Viertes Buch
Gesandtschaft an Beibars, dessen Tod, Perwane's
Hinrichtung.
Abaka wollte von Rum unmittelbar nach Syrien ziehen. Die
Emire stellten ihm vor, dass in der Mitte des Sommers die
Beschwerden des Zuges zu gross, dass der Marsch besser bis auf
den Herbst verschoben bliebe. Er sandte also indessen
Botschaft an Bondokdar: „Ihr seid wie Räuber auf die Vorwachen
unserer Heere gefallen und habt dieselben erschlagen, und als
Wir uns genaht, seid ihr wie Diebe entflohen; seid ihr Männer,
so erscheinet nun auf dem Kampfplatze:
Komm', dass du meine Lanze streifest,
Komm', dass du meinen Zügel greifest;
Bist du ein Held, du wirst nicht stehen bleiben,
Bist du ein Berg, so werd' ich dich zerreiben;
Hast du von Männern je gehört der Schlachten,
Die nicht gewitziget den Fuchs verlachten?“
Beibars empfing die Botschaft zu Damaskus, wo er bald
darauf starb. Abaka übergab die Verwaltung Rums seinem Bruder,
dem Prinzen Konghurtai Aghul zur Huth, liess Tokat und das
Schloss Perwane's verwüsten und kehrte nach Alatak zurück. Als
er am Schlosse von Baiburt vorbeikam, das in Armenien durch
die Schönheit seiner Mädchen berühmt, wie Ersendschan durch
die Fette seiner Schafe und Kumach durch die Feinheit seiner
Leindwand, erbat sich ein Scheich die Erlaubniss, ihm frei die
Wahrheit sagen zu dürfen; nach gegebener Erlaubniss sprach er:
„Herr, dein Feind ist in deine Länder eingefallen, ohne deinen
Unterthanen Uebles zuzufügen; weil er deinem Grimme
entwischet, hast du denselben an deinen Völkern ausgelassen,
hast deine Unterthanen getödtet, deine eigenen Länder
verheert; welcher deiner Vorfahren hat desgleichen gethan?“
Die Worte des Scheichs machten tiefen Eindruck auf Abaka, der
die Freigebung von viermalhunderttausend Gefangenen befahl. Im
Lager von Alatak wurde Moineddin Perwane vor Gericht gestellt,
dreier Staatsverbrechen angeklagt: dass er zu Ablistan
geflohen, dass er nach der Niederlage sich nicht zum Herrn
begeben, dass er denselben nicht frühzeitig genug vom Anzuge
der Aegypter unterrichtet. Die von Syrien zurückgekommenen
Gesandten Abaka's sagten überdiess wider ihn aus, was sie dort
erfahren, dass Beibars auf dessen Einladung nach Rum gekommen,
das er in seine Hände zu liefern versprochen, dass er hernach
aber vor demselben geflohen sei. An Perwane, welcher den
Sultan Rums mit Bogensehne erwürgt hatte, ward nun Gleiches
mit Gleichem vergolten; Abaka war schon auf dem Punkte, ihm zu
verzeihen und ihn nach Rum zurückzusenden, als die Wittwen der
zu Ablistan Gefallenen Wehe- und Rachegeschrei vor dem Palaste
Abaka's erhoben. Kutschuk Tukdschi Behadir mit zweihundert
Reisigen erhielt den Befehl der Hinrichtung; Perwane war,
sobald er sich umringt sah, seines Looses gewärtig und bat,
nur noch ein Gebet von zwei Verbeugungen verrichten zu dürfen;
nachdem er es verrichtet, wurde er zusammengehauen. Die Angabe
des armenischen Mönchs Geschichtschreibers, dass Abaka vom
Fleische Perwane's in alle Speisen zu mischen befohlen und
selbst davon gegessen haben soll, verdient wenig Glauben.
Moineddin Suleiman Perwane aus Dilem war der Sohn Mobariseddin
Ali's, welcher, in früherer Jugend nach Rum gekommen, vom
Finanzminister Sultan Alaeddin Keikobad's als Eidam
begünstigt, nach des Schwiegervaters Tod die Stelle als Wesir
erhalten hatte. Sein Sohn Perwane beherrschte Rum im Namen der
Seldschuken als unumschränkter Herr; Rokneddin Kilidsch Arslan
hatte ihm die Stadt Sinope verpachtet, deren Besitz auch nach
seiner Hinrichtung auf seinen Sohn Mohammed und von diesem auf
den Enkel Perwane's, Mohesebeddin Mesud, überging. Dieser
bemächtigte sich Dschaniks und Ssamssuns, das nach seinem Tode
in den Besitz des Fürsten von Kastemuni fiel. Sechs Wochen
nach der Hinrichtung Perwane's ward der Wesir Schemseddin nach
Rum gesandt, um dem verwüsteten Lande wieder aufzuhelfen; er
baute die verheerten Städte wieder auf, führte aber auch die
Stempelgebühr ein, welche vordem in Rum nicht bestanden. Der
Fürst von Karaman, der sich in unwegsamen Wäldern verborgen
hielt, ward mit denselben verbrannt. Iseddin Ibek der Syrier
erhielt die Statthalterschaft Malatia's. Schemseddin, nachdem
er die Angelegenheiten Rums eingerichtet, wandte sich nach dem
Kaukasus und Lesgistan, wo er die störrigen Bergvölker der
mongolischen Herrschaft unterwarf.