Ilchane

Geschichte der Ilchane
das ist
der Mongolen in Persien

von

Hammer-Purgstall

mit neuen Beilagen und neuen Stammtafeln

Darmstadt. Druck und Verlag von Carl Wilhelm Leske. 1842.

Inhaltsverzeichnis

Viertes Buch

Schlacht mit Nokai.

Die erste Waffenthat der Regierung Abaka's hatte an der nördlichen Gränze statt, wo Nokai, um die unter Hulagu erlittene Schlappe zu rächen, aus Derbend auf das Heer des Prinzen Jaschmut ausgefallen, über den Kor gezogen war. Die Schlacht begab sich an den Ufern des Flusses Akssu, den die Mongolen Tschaghan Muran nennen (das eine und andere heisst Weisswasser). Der Verlust war von beiden Seiten gross. Nokai, von einem Pfeile in's Auge getroffen, flüchtete nach Schirwan. Jaschmut ging über den Kor, aber wieder zurück, als er vernahm, dass Berke mit einem Heere von dreimalhunderttausend Mann nahe; die Brücken waren alle abgerissen worden, so dass Berke, nachdem er vierzehn Tage lang vergebens am Ufer des Kor geweilet hatte, wieder nach Tiflis zurückging, um dort leichter über den Fluss zu setzen; aber auf dem Wege erkrankte und starb er. Abaka befahl, von Delai Nor bis an die Wüste der Kurden einen Wall mit einem tiefen Graben längs des Kor zu ziehen, an dem er Truppen zur Gränzhuth zurückliess, ohne dass desshalb der Handelsverkehr der beiden Länder mittels der Karawanen unterbrochen ward. Nach Beendigung dieses Werkes entliess er von dort den Prinzen Mengu Timur (den eilften Sohn Hulagu's, Gemahl der Atabegin Abisch und der Frau Oldschai) und brachte den Winter in Masenderan und Gurgan (dem alten Hyrkanien) zu. Während dieses Winters erschien Mesudbeg, der Sohn des berühmten Wesirs Mahmud Jelwadsch, als Gesandter Kaidu's, des Herrschers des Uluses Ogotai, im Lager Abaka's, um die noch ausständige Rechnung der Einkünfte seiner Krongüter zu begehren. Abaka empfing denselben sehr ehrenvoll, liess ihm das Kleid Tschengischan's anziehen und wies ihm seinen Sitz ober allen Emiren an, ausgenommen Ilkai. Abaka trug dem Inhaber des Diwans, dem Wesir Schemseddin, auf, die Rechnung auf's schnellste auszufertigen, und binnen einer Woche kehrte der Gesandte, reich beschenkt, schnell zurück. Erst einige Tage nach seiner Abreise, als die Nachricht eintraf, dass sich am Ufer des Dschihun ein Heer sammle, sah Abaka, dass dies Begehren der Rechnung nur ein Vorwand gewesen und dass Mesud als Kundschafter Borrak's, des Urenkels Dschaghatai's, gekommen, welcher dem Mubarekschah die Herrschaft des Uluses Dschagatai entrissen. Abaka fertigte sogleich Gesandte ab, um den verkappten Kundschafter Borrak's zurückzubringen; sie erreichten aber die Ufer des Oxus in dem Augenblicke, als Mesudbeg eben über denselben gesetzt. Abaka ging nach Chorasan bis Serchas und wandte sich dann in's Winterquartier nach Masenderan. Zu Kebuddschame, d. i. Blaukleid, in der an Korn, Wein und Seide fruchtbaren Stadt Taberistan's, ging er dem Gepäcke Hulagu's entgegen, welches mit dessen Wittwe Kuti Chatun und den Söhnen Hulagu's, Tekschin und Tekuder, und mit dem Enkel desselben, Dschuschkab, dem Sohne Dschumkur's, Badu, dem Sohne Tarakai's, und Jesundschin Chatun, der Mutter Abaka's, welche zur Zeit des Aufbruches Hulagu's nach Persien im Hoflager Mengkukaan's geblieben waren. Dschumkur, der Vater Dschuschkab's und Kendschu's, war in dem Bürgerkriege zwischen Kubilai und Arikbugha gezwungen gewesen, die Partei des letzten zu ergreifen, was jetzt die Söhne entschuldigten; er war seitdem gestorben; die Frau Kuti hatte zu Bedachschan den Tod Hulagu's vernommen und sich blind geweint; er verlieh ihr die Einkünfte von Diarbekr, Miafarakain und einigen anderen Oertern als Nadelgeld, das bei den Mongolen Tonlik, das Geld auf Unterhosen, heisst. Die Einkünfte betrugen das Jahr über hunderttausend Goldstücke. Er brachte den Winter zu Tschanganlu (in der Gegend von Meragha), den Sommer in den Weiden von Alatagh an den Quellen des Euphrats und zu Siahkuh (Schwarzberg) zu, und überwinterte dann in der Landschaft Arran.

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