Ilchane

Geschichte der Ilchane
das ist
der Mongolen in Persien

von

Hammer-Purgstall

mit neuen Beilagen und neuen Stammtafeln

Darmstadt. Druck und Verlag von Carl Wilhelm Leske. 1842.

Inhaltsverzeichnis

Viertes Buch

Die Niguderischen Banden in Fars; Lob der Mongolen aus dem Munde Wassaf's.

Das Todesjahr Schemseddin Kert's, dasselbe, in welchem in Europa Rudolph von Habsburg die Macht seines Hauses nach dem Siege über Ottokar befestigte, war für Persien ein unheilbringendes durch die Vergiessung seines Herzblutes in Fars durch den Einfall und die Verheerung der Niguderischen Banden, d. i. die Truppen des dschagataischen Prinzen Niguder, welcher, wie oben erzählt worden, auf Borrak's Schreiben aus dem Lager Abaka's entwichen, im Norden eine Zeit lang den Krieg fortführte, welchen nach seinem Tode seine Heere durch Raub und Verheerung fortsetzten, wie ehemals nach dem Sturze Chuaresmschah's die chuaresmischen Banden in Syrien. Die niguderischen Banden bestanden aus Raubgesindel aller Nationen, aus Scholen, Mongolen, Turkmanen und Kurden. Sie fielen in Fars im Distrikte Korbal ein und schlugen das persische Heer zu Teng Schikem, wo die Emire desselben die Brücke so abgebrochen hatten, dass nur für Einen Mann Raum zum Uebergang. Zwei Vögte Abaka's ertranken im Flusse, nur Bulghtuwan hieb sich mit dreihundert Reitern durch den rechten Flügel der Feinde und rannte, indem er die Brücke hinter sich verbrannte, fliehend bis Issfahan; der Rest des Heeres wurde zerstreut oder ertrank. Korbal wurde geplündert, dreitausend verschnittene Pferde wurden sammt einer Horde von Mädchen und Knaben weggeschleppt. Drei Jahre später überschwemmten die mongolischen Banden abermal Germsir, d. i. die südlichste Landschaft von Fars, und wandten sich dann gegen Sistan; jeden Winter fürchtete man zu Schiras ihre Rückkehr und war mit Ausbesserung der Mauern beschäftigt, denn auf die verweichlichten Truppen von Fars war kein Vertrauen zu setzen. Wassaf setzt der Schilderung der Weichlichkeit von jenen die der Tapferkeit der Mongolen mit folgenden Worten entgegen:

„Wenn die Braven der alten Zeit, denen noch nach Jahrtausenden die Erzählungen der Kunden in Vers und Prose geweiht, und deren Mannhaftigkeit und Tapferkeit die Gemälde der Bücher und Blätter weit und breit, wieder zur Welt zurückkämen, so könnten sie auf der Rennbahn ritterlicher Waffenthat in den Sitten und Gebräuchen der Schlacht von jedem einzelnen Mongolen Lection nehmen und Nichts Besseres thun, als im Dienste ihres Steigbügels die Satteldecke auf die Schulter zu nehmen. Wenn die berühmtesten Bogenschützen vergangener Völker, von den Arabern die Stämme Siraa und Kara und von den vier persischen Dynastien die berühmtesten vier Schützen, nämlich: Aresch Schefatir, Isfendiar Rujinten, Koresch Aschghan und Behramgur, deren Bogenkunde das Buch von den Graden der Reiter so umständlich ausführt und commentirt; wenn diese den Flug der Geschosse der Mongolen, die Stärke ihres Arms, die Spannung ihrer Bogen, die Wirkung ihrer Pfeile erführen, so würden sie sich nur als Verwundete des Pfeiles der Eifersucht getroffen vor dem Geschosse der Schmach und den Pfeilen des Schmerzes prostituiren. Ueber die Heftigkeit und Hartherzigkeit, die Gewaltsamkeit und den Grimm der Mongolen, über ihr Talent, Schwierigkeiten zu besiegen, und die zu erniedrigen, die ihnen unterliegen, über ihre Kunst, zu kriegen und Helfer anzufesseln ihren Siegen, ist es überflüssig, Etwas zu wiederholen: Was thut Saturnus Noth, wenn du die Sonne schaust! Sie gewähren der Gelegenheit die Macht, mit kühnem Herzen einzig in der Kraft durch Geduld Alles zu verschmerzen, listiger als der Fuchs, wenn sie Etwas verfolgen; am Tage der Schlacht spalten sie die Herzen der Löwen mit Macht und brechen den Damm der Zufälle, so dass es kracht. Die Ueberlieferung von Nassir Ben Sejar, einem der Rechtsgelehrten Turkistans, bestätigt diese Worte und steht hier an ihrem Orte. Man sagt, dass der Kämpe der vollkommene zehn Eigenschaften der Thiere besitzen müsse: die Tapferkeit des Hahns, die Milde des Huhns, das Herz des Löwen, den Anfall des Schweins, die Geduld des Hundes in Ertragung von Wunden, die Behutsamkeit des Kranichs, die List des Fuchses, die Vorsicht der Raben, die Raubsucht des Wolfs und die Ruhe der Katze. Diese Lehre schärfen sie bei jeder Gelegenheit ein. Mit Billigkeit muss man gestehen und zugeben, dass das Werk der Welteroberung und Reichszertrümmerung für dieses Volk ward gegeben; ihre Folgsamkeit für die Befehle ihrer Befehlshaber, ihre Sorgfalt, sich von aller Empörung zu enthalten, ihre Hut von Haus und Gut ist von allen Vernünftigen geschätzt und ausser Zweifel gesetzt.“

© seit 2006 - m-haditec GmbH - info@eslam.de