Viertes Buch
Literatur.
Unter Abaka's Regierung dauerte der Flor der Literatur,
dessen wir schon unter der Hulagu's und weiter oben erwähnt
haben, in erfreulichem Glanze fort; das grösste Verdienst
dieser Stätigkeit gebührt nach Nassireddin von Tus wohl dem
gelehrten Brüderpaar Schemseddin und Alaeddin Dschuweini,
welche schon von Hulagu als Wesire mit der höchsten Leitung
der Reichsgeschäfte betraut, denselben auch während der
siebzehnjährigen Regierung Abaka's vorstanden, bis zum
Schlusse derselben ihr Kredit und Ansehen, erschüttert,
wankte. In Rum hatte sich die schönste Blüthe mystischer
Philosophie und Poesie in den Werken Ssadreddin's von Konia
und Dschelaleddin Rum's entfaltet. Zu Schiras lebte noch der
hundertjährige Saadi (dessen Lebenscenturie zugleich das
Jahrhundert des grössten Aufschwungs persischer Poesie) in
Freundschaft mit dem Dichterkönig und Schönschreiber Hemker
Farsi, der als Dichterkönig Medschdeddin Semeki hiess, mit
Imami aus Herat und mit Chodscha Hemameddin, dem Schreiber
Nassireddin's von Tus, dem reichen und gastfreien Manne,
welcher den Sohn des Wesirs Schemseddin zu Tebris mit einem in
vierhundert porcellanenen Schüsseln aufgetragenen Gastmahle
bewirthete. Ausserdem noch die folgenden Dichter: Purbeha
Dschami, welcher halb mongolisch, halb persisch dichtete und
mit Chodscha Hemameddin besonders im künstlichen und schweren
Versmaasse wetteiferte; Abulmadhi Raigani, so von dem in der
Nähe Kaswins gelegenen Dorfe Raigan beigenannt, berühmt durch
einen auf die fromme Stiftung Melik Iftichareddin's von Kaswin
aus dem Stegreife gesagten Viervers. Dschemaleddin von Kaschan,
welcher eine berühmte Redondille Saadi's mit gleicher
entgegnete. Dschemaleddin Rastak ol kotu, welcher seinen
Beinamen von Rastak, einem Stadtviertel Kaswin's, hat und
unter der Regierung Abaka's neunzigjährig starb; der Richter
Behaeddin Sendschani, der Lobredner Schemseddin's des Wesirs,
welcher so, wie Purbeha, mongolische und türkische Wörter
persischen einmischte. Rasijeddin Bela war Intendent der
Pachten von Diarbekr; als ihn Abaka absetzte und seine Stelle
dem Emir Dschelaleddin verlieh, welcher ursprünglich ein
Halbtrommelschläger, hatte Rasijeddin den Muth, dem Wesir
Schemseddin den Viervers zuzusenden:
O Schah! du nahmst das Land von uns zum Zeitvertreib,
Gabst einem Zwitter es, der weder Mann noch Weib;
Es ist nun sonnenklar dem Aug' der beiden Welten,
Was dir der Schlag des Schwerts und der der Trommel gelten.
Nedschmeddin Serkub, d. i. der Goldschläger, ein
Zeitgenosse Abaka's, der aber auch unter der Regierung
Arghun's lebte und seine Beschäftigung und Armuth durch die
folgenden Verse schilderte:
Mein Handwerk ist, zu schlagen Gold;
Das Leben wird dadurch nicht heller.
Ich sitze immer zwischen Gold
Und habe niemals einen Heller.
Endlich Nisameddin von Issfahan, der arabisch und persisch
dichtete und von welchem der Schreiber der auserwählten
Geschichte eine Kassidet zum Lobe des grossen Wesirs
Schemseddin Dschuweini erhalten, welche, da Schemseddin
und sein Bruder Alaeddin die Pole persischer Kultur und
Literatur während der Regierung Abaka's so füglicher diese
Uebersicht persischer Literatur zur Zeit Abaka's schliesst,
als der Schluss des Lobgedichtes selbst ein arabisches
Distichon des grossen Wesirs Schemseddin:
Komm', lass dir von dem Streit' des Baches sagen,
Der sich mit der Cypresse zugetragen.
Der Bach sprach viel von seiner reinen Fluth
In hundert Zungen und in hundert Sagen;
Da sprach zu ihm Cypresse so: O Freund,
Willst du, warum ich zittere, mich fragen?
Ich bin gerad' und stehe festen Fusses,
Indess dich krumm die Spötter weiter tragen.
Bei Gott! du gehst vorbei: und willst dir so
Den alten Trauten aus dem Kopfe schlagen.
Bald brausest du mit Heftigkeit einher,
Bald bleibest du im Dümpfel sitzen mit Behagen.
Als Antwort sprach der Bach, der tief beschämt,
Aus Schaam den Kopf empor kaum konnte tragen:
Ich seh', Cypresse, du hast Sanftmuth nicht
Und kannst mit Freunden dich nicht gut vertragen;
Du stets aufstrebend und empörerisch,
Und weich und lind und mild ist mein Betragen.
Du, prahle dich hinfür mit Freiheit nicht,
Nicht mit Beständigkeit und Liebesklagen;
Du nährtest vormals dich in meinem Schooss,
Nun willst du hoch empor den Kopf nur tragen,
Du weihest nun sehr wenig Schatten mir,
Weisst nichts von Huld und goldnen Fruchtgelagen;
* Verzweifelnd fliehe ich von dir in's Feld,
Um an dem Fels' die Brust mir wund zu schlagen;
Du trägst das Haupt gen Himmel hoch empor,
Schaust nicht auf mich, der dir zu Füssen liegt;
Dein Haupt ist grün, du bist so frisch und schön,
Und ich verachtet mit zerrissnem Kragen;
Geniesse stolz die Ruh', du stehest fest,
Indessen mich von dir die Winde jagen.
So sprach der Bach und barg sich in den Staub,
In Thränen fliessend hin und Weheklagen;
Cypresse ward darob gar sehr verwirrt,
Des Freundes wegen fühlt' sie Unbehagen,
Im Garten schlug die Hände sie zusammen;
Der Vögel Chor begann, darob zu klagen,
Da war die Zeit, den Vers von Schemseddin,
Inhaber des Diwans, dem Herrn zu sagen:
Der Garten haucht wie Aloe aus Hind,
Auf Aloen die Turteltauben klagen.