Viertes Buch
Held Merghaul, Dschebat's Flucht.
Abaka sandte den Prinzen Jaschmut mit einem Heere zu Hilfe
Tekschin's, welcher dem Anfalle des Heeres Borrak's
preisgegeben, während Schiramun im Norden sich mit Nigudar,
dem in Abaka's Lager flüchtigen dschagataischen Prinzen,
schlug. Mit fünf Tomanen, d. i. mit fünfzigtausend Mann, trat
Borrak den Zug durch Chorasan an; seine beiden tapfersten
Feldherren, Dschelartai der Dschelaire und Merghaul, jener ein
Bogenschütze, wie Aresch, der berühmte Bogenschütze der
altpersischen Geschichte; den Bogen Dschelartai's vermochte
kein Anderer zu spannen, als er selbst. Merghaul war
vorzüglich in der Kunde des Dschade, d. i. des Wetter- und
Hagelmachens mittels des Regensteines, bewandert; er sagte von
sich selbst: „Ich binde den Gaul zu Konghus Alanik an und
reite nicht faul den Falben bis an die Alpen desselben, ohne
dass, um auszuruhn, ich den Zügel vom Kopf muss thun, und ohne
dass die Schweissdecke trocken werde.“ Purbaha Dschami, der
persische berühmte Dichter, welcher, ein Türke oder Mongole
von Geburt, zur Zeit Arghun's (des Sohnes Abaka's) halb aus
persischen, halb aus türkischen und mongolischen Worten
bestehende Mischlingsgedichte verfertigte, sagt in seiner zum
Lobe Schemseddin Dschuweini's verfassten Kassidet:
Die Trennung Merghaul verheert Geduld mit Schwert,
Wie jüngst Borrak mit seinem Heer das Land verheert.
Solchen Kräften und Helden vermochten die Prinzen Arghun,
Jaschmut und Tekschin (jener der Sohn, diese die Oheime
Abaka's) nicht zu widerstehen, und er zog also selbst an der
Spitze eines Heeres nach Herat. Indessen hatte Borrak Gesandte
an Kaidu geschickt, um sich über die Empörungen der beiden
Prinzen Kipdschak und Dschebat, welche er ihm zu Hilfe gesandt
und die ihn nun verlassen, zu beklagen. Als Dschebat an die
Gränze Bochara's gelangt, rastete er einige Tage aus. Die
Emire der Tadschiken (Perser) gaben hiervon dem Begtimur Aghul,
welchen der Vater, Borrak, jenseits des Oxus zurückgelassen,
Kunde: „Könntest du,“ fragte Begtimur den Tasikaka (den Emir
der Tadschiken), „mit fünfhundert Reitern denselben nicht
abwehren?“ – Tasik antwortete: „Ich bin Karadschu, d. i.
Unterthan, und Dschebat ist Urugh, d. i. vom Herrscherhause,
wie kann sich der Karadschu mit dem Urugh schlagen?“ – Da sass
Begtimur selbst zur Verfolgung Dschebat's auf, der sich mit
genauer Mühe mit zehn Reitern rettete, nachdem er die Brücke
von Tschirameghan zerstört; dreissig Parasangen weit verfolgte
ihn die Truppe Borrak's, ohne ihn erreichen zu können. Borrak
machte sich jedoch nicht viel aus der Entweichung der beiden
ogotaischen Prinzen, Kipdschak und Dschebat, vertheilte ihre
zurückgebliebenen Truppen unter die seinen, und schwelgte,
unbesorgt der Zukunft. Merghaul wurde nach Nischabur gesandt,
Borrak blieb zu Thalkan; Nischabur wurde geplündert, und
gleiches Loos hatte Borrak der Stadt Herat bestimmt. Da
stellte ihm Kotlogh Timur vor, dass, wenn er sich den Herrn
von Herat, Melik Schemseddin Kert, zum Feinde mache, derselbe
ganz Chorasan empören würde. Borrak gab der Vorstellung Gehör
und sandte den Kotloghbeg mit fünfhundert Reitern, den Herrn
von Herat in's Lager zu laden. Im Schlosse Chaisar trafen sie
zusammen. Melik Schemseddin, ein staatskluger Kopf, folgte der
Einladung; er ward von Borrak ehrenvoll empfangen und mit
Chorasan belehnt; Mehreres noch versprach ihm Borrak nach
Persiens Eroberung; sie sprachen von Nichts, als von der
Verheerung Bagdads und der Stadt Tebris, deren Schätze sie
schon im Gedanken theilten, indem der Herr von Herat sich dem
Lieblingsplane Borrak's hingab. Dieser begehrte von ihm eine
Liste der reichsten Einwohner Chorasan's. Schemseddin gab auch
diese und begehrte die Erlaubniss, nach Herat zurückzukehren,
um dort Waffen und Pferde aufzubringen. Die Einwohner Herat's
gingen ihm entgegen und vernahmen trostlos die mongolische
Forderung; da aber indessen die Nachricht vom Anzuge des
Heeres Abaka's verlautete, zog sich Melik Schemseddin in das
östlich von Herat gelegene Schloss Chaisar zurück; hier
erwartete er politisch den Ausgang des Kampfes zwischen dem
Uluse Dschagatai und Hulagu's, zwischen Abaka und Borrak, den
Untergang des letzten voraussehend.