Ilchane

Geschichte der Ilchane
das ist
der Mongolen in Persien

von

Hammer-Purgstall

mit neuen Beilagen und neuen Stammtafeln

Darmstadt. Druck und Verlag von Carl Wilhelm Leske. 1842.

Inhaltsverzeichnis

Viertes Buch

Medschdulmülk, Amtsgenosse Schemseddin's.

Medschdulmülk, durch die Wiederaufnahme des Wesirs zu vorigen Gnaden beunruhigt, bat, dass Abaka ihn unter den Schutz eines der Emire seines Hofes stellen oder davon entfernen möge. Abaka antwortete, dass, wiewohl er den Schemseddin wieder zu Gnaden aufgenommen, er dem Medschdulmülk Nichts Uebles wolle und dass er beim Emir Taghadschar bleiben könne. Medschdulmülk, von seinem Rathe und Gelehrten Ssadreddin von Sendschan unterstützt, fuhr fort, Ränke zu schmieden, und zwar mit so gutem Erfolge, dass ein Diplom erging, vermöge dessen Medschdulmülk von Jesd dem Inhaber des Diwans an die Seite gegeben ward. Dieses Diplom ward im Götzentempel zu Mocha in Gegenwart aller Prinzen und Prinzessinnen öffentlich verlesen und alle Geschäftsleute bemerkten, dass noch kein Perser von den mongolischen Herrschern dergleichen Jerligh erhalten. Abaka empfahl dem Medschdulmülk die grösste Wachsamkeit in Bewahrung und Gebahrung der Staatsgelder und sich nicht vom Hofe zu entfernen, wo er unter seinem Schutze stehe. Medschdulmülk stellte in allen Ländern Stellvertreter mit zahlreichem Gefolge an, und in den Erlassen des Diwans wurde der Name Schemseddin's als des Inhabers rechts, der Medschdulmülk's links auf derselben Höhe geschrieben. Zu dieser Zeit schrieb Medschdulmülk, seine Feindschaft nicht verhehlend, an Schemseddin die Verse:

Ich werd' in's Meer von deinem Kummer springen,
Ich werd', ertrunken, alle Perlen bringen;
Die Feindschaft ist zwar stark, doch hab' ich Lust,
Zu röthen das Gesicht, wenn nicht, die Brust.

Schemseddin antwortete hierauf:

Da es unmöglich, Schahe zu verklagen,
So heisst es, still den Sturz der Welt ertragen;
Was du begonnen hast, war nicht vonnöthen,
Wird dir wie das Gesicht den Nacken röthen.

Schemseddin, starkmüthiger Geduld, schlürfte den Becher der Demüthigung bis zum Hefen aus. Als er eines Tages mit seinem Amtsgenossen Feinde auf den Stufen des Thrones erschienen, befahl ihm Abaka, die untere Stufe einzunehmen; ein andermal, bei einem Gastmahle, verweigerte Abaka dreimal den ihm von Schemseddin dargebrachten Becher, den dieser hiernach dem ober ihm knienden Feinde darbrachte; Abaka reichte hierauf dem Schemseddin, dem eifrigen Moslime, ein Stück Schweinfleisch, das dieser schweigend verschluckte; da sagte Abaka zu den Trinkgenossen: Dort ist ein guter und ausharrender Mann; ich hatte beschlossen, hätte er sich das Schweinfleisch zu essen geweigert, ihm mit der Spitze des Messers das Aug' auszustechen. Nun erschien Alaeddin, der Statthalter Bagdads, der Bruder Schemseddin's, welcher mit demselben in der Anklage von Gelderpressung verwickelt war, zu Bagdad ohne allen Aufwand in reinlicher Kleidung, und sogleich war von allen Seiten ein Heer von Anklägern und Zwischenträgern in der Luft; Medschdulmülk zeigte an: Alaeddin habe nun durch zwanzig Jahre die Steuerausschreibung des arabischen Irak und Chusistan's verwaltet und in jedem dieser Jahre über zwanzig Tomane Zuschuss erhoben. Alaeddin rechtfertigte sich „durch die ihm aufgebürdeten Ausgaben für die Prinzen und Frauen, für die Emire und Intendenten der Gauen, durch den Aufwand für die Gesandten am Hofe, für Geschenke und reiche Stoffe, welche alle die wichtigen Lasten der Pachten die Diwanseinnahmen vollmachten“. Da die Ankläger hierin nicht aufkamen, änderten sie ihr Spiel. „Sie stellten“, sind Wassaf's Worte, „dem Könige gegenüber einen anderen Bau als Thurm auf und trugen vor, dass von den vor zehn Jahren gelegten Rechnungen noch zweihundert fünfzig Tomane zu zahlen übrig seien.“ Bei gepflogener Untersuchung zeigte es sich, dass diese Summe nicht dem Statthalter, sondern den Pächtern der Districte zur Last falle, von denen dieselbe einzutreiben unmöglich. So wurde darüber hinausgegangen und Alaeddin wieder nach Bagdad zur Verwaltung seines Amtes zurückgesandt. Was den Anklägern Schemseddin's und seines Bruders vorzüglich zu statten kam, war der durch die neuen Kriegsrüstungen eingetretene Geldmangel. Von Aegypten her nahten sich die ägyptischen Befehlshaber Elfi und Aschkar Sonkar mit einem Heere, welchem der Prinz Mengu Timur entgegengesandt ward; ein anderes Heer ging nach Osten zum Dienste des Kronprinzen Arghun in Chorasan, und ein drittes war zur Huth der Gränze von Derbend erforderlich. Abaka war in der Absicht, zu Bagdad zu überwintern, auf der Strasse von Irbil und Mossul aufgebrochen und Alaeddin hatte auf dieser Seite die Vorhuth vorausgesandt. Zu Rahbet hielt Abaka grosse Kreisjagd und trat von hier den Weg nach Bagdad an. Diesen Augenblick benutzte Medschdulmülk, um dem Padischah zur Füllung der geleerten Cassen die von Alaeddin dem Schatze schuldigen Summen in's Gedächtniss zu rufen.

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