Ilchane

Geschichte der Ilchane
das ist
der Mongolen in Persien

von

Hammer-Purgstall

mit neuen Beilagen und neuen Stammtafeln

Darmstadt. Druck und Verlag von Carl Wilhelm Leske. 1842.

Inhaltsverzeichnis

Viertes Buch

Thronbesteigung Abaka's und Vertheilung der Statthalterschaften; die Familie desselben und Schemseddin's; Schlacht gegen Nokai; armenische und ägyptische Verhältnisse; Krieg wider Borrak und dessen Ende; zweite Thronbesteigung Abaka's in Luristan; der Tod grosser Männer; Schemseddin Kert und Dschuweini; die niguderischen Banden in Fars; ägyptische Verhältnisse; Streifzug wider Armenien; Verheerung Ciliciens; Schlacht von Elbistan; Gesandtschaft an Beibars; Schemseddin verungnadet und wieder zu Gnaden aufgenommen; Schicksale Alaeddin's Dschuweini; Schlacht von Himss; Abaka's Tod; Verhältniss gegen die Christen.

Abaka's Thronbesteigung.

Das Geheimniss ist das Element, in welchem sich die Politik am sichersten bewegt; am wenigsten bedarf derselben die gerade, offene des Völkerwohls, welcher das Gesetz den sicheren Pfad vorzeichnet; am meisten die dunkel quergängige des Despotismus, indem sie den, durch Nebenbuhler gefährdeten Besitz der Macht ergreift; desshalb war es von jeher in östlichen Reichen und auch in westlichen, schon vom Hinscheiden des ersten römischen Kaisers angefangen, Staatsbrauch, den Tod des Herrschers so viel und so lange als möglich zu verheimlichen, bis dass nach getroffenen zeitgemässen Anstalten die Kunde desselben immer zugleich mit der von der Besitzergreifung des Nachfolgers verlaute[473]; [246] daher wurden, sobald als Hulagu gestorben, nach mongolischem Staatsgebrauch alle Wege gesperrt und Befehl erlassen, dass Niemand sich von seiner Stätte bewege. Ein Eilbote ward an Abaka, den durch des Vaters Anordnung zum Throne bestimmten Nachfolger, Statthalter von Chorasan, abgefertigt, und zugleich Arghun, welcher bei Abaka die Stelle des Wesirs bekleidete, einberufen. Abaka, der sich damals im Winterquartiere von Arran, und sein Bruder Jaschmut, der sich an der Gränze von Derbend befand, trafen am achten Tage nach des Vaters Tod ein; der letzte, der unberufen gekommen, kehrte, als er sah, dass die Fluth der Stimmen der Emire wider ihn rinne, in zwei Tagen wieder zurück; 19. Dschem. ewwel 663/

9. März 1265 Abaka aber stieg im Lager von Tschaghantu (am Goldfluss in der Nähe Meragha's) ab, wo ihm die Emire bewillkommend entgegengingen und Ilkai, der Emir des Lagers, dem Prinzen als treuer Diener zugethan, demselben, der erste, Brod und Wein als Bürgen der Sicherheit reichte. Nachdem die Prinzen und Prinzessinnen ihr Beileid bezeugt, versammelten sich die grossen Emire und Nujane, deren sich eben Viele gegenwärtig befanden[474]. Sundschak Nujan, welchem Hulagu seinen letzten Willen und die Schriften anvertraut hatte, und Arghun bezeugten mehr als die Anderen, dass nach Hulagu's letztwilliger Anordnung Abaka zum Nachfolger auf dem Throne bestimmt worden; sogleich knieten die Brüder nieder und huldigten dem Abaka als Herrn. Abaka verwies sie auf den Befehl Kubilai's, des Bruder Kaan's Moilchan's. Sie aber sagten: Du kennst besser als wir die Gebote und Verbote der Jasa, der alten und neuen, wie sollte er einen anderen ernennen; und so bestieg er nach dreimonatlicher Berathung und herkömmlicher Weigerung Freitags den neunzehnten Juni den Thron im ein und dreissigsten Jahre seines Alters. 3. Ramasan 663/

19. Juni 1265 [247] Die Prinzen warfen die Mützen in die Höhe, die Gürtel um den Hals, um dadurch zu sagen, dass ihr Kopf unbedeckt, das ist nicht mehr frei, dass ihr Gürtel bereit, als Strang auf Befehl des Herrn den Hals zuzuschnüren, beugten siebenmal das Knie vor der Sonne und dann vor dem Chan. „Die Schenken schenkten ein den flüssigen Edelstein, der leichter als des Feuers Schein, und wie des Paradieses Quelle rein; sie massen den Wein in kleinen und grossen Massen aus goldenen und silbernen Tassen ein.“ Mehrere Tage dauerte das Fest. In dem vom Astronomen Nassireddin von Tus als glücklich bezeichneten Monate hatte die Thronbesteigung am Tschaghan Nur, d. i. am weissen See, im Distrikte Ferahan, statt; Ferahan ist eine Stadt mittler Grösse am Ufer eines Sees, wo nach persischer geschichtlicher Ueberlieferung Tahmuras, der Diwbändiger, seine Residenz erbaute, die längst in Schutt zerfallen[475]; es liegt in derselben Höhe und Breite, wie das vier Tagreisen von Hamadan, sechzig Farasangen von Issfahan entfernte Dolfabad, der Bau des zur Zeit Harun Raschid's durch seinen Witz, Frohsinn, Reichthum und Kredit so berühmten Emirs Ebu Dolf Kasim Ben Isa Ben Idris; südlich vom Gebirge Rasmend, an dessen Fusse die grosse Fontaine Chosrew's Perwis. An dieser, durch historische Erinnerungen aus der ältesten Zeit des persischen Reichs und der des Chalifates so reichhaltigen Gegend am weissen See trat Abaka die Herrschaft an.

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