbegabte Frau, welche ohne so ausgezeichnete Vorzüge nicht die grosse Rolle gespielt haben könnte, in welcher sie, von einem Frauengemache der Herrscher in's andere wandernd, dieselben mehr oder minder beherrschte durch Schönheit und Geist, hohen Muth und Charakter ein ganzes Menschenalter hindurch, dreissig Jahre lang.

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