Viertes Buch
Beibars zu Cäsarea.
Acht Tage nach dem Siege, Freitags, zog Beibars zu
Kaissarije (Cäsarea) im Triumphe, unter einem Thronhimmel, wie
derselbe ober dem Haupte der Sultane Seldschuken getragen
ward, in den Palast des Sultans ein und setzte sich auf den
Thron. Mit dem Sultansbunde auf dem Kopfe nahte er sich dem
Thore des Harems und sandte den Prinzessinnen des
Herrscherhauses von Rum seine ehrfurchtvollsten Grüsse; dann
setzte er sich wieder auf den Thron und empfing die Huldigung
der Ulema und Kadi, der Imame und Scheiche, der Prediger und
Leser des Korans, der Fakihe und Fakire; der Ceremonienmeister,
mit grossem Kopfwulste und weitem Mantel angethan, wies jedem
die ihm gehörige Stelle an; die Heermusik spielte den Tusch,
der zur Zeit des Gebetes nur für den Landesherrn erscholl, die
Leser lasen Suren des Korans, Dichter declamirten Lobgedichte;
Alle wurden mit einem Frühmahle königlich bewirthet; dann
begab sich Beibars in die Moschee des Sultans, wo das
Kanzelgebet auf seinen Namen verrichtet ward, so auch in den
übrigen sechs Moscheen der Stadt; das ausgeworfene Geld war
auf seinen Namen gemünzt. Die Schätze, welche Perwane und
seine Gemahlin zu Kaissarije zurückgelassen, wurden unter die
Emire vertheilt. Perwane, welcher in der Schlacht von Albestan
das Heer des Sultans von Rum befehligt hatte, war nach Verlust
derselben nach Kaissarije geflohen und hatte sich von hier mit
dem Namensträger der Herrschaft Rums, mit Sultan Ghajaseddin,
nach der Feste Tokat zurückgezogen; auf dem Wege dahin war
seine von vierhundert Sklavinnen begleitete Gemahlin Gurdschi
Chatun, die Tochter Ghajaseddin's, des Herrn von Erserum,
gestorben. Perwane schrieb an Beibars, um ihm als Herrscher
Rums zu huldigen; in seiner Antwort forderte Beibars ihn auf,
persönlich zu erscheinen. Perwane bat um einen Aufschub von
vierzehn Tagen, in der Hoffnung, dass Beibars, von dem
Anmarsche Abaka's benachrichtigt, eher Cäsarea verlassen haben
würde, das er wirklich am fünften Tage nach seinem Einzuge
verliess. Beibars verliess Cäsarea in dem Augenblicke, wo zu
erwarten stand, dass er seine Eroberungen in Rum verfolgen
würde. Einige Christen und Armenier liess er hinrichten, sonst
wurden die Einwohner von seinen Truppen, welche die
Lieferungen genau bezahlten, nicht misshandelt. Während seines
Aufenthaltes zu Cäsarea hatte Beibars die Huldigung des
Herrschers von Karaman empfangen, welcher, der Gründer der
Macht dieses Hauses, von nun an durch vier und zwanzig Jahre
ein Nebenbuhler des der Seldschuken und dann durch hundert
sechs und siebzig Jahre der Osmanen, bis dass es nach zwei
Jahrhunderten und in zehn von den Osmanen wider dieselben
geführten Kriegen zertrümmert ward. Schemseddin Mohammed, der
Karamane, zog an der Spitze von dreitausend Reitern nach der
Hauptstadt Konia, vor welcher er die ihm von Sultan Beibars
gesandten Fahnen aufpflanzte und die Stadt zur Uebergabe
aufforderte. Die Einwohner antworteten, sie übergäben die
Stadt nicht, doch würden sie ihn nicht hindern, wenn er die
Thore verbrennen wolle, einzuziehen. Er verbrannte zwei Thore,
besetzte die Stadt und bemächtigte sich der Citadelle durch
List und Gold; dann zog er dem Heere entgegen, welches
Fachreddin Ali, der Wesir Ghajaseddin's, von seinen beiden
Söhnen befehligt, wider ihn gesendet; der Karamane schlug es
und kehrte mit den Köpfen der beiden Söhne des Wesirs nach
Konia, verliess dasselbe aber nach sieben und dreissig Tagen
und zog sich in's cilicische Gebirge zurück. Im folgenden
Frühlinge zog Abaka dreimal gegen Rum. Zu Ablistan oder
Elbestan wartete ihm der Sultan Ghajaseddin mit seinem Wesire
Fachreddin von Issfahan auf; als Abaka auf dem Schlachtfelde
die noch unbegrabenen Mongolen sah, weinte er, liess mehrere
Turkmanen, Urheber von Unruhen, hinrichten und gab den Befehl
zur Verheerung der Städte Rums. In dem Ausfluge von sieben
Tagreisen wurden die Städte verheert, die Einwohner
geschlachtet; es fielen mehr als hunderttausend derselben als
ein Opfer des Schwertes. Mohammed Schemseddin Dschuweini, der
gerechte und gelehrte Grosswesir, kaufte mehrere derselben mit
seinem Gelde los; schon war Siwas zur Hälfte verheert, als er
die andere Hälfte durch seine Vorstellungen, dass die
Einwohner unschuldig der Rache verfallen, rettete. Nureddin
Chasneji und Sahireddin Ibn Husch wurden hingerichtet. |