Viertes Buch
Thronbesteigung Abaka's und Vertheilung der
Statthalterschaften; die Familie desselben und Schemseddin's;
Schlacht gegen Nokai; armenische und ägyptische Verhältnisse;
Krieg wider Borrak und dessen Ende; zweite Thronbesteigung
Abaka's in Luristan; der Tod grosser Männer; Schemseddin Kert
und Dschuweini; die niguderischen Banden in Fars; ägyptische
Verhältnisse; Streifzug wider Armenien; Verheerung Ciliciens;
Schlacht von Elbistan; Gesandtschaft an Beibars; Schemseddin
verungnadet und wieder zu Gnaden aufgenommen; Schicksale
Alaeddin's Dschuweini; Schlacht von Himss; Abaka's Tod;
Verhältniss gegen die Christen.
Abaka's Thronbesteigung.
Das Geheimniss ist das Element, in welchem sich die Politik
am sichersten bewegt; am wenigsten bedarf derselben die
gerade, offene des Völkerwohls, welcher das Gesetz den
sicheren Pfad vorzeichnet; am meisten die dunkel quergängige
des Despotismus, indem sie den, durch Nebenbuhler gefährdeten
Besitz der Macht ergreift; desshalb war es von jeher in
östlichen Reichen und auch in westlichen, schon vom
Hinscheiden des ersten römischen Kaisers angefangen,
Staatsbrauch, den Tod des Herrschers so viel und so lange als
möglich zu verheimlichen, bis dass nach getroffenen
zeitgemässen Anstalten die Kunde desselben immer zugleich mit
der von der Besitzergreifung des Nachfolgers verlaute[473];
[246] daher wurden, sobald als Hulagu gestorben, nach
mongolischem Staatsgebrauch alle Wege gesperrt und Befehl
erlassen, dass Niemand sich von seiner Stätte bewege. Ein
Eilbote ward an Abaka, den durch des Vaters Anordnung zum
Throne bestimmten Nachfolger, Statthalter von Chorasan,
abgefertigt, und zugleich Arghun, welcher bei Abaka die Stelle
des Wesirs bekleidete, einberufen. Abaka, der sich damals im
Winterquartiere von Arran, und sein Bruder Jaschmut, der sich
an der Gränze von Derbend befand, trafen am achten Tage nach
des Vaters Tod ein; der letzte, der unberufen gekommen,
kehrte, als er sah, dass die Fluth der Stimmen der Emire wider
ihn rinne, in zwei Tagen wieder zurück; 19. Dschem. ewwel 663/
9. März 1265 Abaka aber stieg im Lager von Tschaghantu (am
Goldfluss in der Nähe Meragha's) ab, wo ihm die Emire
bewillkommend entgegengingen und Ilkai, der Emir des Lagers,
dem Prinzen als treuer Diener zugethan, demselben, der erste,
Brod und Wein als Bürgen der Sicherheit reichte. Nachdem die
Prinzen und Prinzessinnen ihr Beileid bezeugt, versammelten
sich die grossen Emire und Nujane, deren sich eben Viele
gegenwärtig befanden[474]. Sundschak Nujan, welchem Hulagu
seinen letzten Willen und die Schriften anvertraut hatte, und
Arghun bezeugten mehr als die Anderen, dass nach Hulagu's
letztwilliger Anordnung Abaka zum Nachfolger auf dem Throne
bestimmt worden; sogleich knieten die Brüder nieder und
huldigten dem Abaka als Herrn. Abaka verwies sie auf den
Befehl Kubilai's, des Bruder Kaan's Moilchan's. Sie aber
sagten: Du kennst besser als wir die Gebote und Verbote der
Jasa, der alten und neuen, wie sollte er einen anderen
ernennen; und so bestieg er nach dreimonatlicher Berathung und
herkömmlicher Weigerung Freitags den neunzehnten Juni den
Thron im ein und dreissigsten Jahre seines Alters. 3. Ramasan
663/
19. Juni 1265 [247] Die Prinzen warfen die Mützen in die
Höhe, die Gürtel um den Hals, um dadurch zu sagen, dass ihr
Kopf unbedeckt, das ist nicht mehr frei, dass ihr Gürtel
bereit, als Strang auf Befehl des Herrn den Hals zuzuschnüren,
beugten siebenmal das Knie vor der Sonne und dann vor dem
Chan. „Die Schenken schenkten ein den flüssigen Edelstein, der
leichter als des Feuers Schein, und wie des Paradieses Quelle
rein; sie massen den Wein in kleinen und grossen Massen aus
goldenen und silbernen Tassen ein.“ Mehrere Tage dauerte das
Fest. In dem vom Astronomen Nassireddin von Tus als glücklich
bezeichneten Monate hatte die Thronbesteigung am Tschaghan
Nur, d. i. am weissen See, im Distrikte Ferahan, statt;
Ferahan ist eine Stadt mittler Grösse am Ufer eines Sees, wo
nach persischer geschichtlicher Ueberlieferung Tahmuras, der
Diwbändiger, seine Residenz erbaute, die längst in Schutt
zerfallen[475]; es liegt in derselben Höhe und Breite, wie das
vier Tagreisen von Hamadan, sechzig Farasangen von Issfahan
entfernte Dolfabad, der Bau des zur Zeit Harun Raschid's durch
seinen Witz, Frohsinn, Reichthum und Kredit so berühmten Emirs
Ebu Dolf Kasim Ben Isa Ben Idris; südlich vom Gebirge Rasmend,
an dessen Fusse die grosse Fontaine Chosrew's Perwis. An
dieser, durch historische Erinnerungen aus der ältesten Zeit
des persischen Reichs und der des Chalifates so reichhaltigen
Gegend am weissen See trat Abaka die Herrschaft an.