Ilchane

Geschichte der Ilchane
das ist
der Mongolen in Persien

von

Hammer-Purgstall

mit neuen Beilagen und neuen Stammtafeln

Darmstadt. Druck und Verlag von Carl Wilhelm Leske. 1842.

Inhaltsverzeichnis

Viertes Buch

Schlacht von Himss; Abaka's Tod.

Im folgenden Frühjahre zog Kilawin wider seinen Thronnebenbuhler Sonkar aus, der noch im festen Schlosse Scheiser hielt. Er versprach die Auslieferung desselben für die Abtretung von Famia (Apamia), Antiochien, Latakia (Laodicea) und der Schlösser Sahiun, Belatonus, Bersijet; auch die beiden letzten gehörten, wie Sahiun, unter die festesten Schlösser der Assassinen vom Gebirge, welches von ihnen den Namen des Messers (Sikin) führt. Belatonus ist das alte Banias an der Seeküste nördlich von Merkab und Bersijet, ein kleines Schloss an dem westlichen Saume des Berges Chait, welcher auf der Ostseite des Sees von Apamea. Diese Forderung war kaum zugestanden, als Kilawin den Anzug zweier mongolischer Heere vernahm, deren eines, von Abaka selbst befehligt, sich gegen Rahbet wandte, das andere, unter dem Befehle Mengu Timur's, des Bruders Abaka's, zwischen Kaissarije und Ablistan (Cäsarea und Comane) gelagert hatte. Mengu Timur zog langsam in Syrien auf der Strasse nach Aintab und stand, nachdem er Hama verheert, vor Himss, wo auch Kilawin, durch die Truppen Sonkar's verstärkt, eingetroffen war. Die Schlacht blutete in der Ebene nicht ferne vom Grabmale Chalid's (beigenannt das Schwert Gottes), des Eroberers Syriens unter dem Chalifate Omar's. Das Heer Mengu Timur's zählte fünf und zwanzigtausend Mongolen, fünftausend Georgier, eine armenische, von König Leo befehligte Truppenabtheilung und eine der Türken Rums; auch das ägyptische Heer, welches die ersten der Emire befehligten, war von syrischen Turkmanen und Kurden verstärkt. Der linke Flügel der Aegypter vom rechten der Mongolen, welchen Mengu Timur an der Spitze der Uiraten, Georgier und Armenier befehligte, wurde bis an die Thore von Himss zurückgeschlagen; aber Mengu Timur selbst, bald hernach vom Emir Usdemir verwundet, ergriff die Flucht; seine Flucht zog die Niederlage des mongolischen Heeres nach sich, das nach allen Seiten floh. Von Seite der Mongolen war Semaghar, einer ihrer tapfersten Feldherrn, von Seiten der Aegypter der Emir Usdemir, welcher den Prinzen Timur verwundet und vom Pferde gestürzt hatte, geblieben. Die Mongolen hatten sich theils gegen Haleb, theils gegen Selemijet, die an der Gränze der Wüste gelegene Stadt, geflüchtet; die letzten, durch den ägyptischen Befehlshaber Rahbet's abgeschnitten, irrten in der Wüste, wo sie dem Hunger und Durst erlagen; nur sechshundert Reiter wurden gefangen und zu Rahbet geköpft; eine andere, vor Burt gelagerte mongolische Truppenabtheilung wurde gleichzeitig von den Belagerten angegriffen, die fünfhundert derselben tödteten. Mengu Timur zog sich nach Dschesiret, dem Leibgedinge seiner Mutter, Oldschai Chatun, zurück. Abaka war, während Mengu Timur in Syrien einmarschirt, jagend bis Rahbet gekommen, kehrte aber dann nach Sindschar zurück und war Anfangs Novembers in seinem Lager vor Mossul eingetroffen. Hier erhielt er die Kunde der Niederlage seines Heeres. Erzürnt kündete er für den nächsten Frühling ein Kurultai an, wo die Feldherren, die ihre Schuldigkeit in der Schlacht nicht gethan, bestraft werden sollten. In der Hälfte des Februars brach Abaka von Bagdad nach Hamadan auf, wo er im Palaste Fachreddin Minotschehr's abstieg. Er überliess sich dem Genusse geistiger Getränke, dem er unmässig ergeben. Eines Abends glaubte er in seiner Trunkenheit einen schwarzen Vogel vor sich zu sehen: Weg mit dem schwarzen Vogel, rief er; aber so viel die Leibwachen auch spähten, war von einem schwarzen Vogel nichts zu sehen. Auf einmal schloss er die Augen und gab, auf goldenem Throne sitzend, den Geist auf.  Er wurde an der Seite seines Vaters in dem Schlosse Teke am See von Meragha bestattet; schon am fünf und zwanzigsten Tage nach seinem Tode folgte ihm auch sein Bruder Mengu Timur in's Grab zu Teke. Abaka starb acht und vierzig Jahre alt, von denen er siebzehn geherrscht, der Befestiger der Herrschaft der Ilchane in Persien und Georgien im Geiste des Gründers Hulagu; kein Eroberer, wie dieser, aber auch minder grausam. „Abaka“, sagt der Mönch Haitho, „war ein staatskluger, sein Reich glücklich verwaltender Herrscher, der nur in zwei Dingen unglücklich; erstens, dass er nicht Christ werden wollte und als Götzendiener den Götzenpriestern Glauben beimass; zweitens, dass er, in beständigem Kriege mit den Nachbarn verwickelt, den Sultan Aegyptens in Ruhe lassen musste, der sich durch mongolische Ueberläufer und durch Bündnisse mit dem Herrscher des Uluses Kipdschak verstärkte.“

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