Viertes Buch
Armenische und ägyptische Verhältnisse.
Während dieser beiden Jahre, wo Abaka Nichts gethan, um die
weiteren Fortschritte Sultan Beibars in Syrien zu hindern,
hatte dieser den Kreuzfahrern die Städte Cäsarea, Arssuf,
Ssafed, Jafa, Schakif, die Schlösser Haifa, Arka, Kaliat,
Meluhat, Dschebele entrissen und war in Cilicien in die
Staaten König Hethum's eingefallen, welcher erst beim
mongolischen Befehlshaber in Rum und dann bei Abaka selbst
vergeblich Hilfe gesucht. Indessen Leon, der Sohn Hethum's,
den Pass von Iskenderun (Alexandriette) besetzt hielt, ward er
von den Aegyptern umgangen und dann bei Serwend geschlagen und
gefangen; sein Bruder Toros und einer seiner Oheime fielen in
der Schlacht. Die Sieger kamen am folgenden Tage nach Tel
Hamdun, setzten über den Dschihun und bemächtigten sich des
den Templern gehörigen, auf einem steilen Hügel gelegenen
Schlosses Amudin, das verbrannt ward. Gleiches Schicksal hatte
Sir, die Hauptstadt Kleinarmeniens. Der Herr von Hama, der
jetzt in den Reihen der Aegypter focht, lagerte an den Ruinen
dieser Stadt, während der ägyptische Feldherr Kilawun (der
nachmalige Sultan) die Städte Ajas, Massissa und Adana
verheerte. Das ägyptische Heer kehrte mit so reicher Beute
beladen, mit so vielen geraubten Heerden zurück, dass der
Ochs, im Lager um zwei Dirhem losgeschlagen, keinen Käufer
fand. Hethum, der vergebens bei Abaka Hilfe gesucht, sah sich
gezwungen, den Frieden mit Beibars auf dessen Bedingungen
abzuschliessen. Dieser begehrte die Zurückstellung mehrerer
von den Mongolen den Aegyptern entrissener, dem Königreiche
Armenien einverleibter Schlösser und die Freigebung des
ägyptischen Generals Schemseddin Sonkar el-Aschkar, d. i.
Sonne der Religion, Falke der Falbe, seines alten
Waffengefährten, welchen Hulagu zu Haleb gefangen, nach
Persien gesendet hatte. Juni 1267 Der Friede wurde zu
Antiochien unterschrieben; die festen Plätze Behesna, Derbesek,
Merseban wurden zurückgestellt, der Emir Sonkar gegen den
bisher im Schlosse von Kairo in Verhaft gehaltenen Prinzen
Leon ausgewechselt. Bald darauf verfügte sich König Hethum an
den Hof Abaka's, der sich damals zu Bagdad befand, um ihm für
die Auslösung seines Sohnes zu danken und um die Erlaubniss zu
bitten, dem Sohne den Thron abtreten zu dürfen. 1269 Nachdem
er dieselbe erhalten, rief er die Grossen seines Reichs zu
Tarsus zusammen, entsagte der Krone zu Gunsten Leon's und zog
sich nach fünf und vierzigjähriger Regierung unter dem Namen
Makarius in's Kloster von Trazargh zurück, wo er einige Monate
hierauf starb. Im selben Jahre sandte Abaka Gesandte an
Beibars, welcher dieselben zu Damaskus zugleich mit den
Gesandten des griechischen Kaisers und Mengku Timur's, des
Nachfolgers Berke's auf dem Throne von Kipdschak, empfing.
Abaka warf in seinem Schreiben dem Sultan Aegyptens den an
seinem Herrn Kotos begangenen Königsmord vor und fragte, wie
er, der vormals zu Siwas verkaufte Mamluke, es wagen könne,
den Königen, Söhnen der Könige, gebornen Weltbeherrschern, zu
widerstehen. Er drohte, ihn anzugreifen und Alles dem Schwerte
zu opfern; er schrieb an Beibars selbst: „und wenn du in die
Wolken aufflögest, und wenn du unter die Erde hinunterstiegest,
du würdest mir nicht entfliehen“. Beibars antwortete: „Es ist
wahr, dass ich den Kotos getödtet, aber die Sultanschaft ist
mir durch freie Wahl der Bege übertragen worden; wenn es dir
Ernst, mich anzugreifen, so komm', wir werden bereit sein,
dich zu empfangen, um die den Musulmanen entrissenen Länder
denselben wieder zurückzuerobern.“ Abaka war nicht im Stande,
seinen Drohungen Folge zu geben; daran hinderte ihn das von
Osten sein Reich bedrohende Ungewitter, indem Borrak, der
Herrscher des Uluses Dschagatai, wider Chorasan herangezogen.
Die feindliche Stellung Borrak's gegen Abaka würde vom Leser
nicht gehörig beurtheilt werden können, wenn derselbe nicht in
Kenntniss der früheren Begebenheiten, welche zwischen diesem
und Kaidu, dem Herrscher des Uluses Ogotai, vorgefallen und
die wir nun nach Reschideddin erzählen. |