Viertes Buch
Die Niguderischen Banden in Fars; Lob der Mongolen aus dem
Munde Wassaf's.
Das Todesjahr Schemseddin Kert's, dasselbe, in welchem in
Europa Rudolph von Habsburg die Macht seines Hauses nach dem
Siege über Ottokar befestigte, war für Persien ein
unheilbringendes durch die Vergiessung seines Herzblutes in
Fars durch den Einfall und die Verheerung der Niguderischen
Banden, d. i. die Truppen des dschagataischen Prinzen Niguder,
welcher, wie oben erzählt worden, auf Borrak's Schreiben aus
dem Lager Abaka's entwichen, im Norden eine Zeit lang den
Krieg fortführte, welchen nach seinem Tode seine Heere durch
Raub und Verheerung fortsetzten, wie ehemals nach dem Sturze
Chuaresmschah's die chuaresmischen Banden in Syrien. Die
niguderischen Banden bestanden aus Raubgesindel aller
Nationen, aus Scholen, Mongolen, Turkmanen und Kurden. Sie
fielen in Fars im Distrikte Korbal ein und schlugen das
persische Heer zu Teng Schikem, wo die Emire desselben die
Brücke so abgebrochen hatten, dass nur für Einen Mann Raum zum
Uebergang. Zwei Vögte Abaka's ertranken im Flusse, nur
Bulghtuwan hieb sich mit dreihundert Reitern durch den rechten
Flügel der Feinde und rannte, indem er die Brücke hinter sich
verbrannte, fliehend bis Issfahan; der Rest des Heeres wurde
zerstreut oder ertrank. Korbal wurde geplündert, dreitausend
verschnittene Pferde wurden sammt einer Horde von Mädchen und
Knaben weggeschleppt. Drei Jahre später überschwemmten die
mongolischen Banden abermal Germsir, d. i. die südlichste
Landschaft von Fars, und wandten sich dann gegen Sistan; jeden
Winter fürchtete man zu Schiras ihre Rückkehr und war mit
Ausbesserung der Mauern beschäftigt, denn auf die
verweichlichten Truppen von Fars war kein Vertrauen zu setzen.
Wassaf setzt der Schilderung der Weichlichkeit von jenen die
der Tapferkeit der Mongolen mit folgenden Worten entgegen:
„Wenn die Braven der alten Zeit, denen noch nach
Jahrtausenden die Erzählungen der Kunden in Vers und Prose
geweiht, und deren Mannhaftigkeit und Tapferkeit die Gemälde
der Bücher und Blätter weit und breit, wieder zur Welt
zurückkämen, so könnten sie auf der Rennbahn ritterlicher
Waffenthat in den Sitten und Gebräuchen der Schlacht von jedem
einzelnen Mongolen Lection nehmen und Nichts Besseres thun,
als im Dienste ihres Steigbügels die Satteldecke auf die
Schulter zu nehmen. Wenn die berühmtesten Bogenschützen
vergangener Völker, von den Arabern die Stämme Siraa und Kara
und von den vier persischen Dynastien die berühmtesten vier
Schützen, nämlich: Aresch Schefatir, Isfendiar Rujinten,
Koresch Aschghan und Behramgur, deren Bogenkunde das Buch von
den Graden der Reiter so umständlich ausführt und commentirt;
wenn diese den Flug der Geschosse der Mongolen, die Stärke
ihres Arms, die Spannung ihrer Bogen, die Wirkung ihrer Pfeile
erführen, so würden sie sich nur als Verwundete des Pfeiles
der Eifersucht getroffen vor dem Geschosse der Schmach und den
Pfeilen des Schmerzes prostituiren. Ueber die Heftigkeit und
Hartherzigkeit, die Gewaltsamkeit und den Grimm der Mongolen,
über ihr Talent, Schwierigkeiten zu besiegen, und die zu
erniedrigen, die ihnen unterliegen, über ihre Kunst, zu
kriegen und Helfer anzufesseln ihren Siegen, ist es
überflüssig, Etwas zu wiederholen: Was thut Saturnus Noth,
wenn du die Sonne schaust! Sie gewähren der Gelegenheit die
Macht, mit kühnem Herzen einzig in der Kraft durch Geduld
Alles zu verschmerzen, listiger als der Fuchs, wenn sie Etwas
verfolgen; am Tage der Schlacht spalten sie die Herzen der
Löwen mit Macht und brechen den Damm der Zufälle, so dass es
kracht. Die Ueberlieferung von Nassir Ben Sejar, einem der
Rechtsgelehrten Turkistans, bestätigt diese Worte und steht
hier an ihrem Orte. Man sagt, dass der Kämpe der vollkommene
zehn Eigenschaften der Thiere besitzen müsse: die Tapferkeit
des Hahns, die Milde des Huhns, das Herz des Löwen, den Anfall
des Schweins, die Geduld des Hundes in Ertragung von Wunden,
die Behutsamkeit des Kranichs, die List des Fuchses, die
Vorsicht der Raben, die Raubsucht des Wolfs und die Ruhe der
Katze. Diese Lehre schärfen sie bei jeder Gelegenheit ein. Mit
Billigkeit muss man gestehen und zugeben, dass das Werk der
Welteroberung und Reichszertrümmerung für dieses Volk ward
gegeben; ihre Folgsamkeit für die Befehle ihrer Befehlshaber,
ihre Sorgfalt, sich von aller Empörung zu enthalten, ihre Hut
von Haus und Gut ist von allen Vernünftigen geschätzt und
ausser Zweifel gesetzt.“