Viertes Buch
Medschdulmülk, Amtsgenosse Schemseddin's.
Medschdulmülk, durch die Wiederaufnahme des Wesirs zu
vorigen Gnaden beunruhigt, bat, dass Abaka ihn unter den
Schutz eines der Emire seines Hofes stellen oder davon
entfernen möge. Abaka antwortete, dass, wiewohl er den
Schemseddin wieder zu Gnaden aufgenommen, er dem Medschdulmülk
Nichts Uebles wolle und dass er beim Emir Taghadschar bleiben
könne. Medschdulmülk, von seinem Rathe und Gelehrten
Ssadreddin von Sendschan unterstützt, fuhr fort, Ränke zu
schmieden, und zwar mit so gutem Erfolge, dass ein Diplom
erging, vermöge dessen Medschdulmülk von Jesd dem Inhaber des
Diwans an die Seite gegeben ward. Dieses Diplom ward im
Götzentempel zu Mocha in Gegenwart aller Prinzen und
Prinzessinnen öffentlich verlesen und alle Geschäftsleute
bemerkten, dass noch kein Perser von den mongolischen
Herrschern dergleichen Jerligh erhalten. Abaka empfahl dem
Medschdulmülk die grösste Wachsamkeit in Bewahrung und
Gebahrung der Staatsgelder und sich nicht vom Hofe zu
entfernen, wo er unter seinem Schutze stehe. Medschdulmülk
stellte in allen Ländern Stellvertreter mit zahlreichem
Gefolge an, und in den Erlassen des Diwans wurde der Name
Schemseddin's als des Inhabers rechts, der Medschdulmülk's
links auf derselben Höhe geschrieben. Zu dieser Zeit schrieb
Medschdulmülk, seine Feindschaft nicht verhehlend, an
Schemseddin die Verse:
Ich werd' in's Meer von deinem Kummer springen,
Ich werd', ertrunken, alle Perlen bringen;
Die Feindschaft ist zwar stark, doch hab' ich Lust,
Zu röthen das Gesicht, wenn nicht, die Brust.
Schemseddin antwortete hierauf:
Da es unmöglich, Schahe zu verklagen,
So heisst es, still den Sturz der Welt ertragen;
Was du begonnen hast, war nicht vonnöthen,
Wird dir wie das Gesicht den Nacken röthen.
Schemseddin, starkmüthiger Geduld, schlürfte den Becher der
Demüthigung bis zum Hefen aus. Als er eines Tages mit seinem
Amtsgenossen Feinde auf den Stufen des Thrones erschienen,
befahl ihm Abaka, die untere Stufe einzunehmen; ein andermal,
bei einem Gastmahle, verweigerte Abaka dreimal den ihm von
Schemseddin dargebrachten Becher, den dieser hiernach dem ober
ihm knienden Feinde darbrachte; Abaka reichte hierauf dem
Schemseddin, dem eifrigen Moslime, ein Stück Schweinfleisch,
das dieser schweigend verschluckte; da sagte Abaka zu den
Trinkgenossen: Dort ist ein guter und ausharrender Mann; ich
hatte beschlossen, hätte er sich das Schweinfleisch zu essen
geweigert, ihm mit der Spitze des Messers das Aug'
auszustechen. Nun erschien Alaeddin, der Statthalter Bagdads,
der Bruder Schemseddin's, welcher mit demselben in der Anklage
von Gelderpressung verwickelt war, zu Bagdad ohne allen
Aufwand in reinlicher Kleidung, und sogleich war von allen
Seiten ein Heer von Anklägern und Zwischenträgern in der Luft;
Medschdulmülk zeigte an: Alaeddin habe nun durch zwanzig Jahre
die Steuerausschreibung des arabischen Irak und Chusistan's
verwaltet und in jedem dieser Jahre über zwanzig Tomane
Zuschuss erhoben. Alaeddin rechtfertigte sich „durch die ihm
aufgebürdeten Ausgaben für die Prinzen und Frauen, für die
Emire und Intendenten der Gauen, durch den Aufwand für die
Gesandten am Hofe, für Geschenke und reiche Stoffe, welche
alle die wichtigen Lasten der Pachten die Diwanseinnahmen
vollmachten“. Da die Ankläger hierin nicht aufkamen, änderten
sie ihr Spiel. „Sie stellten“, sind Wassaf's Worte, „dem
Könige gegenüber einen anderen Bau als Thurm auf und trugen
vor, dass von den vor zehn Jahren gelegten Rechnungen noch
zweihundert fünfzig Tomane zu zahlen übrig seien.“ Bei
gepflogener Untersuchung zeigte es sich, dass diese Summe
nicht dem Statthalter, sondern den Pächtern der Districte zur
Last falle, von denen dieselbe einzutreiben unmöglich. So
wurde darüber hinausgegangen und Alaeddin wieder nach Bagdad
zur Verwaltung seines Amtes zurückgesandt. Was den Anklägern
Schemseddin's und seines Bruders vorzüglich zu statten kam,
war der durch die neuen Kriegsrüstungen eingetretene
Geldmangel. Von Aegypten her nahten sich die ägyptischen
Befehlshaber Elfi und Aschkar Sonkar mit einem Heere, welchem
der Prinz Mengu Timur entgegengesandt ward; ein anderes Heer
ging nach Osten zum Dienste des Kronprinzen Arghun in Chorasan,
und ein drittes war zur Huth der Gränze von Derbend
erforderlich. Abaka war in der Absicht, zu Bagdad zu
überwintern, auf der Strasse von Irbil und Mossul aufgebrochen
und Alaeddin hatte auf dieser Seite die Vorhuth vorausgesandt.
Zu Rahbet hielt Abaka grosse Kreisjagd und trat von hier den
Weg nach Bagdad an. Diesen Augenblick benutzte Medschdulmülk,
um dem Padischah zur Füllung der geleerten Cassen die von
Alaeddin dem Schatze schuldigen Summen in's Gedächtniss zu
rufen.