Ilchane

Geschichte der Ilchane
das ist
der Mongolen in Persien

von

Hammer-Purgstall

mit neuen Beilagen und neuen Stammtafeln

Darmstadt. Druck und Verlag von Carl Wilhelm Leske. 1842.

Inhaltsverzeichnis

Viertes Buch

Alaeddin opfert sein Habe und wird verbannt.

Alaeddin, von allen Seiten der neuen, seinem Habe und Blute drohenden Gefahr benachrichtigt, ergriff das einzige Rettungsmittel des letzten durch freiwilliges Opfer des ersten. Er sandte sogleich sein ganzes Habe vom Grössten bis zum Kleinsten an den Fuss der Majestät: „Sein ganzes Habe“, nach den Worten des in der ganzen Fülle asiatischen Styles wuchernden Wassaf, „von den glänzenden Perlen, welche wie Glückessterne strahlten, bis zu den geringsten Korallen und den hölzernen Geschirren, den gemalten, von den kostbarsten Tapeten geflochten aus den goldenen Drähten bis zu den schlechtesten Kotzen und strohgeflochtenen Matten, von den Reinsten und Schöngestaltetsten bis zu den Niedrigsten und Veraltetsten, von den Gefässen, den vergoldeten, den auserwählten, bis zu den alten Hausgeräthen, den in die Rumpelkammer gestellten, von den Gürteln und Floren bis zu den Vorhängen von Thoren, von den Sklavinnen, den schönsten der Zeit, deren Wangen Rubinen von Bedachschan, bis zu den Stallknechten (Kutal), mit groben Kitteln angethan; er schaffte herbei aus der Musikkapelle die Pfeifen und Trommeln, an deren Stelle die wiehernden und yahenden, die sich stattlich und mannichfarbig als Reitthier nahenden, von den Mäulern und Pferden die wohlfeilen und die werthen, Kameele und Kameelinnen, Böcke und Widder. Sein Zweck war, in Ehren zu beharren und nicht die Waaren zu bewahren; er war bereit, Alles zu wagen und beizutragen und setzte den Fuss auf den Spruch:

Gott soll nach meiner Ehre mein Gut nicht segnen,

als auf seinen höchsten und unabänderlichsten Entschluss.“ Zugleich eilte Alaeddin dem Ilchan entgegen und warf sich auf der Station Dodscheil zu seinen Füssen. Da die Summe der eingelieferten Schätze doch noch unter der Erwartung geblieben, wurde er ungnädig empfangen, und es erging ein Jerligh, um den Emir Taghadschar zur Einleitung des Prozesses nach Bagdad zu berufen; er plünderte noch das von Alaeddin gestiftete Karawanserai (Robath) Kloster, und da im Hause Alaeddin's nur der Besitzer allein zurückgeblieben war, wurde dieser in Empfang und Verhaft genommen. Alaeddin wurde in den Halsblock geschlagen, auf die Folter gelegt, nackt zu Bagdad hineingeführt und dann verbannt. In dieser Tiefe seines Elends sandte er an seinen Bruder, den Wesir, die arabischen Verse:

Freund! dein Ohr dem Manne schenke,
Den man führt zur Todestränke;
Meinem gnädigen Herrn klag' ich
Und der Zeiten Unbill trag' ich;
Nacken schlanker Mädchen steht mir an,
Nicht der Bannstrahl im Dorfe Ban.

Ban heisst das Dorf bei Nissibin, nach welchem er verbannt ward und dessen Name hier mit Ban spielt, dem Namen der babylonischen Weide, mit deren biegsamen Stamm und Aesten der Nacken und die Glieder der Schönen verglichen werden. Seine Feinde fanden in diesen Versen neuen Stoff von Anschwärzung und Verfolgung; sie ärgerten sich darüber, dass er inmitten seines Unglücks noch Lust und Geist genug besitze zu arabischen Versen und Wortspielen. Einem Freunde, der ihm von der Stimmung der Feinde Nachricht gab, schrieb er:

Dem Freunde send' ich Wort: Mich beugt Erniedrung nicht,
Wann Nächte wenden sich mit seltsamem Gesicht;
Wie soll ich kümmern mich um der Geschäfte Macht,
Da Gott sich meiner annimmt, mich beschützt, bewacht.

Alaeddin, welcher europäischen Orientalisten bisher nur als Geschichtschreiber bekannt gewesen, verfasste in seinem Elende mehrere Gedichte, deren einige in dem Buche des Trostes der Brüder, welche eine Art von arabischen Boethius, gesammelt sind. Seine berühmte Kassidet allein, deren Beginn:

Wenn dich die Welt anschauet schief,
Bewege diess dir nicht die Brust,

haben über siebzig Dichter durch Glossen commentirt.

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