Viertes Buch
Botschaft Borrak's und Rüstungen desselben.
Der öffentliche Auftrag dieser Botschaft lautete, wie schon
oben gesagt worden, die ausständigen Rechnungen über die
beiden Prinzen gemeinsamen Krongüter zu verlangen; aber ein
geheimer war, den Prinzen Nigudaraghul, den ersten Sohn
Dschudschi's, des erstgeborenen Dschagatai's, welcher im Heere
Abaka's diente, von demselben abspenstig zu machen. Zu diesem
Ende war der Gesandte mit einem der geheimen Briefpfeile
versehen, welche die Mongolen Tughane nennen, in deren Schaft
die geheime Depesche verborgen. In dem Briefe gab Borrak dem
Prinzen Kunde, dass er im Begriffe, wider Abaka in's Feld zu
ziehen; er möge, als ein Prinz des Uluses Dschagatai, sich
hüten, dem Feinde ferner zu dienen. Die Aufforderung
fruchtete; Nigudar, zu einem Kriegsrathe berufen,
entschuldigte sich und bat um Erlaubniss, in seinen Jurt nach
Georgien zurückkehren zu dürfen; er hoffte über Derbend, im
Norden des kaspischen Meeres, das Lager Borrak's zu erreichen;
aber Dschiramun Nujan, welchem die Huth der nördlichen Gränze
übertragen war, hinderte ihn an der Ausführung dieses Planes,
indem er ihn, sich nach Georgien zu werfen, zwang, wo er durch
die Hand der Tochter des Königs David Bürgschaft seiner
Sicherheit suchte, aber nicht fand; denn die Gegner trachteten
ihm nach dem Leben, so dass er im folgenden Jahre mit Weib und
Kind sich auf Gnade und Ungnade in die Arme Abaka's warf.
Abaka liess sechs seiner Emire hinrichten, seine Truppen unter
die Tausender, Hunderter und Zehner vertheilen, setzte ihm
fünfzig Mongolen als Aufseher und ihn selbst zu Derjar Kebudan
in Verhaft, aus welchem er jedoch in der Folge, nach der
Niederlage Borrak's, entlassen ward. Der Botschaft Borrak's
ritt Schemseddin Dschuweini, der Wesir Abaka's, bewillkommend
entgegen, und trotz der hohen Meinung, die er von sich selber
hatte, stieg er, als er in die Nähe Mesud's kam, doch vom
Pferde und küsste dem Mesudbeg ehrfurchtsvoll die Bügel.
Dieser, minder bescheiden, als sein Vater, Jelwadsch, sagte,
verächtlich auf Schemseddin herabsehend: „Du bist der Inhaber
des Diwan's! Dein Name ist besser, als dein Aussehen.“
Schemseddin's Klugheit verschmerzte den bitteren Gruss für den
Augenblick mit Stillschweigen, rächte sich aber bald hernach
durch die Nachsendung der Boten, welche den Gesandten als
Kundschafter zurückbringen sollten, und als diese zu spät
kamen, durch die Entflammung des Krieges wider Borrak, der
seinen Bundesgenossen Kaidu um Hilfe ansprach. Kaidu sandte
Jerligh an die Prinzen Ahmed Ben Buri, Balighu und Nikpei
Aghul, dass sie bei Tirwed über den Oxus gehen sollten;
Tschabad, der Sohn Huku's, Mobarekschah und Kipdschak, der
Sohn Kaidu's, erhielten den Befehl, mit Borrak zu Amu über den
Dschihun zu setzen; weiter hinauf sollten Kokadschu der grosse
und Banial bei Chiwa, Kokadschu der kleine aber bei
Mingkkischlagh, welches der gewöhnliche Ueberfuhrsort von
Chuaresm, über den Fluss gehen und sich mit Borrak jenseits
desselben vereinen. Dieser rüstete den Krieg aus allen
Kräften, alle Pferde wurden zum Dienste des Heeres weggenommen
und des Tages mit sieben Menn Gerste und Korn gefüttert, um
sie fett, alle Hunde wurden getödtet, um aus ihren Häuten
Schilde zu machen; so entstand Theuerung und Mangel. Um dem
Heere Proviant zu verschaffen, befahl Borrak, das Land bis
Bochara und Samarkand zu verheeren. Mesud machte ihm abermals
Vorstellungen dagegen und auf die Unklugheit aufmerksam, sich
auf diese Weise selbst sicheren Rückzug abzuschneiden. Borrak
bestrafte diese freimüthige Vorstellung des weisen Wesirs mit
sieben Prügelstreichen, nahm aber den Befehl der Verheerung
zurück. |