Viertes Buch
Kaidu's und Borrak's Vertrag.
Kaidu's, des Sohnes Kaschim's, des fünften Sohnes Ogotai's,
ist bereits Erwähnung geschehen, so auch Borrak's, des Sohnes
Jesentewa's, des zweiten Sohnes Muwatukjan's, des zweiten
Sohnes Dschagatai's. Dieser, von Kubilai zum Herrscher des
Uluses Dschagatai ernannt, hatte sich nicht sobald in den
Besitz des Uluses gesetzt, als er mit dem Statthalter
Turkistan's, Mogholtai, Streit begann. Dieser sandte den Emir
Tekmisch, jener den Emir Kuwindschi mit einem Heere; Tekmisch
ward von Kuwindschi geschlagen, aber dieser musste sich vor
einem zweiten stärkeren Borrak's zurückziehen. Borrak
verwüstete Choten und schlug auch das Heer, welches Kaidu und
Kipdschak, der Feldherr Mengu Timur's, des Herrschers von
Kipdschak, wider ihn geführt. Mengu Timur, hierüber ergrimmt,
sandte seinen Oheim Berekdschar mit fünfzigtausend Mann zu
Hilfe Kaidu's. Borrak, von demselben geschlagen, zog sich nach
Samarkand in der Absicht, das fruchtbare Land zu verheeren.
Kaidu und Kipdschak beriethen sich, wie das Unheil abzuwenden,
und Kipdschak, zwischen welchem und Borrak alte
Freundschaftsbande bestanden, trug sich an, den Frieden zu
unterhandeln. In der Ebene von Soghd empfing Borrak den
Kipdschak auf dem Throne, setzte ihn neben sich, trank mit ihm
und bewirthete ihn mehrere Tage hindurch in der Steppe von
Katwan in der Nähe des Karawanserai. Abu Mohammed's
Tonkünstler spielten in den in Kipdschak beliebtesten
Tonarten, um dem Prinzen Kipdschakaghul zu gefallen. Dieser
war der Sohn Durdschi's, des Sohnes Kadan's, des sechsten
Sohnes Ogotai's und folglich ein Neffe Kaidu's. Er kam mit
Borrak überein, dass sich dieser und Kaidu mit den Truppen,
mit denen sie dermalen zu Samarkand und Bochara standen,
begnügen, dieselben nicht vermehren sollten und Borrak Bochara
verschone. Kaidu und Berekdschar gaben ihre Zustimmung, und
die Prinzen versammelten sich im Frühjahre in der Ebene von
Talas und Kundschuk, wo nach achttägiger Gasterei Kurultai
stattfand. Kaidu sprach von dem Vertrage Tschengischan's und
wie alle Zwietracht der Prinzen demselben zuwider; dann nahm
Borrak das Wort und sagte: da Kaidu an der Spitze des Uluses
Ogotai stehe, wie Mengu Timur an der des Uluses Dschudschi's
in Kipdschak, wie Kubilai und Abaka die Herrschaft des Uluses
Tuli's im Osten und Westen theilten, so möge man auch ihn als
Oberhaupt des Uluses Dschagatai unangefochten lassen und sich
friedlich mit ihm verständigen. Die drei Prinzen der drei
Uluse kamen dann überein, das Land zwischen dem Dschihun und
Sihun in drei Theile zu theilen, wovon einer von Borrak, die
beiden anderen von Truppen Kaidu's und Mengu Timur's besetzt
bleiben sollten; sie verbanden sich gegenseitig, mit ihren
Reitern nur in den Steppen herum zu ziehen, die Städte nicht
zu betreten, die Unterthanen zu schonen; im folgenden
Frühjahre aber sollte dem Borrak freistehen, gegen Chorasan zu
ziehen und sich auf Kosten Abaka's zu vergrössern: „Sie
besiegelten ihren Vertrag nach mongolischer Sitte mit
gewechselten Bechern und Kleidern, indem sie die Hefe auf die
Erde gossen“. Eine Zeit lang genoss das Land unter der
gerechten Verwaltung Mesud's, der als weiser Wesir in seines
Vaters Jelwadsch Fussstapfen trat, des erwünschten
Wohlstandes, bis bald darauf, als Mengu Timur und Kaidu sich
veruneinigt hatten, das Heer des letzten dem des ersten
entgegenziehend Bochara verlassen, die Besitzungen desselben
berannte, das Land, trotz der Vorstellungen seines Wesirs
Mesudbeg, durch Erpressungen verheerend. Borrak, im Besitze
des Landes zwischen dem Dschihun und Sihun, war nun auf den
Feldzug gegen Abaka bedacht, worüber ihm die Herrscher des
Hauses Ogotai und Dschudschi, als Feinde des Uluses Tuli,
freie Hand gelassen, sandte aber zuerst die schon oben
erwähnte Gesandtschaft an Abaka, um den Zustand desselben
besser zu erkunden. |