Viertes Buch
Ende Borrak's.
Borrak, der auf der Flucht vom Pferde gefallen und dazu vom
Schlage berührt worden, kam gelähmt nach Bochara, wo er sich
zum Islam bekehrte und den Namen Ghajaseddin annahm. Viele
seiner Feldherren, seiner üblen Laune ausgesetzt, verliessen
denselben unter verschiedenen Vorwänden. Der Prinz Ahmed Aghul,
der Sohn Buri's, zog missvergnügt mit seinen Truppen nach
Pischbaligh. Tukai, die starkmüthige Gemahlin Borrak's, als
sie dessen Rückzug vernahm, bot sich ihrem kranken Gemahle an,
aufzusitzen und ihm den Prinzen zurückzubringen. Der Emir
Mauldan erhielt den Befehl zur Verfolgung, Borrak folgte in
einer Senfte; auf der zweiten Station traf die Nachricht ein,
dass Prinz Nikpei, der Sohn Serban's, sich nach Chodschend
entfernt. Borrak sandte ihm den Prinzen Balighu, den Sohn
Kadaki's, des Sohnes Buri's, nach, und erschöpfte sich in
Klagen über die Unstätigkeit seiner Hilfsgenossen und über die
Unfälle der letzten Schlacht: „Als ich,“ sagte er, „vom Pferde
gefallen, als ich rief: Ich bin euer Padischah, gebt mir ein
Pferd! hörte mich keiner; Alle stürmten vorbei auf der Flucht,
bis ein Karawine (ein Naphtafeuerwerker), Namens Sali, vom
Pferde stieg, mir dasselbe gab und statt desselben einige
Pfeile begehrte, die ich ihm reichte.“ Er sandte den Bruder
Jesar an Kaidu, um sich über den Abfall der Prinzen Kipdschak
und Dschebat zu beklagen. Kaidu brachte ihm die Treulosigkeit
Borrak's in Erinnerung, welcher, während die Prinzen, seine
Brüder, mit Kipdschak die Rückkehr unterhandelten, den
Dschelartai nachsandte, um ihn zu überfallen; Jesar läugnete
es. Kaidu versammelte seine Emire zum Rath, stellte ihnen vor,
wie verächtlich bisher die Verbindung mit Borrak für das Haus
Ogotai's gewesen; es ward beschlossen, den Jesar in Gewahr zu
halten und dass Kaidu selbst mit ein Paar Tomanen unter dem
Scheine, dem Borrak die begehrte Hilfe zu leisten, aufsitze,
weil, ehe sie ankämen, sein Loos entschieden sein würde.
Indessen hatte Nauldar den Prinzen Ahmed Buri und Balighu den
Prinzen Nikpei verfolgend erreicht und in dem ihnen
gelieferten Treffen fielen Ahmed Buri und Nikpei. Sobald
Borrak hiervon Kunde erhalten hatte, sandte er an Kaidu,
dessen wahre Absicht er ahnte, Wort, um ihm für seine Hilfe zu
danken, die nun überflüssig geworden sei. Kaidu setzte
nichtsdestoweniger seinen Marsch fort; ehe er noch das Lager
Borrak's erreicht, war dieser plötzlich gestorben, vermuthlich
durch neuen Schlaganfall getroffen. Als Kaidu dem Lager nahte,
hörte er die Todtenklage und sah die Wachen mit fliegenden
Haaren. Kaidu und alle Prinzen beweinten den Tod Borrak's; sie
zogen die Trauer an und Borrak's Leichnam wurde auf einem
hohen Berge bestattet. Am folgenden Tage erschienen die
Prinzen Mubarekschah (der Enkel Muwatukjan's, aus dessen Sohn
Kara Hulagu und der Frau Hirghana), Kajan und Dschobai, die
Enkel des vor Olmütz gefallenen Paidar [Peta], und liessen
sich vor ihm, als dem älteren Prinzen, auf die Kniee nieder,
sich seinen Befehlen fügend. Sie klagten über die Behandlung,
die sie von Borrak erlitten; Kaidu versprach ihnen die
Zurückstellung der ihnen weggenommenen Güter und überliess
ihnen den Schatz Borrak's zur Theilung. Mubarekschah nahm mit
eigener Hand die Ohrgehänge der Frau Tukai, der Gemahlin
Borrak's, vom Ohre. Borrak hatte vier Söhne hinterlassen: Peik
Timur, Tewaburi, Tehu und Uladai; mit ihnen vereinigten sich
die Söhne Alghui's, die beiden obgenannten, Dschobai und Kijan;
des dem Kaidu gegebenen Wortes vergessend, verheerten sie das
ganze Land von Chodschend bis Bochara und bis jenseits des
Oxus. Drei Jahre hernach kam auf Vortrag des Wesirs
Schemseddin, dass es die höchste Zeit, den Unordnungen im
Lande jenseits des Oxus ein Ende zu machen, ein Heer unter dem
Befehle Jusuf's und Kurughdai's, der Söhne Dschintimur's, des
vormaligen Statthalters in Persien, nach Chuaresm; Gurgendsch,
Chiwa und Karakusch, wurden von Gütern geleert, mit Leichnamen
gefüllt. Vor Bochara schlugen sie sich mit dem dschagataischen
Heere; sieben Tage dauerte die Schlacht, zehntausend Todte
deckten die Erde. Bochara ward von neuem mit Feuer und Schwert
verwüstet, die Medrese und die Bibliothek Mesudbeg's gingen in
Flammen auf. Dies war eine strenge Antwort (bemerkt Wassaf)
auf das verächtliche Wort, welches Mesudbeg dem Grosswesir
Schemseddin zum Willkommen gesagt. Fünfzigtausend Jünglinge
und Mädchen wurden als Sklaven weggeschleppt; Dschobai und
Kijan nahmen ihnen jedoch die Hälfte wieder ab. Dieser Raubzug
war das Werk der Einstreuungen des Turkmanen Okbal. Sieben
Jahre lang blieb die Stadt verödet. |