Viertes Buch
Feldzug wider Sistan, Chorasan, Syrien.
Drei Jahre vor seinem Tode war Abaka selbst von Tebris
gegen Chorasan aufgebrochen, wohin er seinen Sohn Arghun
vorausgesandt, um die Niguderischen Banden, deren Einfall in
Fars oben erzählt worden, zu Paaren zu treiben; er kam aber
nicht weiter, als bis Sistan, dessen Hauptstadt er belagerte
und dann wieder zurückkehrte; 1. Moharrem er brachte den
Oldschai Buka, den ältesten Sohn Mubarekschah's (des Sohnes
Muwatukjan's), und andere Prinzen des Uluses Dschaghatai mit
sich; dann begab er sich nach Herat, wo ihm die Emire der
Karawinas, eines der kriegerischsten und, wie Wassaf sagt, der
teuflischen Stämme der Mongolen (die Naphtafeuerwerker),
huldigten, welche ihren Namen vermuthlich von ihrem Sitze zu
Karawin dscheidun haben. Bei seiner Rückkehr nach Tebris
vertheilte er nach dem Beispiele seines Vaters, Hulagu,
Ländereien als Leibgedinge der Frauen. Die Frau Kutui erhielt
Miafarakain, die Frau Oldschai einen Theil Diarbekrs und
Dschiseretol-Omar, der Gemahlin Dschumkur's, Nulun Chatun, des
Oheims Abaka's, und ihren beiden Söhnen, Dschuschkab und
Kunschu, wurde Selmas mit seinem Gebiete verliehen. Buka, der
Sohn Hukutai's, der Dschelaire, welcher, nach des Vaters Tod
ein unmündiger Waise, unter Abaka's Augen erzogen worden,
wurde zu einem der grossen Inaken, d. i. der vertrauten
Hofdiener, und später zum Schatzmeister des Pelzschatzes
(Postin, woher das Postelnik der Russen und Wallachen)
ernannt. Die Niguderischen Banden waren kaum aus Fars
abgezogen, als die Nachricht eintraf von einem Angriffe der
Aegypter auf Kalaater Rum, d. i. das Römerschloss, welches an
der Stelle des alten Zeugma den Uebergang über den Euphrat
vertheidigt. Sultan Said, der Sohn und Nachfolger Bondokdar's
(unter der Vormundschaft Kilawin Elfi's), hatte ein Heer von
neunzigtausend Reitern und viertausend Fussgängern wider diese
Festung abgesandt. Die ägyptischen Truppen befehligte der Emir
Beiseri, die syrischen Hossameddin von Aintab. Die Stadt wurde
eingenommen und verbrannt; da die Citadelle aber fest hielt,
zogen die Eroberer nach fünf Tagen beutebeladen ab. Sultan
Said war in Aegypten abgesetzt, mit dem Leibgedinge von Kerek
dahin verwiesen und die Sultanschaft dem Emir Kilawin Elfi,
dem Kipdschaken aus dem Stamme Burdsch Oghlu, übertragen
worden; dieser nahm dieselbe vor der Hand nicht an, sondern
begnügte sich, im Namen des siebenjährigen Selamisch, des
Sohnes Bondokdar's, als der Atabeg desselben zu herrschen;
aber die Namensherrschaft des siebenjährigen Knaben dauerte
nur hundert Tage, nach welchen er abgesetzt und zu seinem
Bruder nach Kerek verwiesen ward. Kilawin Elfi, so beigenannt,
weil er um tausend Goldstücke gekauft worden, und Ssalihi,
weil er ein Mamluke Ssalih's, des letzten ägyptischen Sultans
aus der Familie Ejub, bestieg den Thron als Sultan Manssur, d.
i. der Siegreiche, ein Beiname, dessen gute Vorbedeutung
während seiner ganzen Regierung erfüllet ward. Der Emir Sonkar
aschkar, d. i. der Blonde, machte ihm als Nebenbuhler den
Thron streitig, indem er sich zu Damaskus zum Sultan ausrufen
liess, aber bald mit seinem Verbündeten, Isa Ben Mohenna, von
den Truppen des Sultans geschlagen, hatte er sich, wie oben
erwähnt worden, mit Alaeddin, dem Wesire Abaka's, zu Bagdad in
Unterhandlung eingelassen und sich dann in's syrische Schloss
Sahiun, eines der festesten, ehemals den Assassinen gehörigen,
geworfen. Abaka hielt diesen Augenblick günstig für den
syrischen Feldzug. 18. Oct. 1280 Seine Truppen marschirten
in's Gebiet von Haleb ein, wo sie Aintab, Derbesak und Baghras
besetzten und bis nach Haleb vordrangen, rennend, brennend,
staubend, raubend, Männer tödtend, nur den Weibern als
Sklavinnen das Leben rettend. Kilawin war von Aegypten, wo er
seinen Sohn unter dem Namen Melik ess-Ssalih als Thronfolger
ausgerufen, gegen Syrien aufgebrochen; als er vernommen, dass
der Feind mit der Beute von Haleb abgezogen, wieder nach Kairo
zurückgekehrt. |