Viertes Buch
Schlacht mit Nokai.
Die erste Waffenthat der Regierung Abaka's hatte an der
nördlichen Gränze statt, wo Nokai, um die unter Hulagu
erlittene Schlappe zu rächen, aus Derbend auf das Heer des
Prinzen Jaschmut ausgefallen, über den Kor gezogen war. Die
Schlacht begab sich an den Ufern des Flusses Akssu, den die
Mongolen Tschaghan Muran nennen (das eine und andere heisst
Weisswasser). Der Verlust war von beiden Seiten gross. Nokai,
von einem Pfeile in's Auge getroffen, flüchtete nach Schirwan.
Jaschmut ging über den Kor, aber wieder zurück, als er
vernahm, dass Berke mit einem Heere von dreimalhunderttausend
Mann nahe; die Brücken waren alle abgerissen worden, so dass
Berke, nachdem er vierzehn Tage lang vergebens am Ufer des Kor
geweilet hatte, wieder nach Tiflis zurückging, um dort
leichter über den Fluss zu setzen; aber auf dem Wege erkrankte
und starb er. Abaka befahl, von Delai Nor bis an die Wüste der
Kurden einen Wall mit einem tiefen Graben längs des Kor zu
ziehen, an dem er Truppen zur Gränzhuth zurückliess, ohne dass
desshalb der Handelsverkehr der beiden Länder mittels der
Karawanen unterbrochen ward. Nach Beendigung dieses Werkes
entliess er von dort den Prinzen Mengu Timur (den eilften Sohn
Hulagu's, Gemahl der Atabegin Abisch und der Frau Oldschai)
und brachte den Winter in Masenderan und Gurgan (dem alten
Hyrkanien) zu. Während dieses Winters erschien Mesudbeg, der
Sohn des berühmten Wesirs Mahmud Jelwadsch, als Gesandter
Kaidu's, des Herrschers des Uluses Ogotai, im Lager Abaka's,
um die noch ausständige Rechnung der Einkünfte seiner
Krongüter zu begehren. Abaka empfing denselben sehr ehrenvoll,
liess ihm das Kleid Tschengischan's anziehen und wies ihm
seinen Sitz ober allen Emiren an, ausgenommen Ilkai. Abaka
trug dem Inhaber des Diwans, dem Wesir Schemseddin, auf, die
Rechnung auf's schnellste auszufertigen, und binnen einer
Woche kehrte der Gesandte, reich beschenkt, schnell zurück.
Erst einige Tage nach seiner Abreise, als die Nachricht
eintraf, dass sich am Ufer des Dschihun ein Heer sammle, sah
Abaka, dass dies Begehren der Rechnung nur ein Vorwand gewesen
und dass Mesud als Kundschafter Borrak's, des Urenkels
Dschaghatai's, gekommen, welcher dem Mubarekschah die
Herrschaft des Uluses Dschagatai entrissen. Abaka fertigte
sogleich Gesandte ab, um den verkappten Kundschafter Borrak's
zurückzubringen; sie erreichten aber die Ufer des Oxus in dem
Augenblicke, als Mesudbeg eben über denselben gesetzt. Abaka
ging nach Chorasan bis Serchas und wandte sich dann in's
Winterquartier nach Masenderan. Zu Kebuddschame, d. i.
Blaukleid, in der an Korn, Wein und Seide fruchtbaren Stadt
Taberistan's, ging er dem Gepäcke Hulagu's entgegen, welches
mit dessen Wittwe Kuti Chatun und den Söhnen Hulagu's,
Tekschin und Tekuder, und mit dem Enkel desselben, Dschuschkab,
dem Sohne Dschumkur's, Badu, dem Sohne Tarakai's, und
Jesundschin Chatun, der Mutter Abaka's, welche zur Zeit des
Aufbruches Hulagu's nach Persien im Hoflager Mengkukaan's
geblieben waren. Dschumkur, der Vater Dschuschkab's und
Kendschu's, war in dem Bürgerkriege zwischen Kubilai und
Arikbugha gezwungen gewesen, die Partei des letzten zu
ergreifen, was jetzt die Söhne entschuldigten; er war seitdem
gestorben; die Frau Kuti hatte zu Bedachschan den Tod Hulagu's
vernommen und sich blind geweint; er verlieh ihr die Einkünfte
von Diarbekr, Miafarakain und einigen anderen Oertern als
Nadelgeld, das bei den Mongolen Tonlik, das Geld auf
Unterhosen, heisst. Die Einkünfte betrugen das Jahr über
hunderttausend Goldstücke. Er brachte den Winter zu
Tschanganlu (in der Gegend von Meragha), den Sommer in den
Weiden von Alatagh an den Quellen des Euphrats und zu Siahkuh
(Schwarzberg) zu, und überwinterte dann in der Landschaft
Arran. |