Ilchane

Geschichte der Ilchane
das ist
der Mongolen in Persien

von

Hammer-Purgstall

mit neuen Beilagen und neuen Stammtafeln

Darmstadt. Druck und Verlag von Carl Wilhelm Leske. 1842.

Inhaltsverzeichnis

Viertes Buch

Herrscher von Luristan; Tod grosser Männer.

Auf dem Rückmarsche von Chorasan nach Aserbeidschan war Abaka an der Gränze Gilan's von einer Schaar dilemischen Gesindels aus einem Hinterhalte angefallen worden. Jusufschah, der Sohn Schemseddin Alp Arghaun's, der Atabeg von Gross-Luristan, welcher auf diesem Feldzuge den Chan als Vassal begleitet hatte und sich eben in dessen Nähe befand, sprang vom Pferde und wehrte durch seine Tapferkeit die Gefahr vom Haupte Abaka's ab. Zur Belohnung dafür verlieh ihm der Chan zu Gross-Luristan noch den Besitz von Chusistan, das Gebirge Kiluje und die beiden Städte Firusan und Dscherbadakan; die erste, im persischen Irak in der Nähe von Firusan gelegen, ward von Firus, dem Könige der altpersischen Dynastie der Beni Sasan, erbaut, von welchem sie den Namen hat, in einer an Baumwolle, Korn und Früchten aller Art gesegneten Gegend gelegen. Dscherbadakan, auch Derbajekan oder Güljadkjan genannt, ist eine zwischen Kerdsch und Hamadan gelegene Stadt, welche Humai, die Tochter Behmen's, des Kejanen (die Parisatis der Griechen), baute und Samere nannte. Jusufschah begab sich nach dem Gebirge Kiluje (in Luristan) und schlug die Schulen, den Sieg mit seines Bruders Nedschmeddin Tod bezahlend. In Chorasan schlugen sich indessen die Feldherren Nikpei Behdi und der Turkmane Akbeg wider die dschagataischen Prinzen Dschoba und Kapan, den Sohn Alghui's, das Land verödend, wie bereits oben gesagt worden. Akbeg hätte sich gerne mit seiner Beute zu Kaidu geflüchtet, aber einer seiner Brüder kam zum Dienste des Steigbügels des Prinzen Arghun und entdeckte demselben des Bruders Anschlag. Arghun berief den Turkmanen ein, um ihn an den Hof Abaka's zu senden; auf dem Wege dahin wurde er zu Kökdsche denis, d. i. am blauen Meere (am Uralssee), abgethan; so ward auch der Intendent Melik Ssadreddin zu Rei hingerichtet. Der von Hulagu und Abaka hochgeschätzte Sekretär Dschenglaun Bachschi und der Feldherr Emir Arghun, der Sohn Dschurmaghun's, starben natürlichen Todes. Zu Tebris stürzten alle Thürme im Erdbeben ein. In diesem Jahre, wo zu Tebris Melik Ssadreddin hingerichtet ward, starb zu Konia in Rum, dessen Fürsten unter der eisernen Ruthe mongolischer Vogtschaft standen, der grosse mystische Scheich Ssadreddin von Konia; im nächsten Jahre aber hatten Astronomie und Philosophie, Mystik und Poesie noch weit grösseren Verlust zu beklagen in dem Tode Nassireddin's von Tus, des Werkzeugs des Sturzes der Assassinen und des Chalifats, des Errichters der Sternwarte von Meragha, des Verfassers der berühmten Metaphysik und Ethik, deren schon oben Erwähnung geschehen, und des grössten mystischen Dichters der Perser, Mewlana Dschelaleddin's Rumi, beigenannt der Molla Kaiser, des Verfassers des Mesnewi, des Stifters der Mewlewi. Nassireddin von Tus befand sich am Hofe Abaka's im Mittelpunkte des Reichs als der Repräsentant der Wissenschaft, während die Mystik und Poesie in den äussersten Enden desselben, in Rum und in Fars, blühten, in Rum durch die obengenannten beiden grossen Scheiche Dichter, in Fars noch durch Saadi, den wahren König der persischen Dichter seiner Zeit, wiewohl Hemker Farsi das Amt des Dichterkönigs am Hofe der Atabegen zu Schiras bekleidete; dass aber schon damals der Dichterkönig von Amtswegen nicht unbedingt als der grösste Dichter erkannt ward, beweiset, was Dewletschah in seinen Lebensbeschreibungen persischer Dichter bei der Imami's von Herat erzählet. In einer Abendversammlung stritten sich die vier geistreichsten und gelehrtesten Staatsmänner Abaka's, nämlich der Wesir Schemseddin Dschuweini, der Statthalter Rums Moineddin Perwane, der Richter Mewlana Schemseddin und der Intendent Melik Iftichareddin von Kerman, einen Abend lang darüber, ob Saadi, ob Imami aus Herat oder Hemker Farsi (der Dichterkönig) der grösste Dichter; sie kleideten diese Frage in Versen ein und sandten dieselben zur Entscheidung an den Dichterkönig von Amtswegen; dieser antwortete bescheiden und wahr:

Obwohl ich bin ein Papagei durch süssen Sang, Bin ich die Fliege nur von Saadi's Zuckermund; Und soll ich thun ein allgemeines Urtheil kund, So läuft Imami mir und Saadi ab den Rang.

Wie tief persische poetische Bildung damals in Staatsgeschäfte eingriff, wird sogleich aus dem Verhältnisse und Briefwechsel des gelehrten Wesirs Schemseddin Dschuweini mit Melik Schemseddin Kert, dem Herrn von Herat, erhellen.

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