Viertes Buch
Abaka's Familie.
Nachdem die Leser auf diese Weise die Heerführer,
Statthalter und Wesire Abaka's kennen gelernt, müssen sie sich
auch mit seiner eigenen Familie näher bekannt machen. Diese
bestand, die kinderlosen Beischläferinnen ungerechnet, aus der
Mutter, eilf Frauen, drei Beischläferinnen Müttern, sieben
Töchtern und zwei Söhnen. Seine Mutter war die Frau
Jesundschin aus dem Stamme Suldus. Von seinen Frauen nennen
wir die beiden, nach des Vaters Tode aus dessen Harem in das
seine herübergenommenen zuerst, weil sie durch Ansehen und
Würde den übrigen vorgingen; diese waren: die Frau Oldschai
Chatun, welche mit Tokus Chatun den Vater Hulagu auf seinem
Auszuge nach Persien begleitet hatte, die treue Gefährtin
desselben auf seinen dreizehnjährigen Feldzügen; dann Tokini
Chatun, die Base der grossen Frau Tokus, die Beischläferin
Hulagu's, welcher Abaka nach dem Tode ihrer Base das Lager
derselben aneignete, ihr als Frau den Baghtak, d. i. den
Frauenkopfschmuck, aufsetzte und an die Stelle Durdschi
Chatun's als grosse Frau erklärte. Die vierte seiner
Gemahlinnen war die Tatarin Nukdan, die Mutter seines Sohnes
Kendschatu, welche aber jung starb. Ihr folgte Iltürmisch
Chatun, die Tochter Timurgurgan's, die Schwester Turka
Gurgan's, des Konghuraten. Hierauf nahm er die Prinzessin
Padischah Chatun, die Tochter Sultan Kutbeddin Mohammed Chan's
von Kerman, die er an die Stelle seiner Mutter, Jesundschin,
setzte, so dass ihr die ersten Ehren des Frauengemachs
erwiesen wurden. Die siebente und achte Gemahlin waren
ebenfalls zwei Wittwen Hulagu's, die Konghuratinnen Frauen
Mertai und Kuti Chatun, Schwestern Musa Gurgan's, des Sohnes
der Tochter Tschengischan's, von denen die erste unter der
Regierung Arghun's gestorben. Die neunte Gemahlin, Tudai
Chatun, die Konghuratin, und nach ihr Bulghan Chatun, die
Verwandte des Oberstrichters Nokai die Konghuratin, welche er
vor allen anderen liebte und daher im Range sowohl der Mertai
als der Despina, d. i. der griechischen Prinzessin, vorsetzte.
Die letzte war Maria, die natürliche Tochter Michael's, des
Paläologen, aus einer Diplowatzerin. Michael, welcher gegen
das Ende der Regierung Hulagu's mit demselben Frieden und
Freundschaft unterhandelt hatte, sandte ihm zum Unterpfande
desselben die Tochter vom Archimandriten des Klosters des
Pantokrators von Villehardouin, dem Bruder des Fürsten des
Peloponnesos, mit reichen Geschenken begleitet; unter diesen
befand sich eine tragbare Kirche in Gestalt eines Zeltes,
dessen Wände und Dach dichte seidene Stoffe, mit goldenen
Kreuzen und Heiligenbildern und den Opfergefässen. Der
Paläolog durfte sich schmeicheln, dass dieselbe als Christin
von ihrer Glaubensgenossin, der Frau Tokus, wohl empfangen,
wie dieselbe die Freiheit öffentlichen Gottesdienstes im Lager
mit Glocken geniessen würde. In Cäsarea angelangt, erhielt sie
die Nachricht vom Tode Hulagu's; aber Michael, gleich
folgerecht in seiner Politik, welcher er die Tochter opferte,
und in der mongolischen Ansicht, nach welcher die Gemahlinnen
und Bräute aus dem Frauengemache der Väter in das der Söhne
übergingen, sandte den Befehl zur Fortsetzung der Reise an den
Hof Abaka's, in dessen Frauengemach sie doch der aus
persönlicher Neigung vorgezogenen Frau Bulghan weichen musste.
Von seinen Beischläferinnen gebar ihm Kaitmisch Ikadschi den
Sohn Arghun, dann Kewkebi Ikadschi die Tochter Toghandschuk,
hierauf Buludschin Ikadschi die beiden Töchter Ilkotlogh und
Oldschatai; die vier anderen wurden ihm von Gemahlinnen
geboren, nämlich Julkotlogh und Taghai aus der Frau Tudai,
dann Nudschin aus der Frau Mertai und endlich Melike aus der
Frau Bulghan. Diese sieben Töchter waren keine an Prinzen vom
Geblüte, sondern nur an Söhne von Emiren oder grossen Beamten
vermählt; so Julkotlogh an den Ildschitai Kuschdschi von der
Leibwache, Toghandschuk an den Emir Newrus, den Sohn
Arghunaga's, Melike an Taghai Buka, den Sohn des Oberrichters
Nokai. In dieser Gallerie von Frauen sind die merkwürdigsten
die griechische Prinzessin Maria, die karachitaische
Prinzessin Padischah Chatun und vor allen Bulghan Chatun, eine
gewiss eben so an Schönheit als an Geist hochbegabte Frau,
welche ohne so ausgezeichnete Vorzüge nicht die grosse Rolle
gespielt haben könnte, in welcher sie, von einem Frauengemache
der Herrscher in's andere wandernd, dieselben mehr oder minder
beherrschte durch Schönheit und Geist, hohen Muth und
Charakter ein ganzes Menschenalter hindurch, dreissig Jahre
lang. |