Viertes Buch
Alaeddin's fernere Schicksale.
Die Feinde Alaeddin's, um seinen Ruin zu vollenden, nahmen
zu neuen Listen und Lügen, Verschwärzungen und Verläumdungen
die Zuflucht. Sie klagten ihn verrätherischen Briefwechsels
mit Aegypten an und bedienten sich als Werkzeuges ihrer Ränke
eines unbekannten Juden. Dieser beschrieb zu wiederholtenmalen
ein Papier mit farbigen Linien aus Safran und Grünspan als
einen Talisman, und dieses wurde während der Hausuntersuchung
in den Kleidern Alaeddin's verborgen. Dieser falschen Anklage
sollten die ägyptischen Zustände Glaubwürdigkeit geben. Vor
einigen Monaten war zwischen Kilawun Elfi, dem im Namen des
unmündigen Sohnes Bondokdar's Aegypten beherrschenden Fürsten,
und den Begen der Mamluken Uneinigkeit ausgebrochen und Sonkar
Aschkar hatte sich mit Isa Ben Mohenna, dem Emire der
syrischen Beduinen, verbunden; wider dieselben sandte Elfi ein
Heer nach Damaskus, welches bis nach Aana und Hadise an die
Ufer des Euphrats streifte. Abaka sandte einen Gesandten an
Elfi und Sonkar, um sie einzuladen, die Länder des Ilchan's
nicht zu belästigen und sich ihm zu unterwerfen. Diese
Gesandtschaft traf in dem Augenblicke ein, als die beiden
verbündeten Emire von Elfi geschlagen worden waren; sie
versprachen sich Hilfe von Abaka, und der Emir der Wüste
sandte seinen Bruder mit dem Gesandten nach Bagdad, als
Alaeddin dort noch in der Machtvollkommenheit seines Amtes
stand. Er berichtete an den Ilchan die wahre Lage der Dinge
und erhielt den Befehl desselben, den Sonkar und den Bruder
des Emirs freundlich zu behandeln. Diesem Befehle gemäss hatte
Alaeddin dieselben freundlich empfangen und ihnen zu Bagdad
Gold und Korn angewiesen; dies war Alles, was an der
Verbindung Alaeddin's mit Aegypten wirklich und wahr. Zu
dieser Zeit hatte Mengu Timur (der Bruder Abaka's) ein
zahlreiches Heer an die Ufer des Euphrats geführt; Sonkar und
Isa schickten Gesandte an Abaka, um den Rückmarsch dieses sie
bedrohenden Heeres zu bitten, und Mengu Timur erhielt den
Befehl, sich vom Euphrat abzuwenden, während auf der anderen
Seite gleichzeitig Prinz Baidu, der Sohn Tarakai's (des
fünften Sohnes Hulagu's) und folglich der Neffe Abaka's, mit
einem Heere in Syrien einfiel. Diesen scheinbaren Widerspruch
der Bewegung der mongolischen Heere in Syrien und am Euphrat,
indem sie dort vordrangen, hier sich zurückzogen, rissen die
Feinde Alaeddin's als eine Waffe wider denselben an sich, und
indem sie den Gesandten des Beduinenfürsten für sich gewannen,
traten sie mit Alaeddin in Banden die Reise nach dem Hofe an,
der damals zu Hamadan. Alaeddin's Trost in dieser misslichen
Lage waren die Beweise von Theilnahme, die er von allen
Grossen erhielt, die ihm dieselben in Briefen und Gedichten
kund gaben. So schrieb ihm Behaeddin Ali:
Ich höre, dass du immer klagst und weinest
Und früh und spät mit deinem Kummer greinest;
Wie lang' setzt Welt dir an den Hals das Messer?
Sei ruhig und geduldig, es ist besser.
Alaeddin antwortete hierauf:
Wie soll ich klagen nicht, mein Aug' nicht weinen,
Da wenig fehlt, dass mich zertrümmern Peinen?
Die Welt hat angefallen mich mit Steinen,
Wie soll ich schlottern nicht in den Gebeinen?
Als Alaeddin, von seinen Feinden geführt, auf dem Wege von
Bagdad nach Hamadan auf die Höhe von Esedabad gekommen,
begegnete ihnen die Nachricht von dem Tode Abaka's, welcher
dem Schicksale Alaeddin's und seines Bruders günstigere
Wendung gab. Ehe wir des Todes Abaka's umständlicher erwähnen,
liegt uns noch ob, einige frühere Begebenheiten und den
weiteren Verfolg des syrischen Feldzuges zu erzählen.