Viertes Buch
Schlacht von Himss; Abaka's Tod.
Im folgenden Frühjahre zog Kilawin wider seinen
Thronnebenbuhler Sonkar aus, der noch im festen Schlosse
Scheiser hielt. Er versprach die Auslieferung desselben für
die Abtretung von Famia (Apamia), Antiochien, Latakia (Laodicea)
und der Schlösser Sahiun, Belatonus, Bersijet; auch die beiden
letzten gehörten, wie Sahiun, unter die festesten Schlösser
der Assassinen vom Gebirge, welches von ihnen den Namen des
Messers (Sikin) führt. Belatonus ist das alte Banias an der
Seeküste nördlich von Merkab und Bersijet, ein kleines Schloss
an dem westlichen Saume des Berges Chait, welcher auf der
Ostseite des Sees von Apamea. Diese Forderung war kaum
zugestanden, als Kilawin den Anzug zweier mongolischer Heere
vernahm, deren eines, von Abaka selbst befehligt, sich gegen
Rahbet wandte, das andere, unter dem Befehle Mengu Timur's,
des Bruders Abaka's, zwischen Kaissarije und Ablistan (Cäsarea
und Comane) gelagert hatte. Mengu Timur zog langsam in Syrien
auf der Strasse nach Aintab und stand, nachdem er Hama
verheert, vor Himss, wo auch Kilawin, durch die Truppen
Sonkar's verstärkt, eingetroffen war. Die Schlacht blutete in
der Ebene nicht ferne vom Grabmale Chalid's (beigenannt das
Schwert Gottes), des Eroberers Syriens unter dem Chalifate
Omar's. Das Heer Mengu Timur's zählte fünf und zwanzigtausend
Mongolen, fünftausend Georgier, eine armenische, von König Leo
befehligte Truppenabtheilung und eine der Türken Rums; auch
das ägyptische Heer, welches die ersten der Emire befehligten,
war von syrischen Turkmanen und Kurden verstärkt. Der linke
Flügel der Aegypter vom rechten der Mongolen, welchen Mengu
Timur an der Spitze der Uiraten, Georgier und Armenier
befehligte, wurde bis an die Thore von Himss zurückgeschlagen;
aber Mengu Timur selbst, bald hernach vom Emir Usdemir
verwundet, ergriff die Flucht; seine Flucht zog die Niederlage
des mongolischen Heeres nach sich, das nach allen Seiten floh.
Von Seite der Mongolen war Semaghar, einer ihrer tapfersten
Feldherrn, von Seiten der Aegypter der Emir Usdemir, welcher
den Prinzen Timur verwundet und vom Pferde gestürzt hatte,
geblieben. Die Mongolen hatten sich theils gegen Haleb, theils
gegen Selemijet, die an der Gränze der Wüste gelegene Stadt,
geflüchtet; die letzten, durch den ägyptischen Befehlshaber
Rahbet's abgeschnitten, irrten in der Wüste, wo sie dem Hunger
und Durst erlagen; nur sechshundert Reiter wurden gefangen und
zu Rahbet geköpft; eine andere, vor Burt gelagerte mongolische
Truppenabtheilung wurde gleichzeitig von den Belagerten
angegriffen, die fünfhundert derselben tödteten. Mengu Timur
zog sich nach Dschesiret, dem Leibgedinge seiner Mutter,
Oldschai Chatun, zurück. Abaka war, während Mengu Timur in
Syrien einmarschirt, jagend bis Rahbet gekommen, kehrte aber
dann nach Sindschar zurück und war Anfangs Novembers in seinem
Lager vor Mossul eingetroffen. Hier erhielt er die Kunde der
Niederlage seines Heeres. Erzürnt kündete er für den nächsten
Frühling ein Kurultai an, wo die Feldherren, die ihre
Schuldigkeit in der Schlacht nicht gethan, bestraft werden
sollten. In der Hälfte des Februars brach Abaka von Bagdad
nach Hamadan auf, wo er im Palaste Fachreddin Minotschehr's
abstieg. Er überliess sich dem Genusse geistiger Getränke, dem
er unmässig ergeben. Eines Abends glaubte er in seiner
Trunkenheit einen schwarzen Vogel vor sich zu sehen: Weg mit
dem schwarzen Vogel, rief er; aber so viel die Leibwachen auch
spähten, war von einem schwarzen Vogel nichts zu sehen. Auf
einmal schloss er die Augen und gab, auf goldenem Throne
sitzend, den Geist auf. Er wurde an der Seite seines
Vaters in dem Schlosse Teke am See von Meragha bestattet;
schon am fünf und zwanzigsten Tage nach seinem Tode folgte ihm
auch sein Bruder Mengu Timur in's Grab zu Teke. Abaka starb
acht und vierzig Jahre alt, von denen er siebzehn geherrscht,
der Befestiger der Herrschaft der Ilchane in Persien und
Georgien im Geiste des Gründers Hulagu; kein Eroberer, wie
dieser, aber auch minder grausam. „Abaka“, sagt der Mönch
Haitho, „war ein staatskluger, sein Reich glücklich
verwaltender Herrscher, der nur in zwei Dingen unglücklich;
erstens, dass er nicht Christ werden wollte und als
Götzendiener den Götzenpriestern Glauben beimass; zweitens,
dass er, in beständigem Kriege mit den Nachbarn verwickelt,
den Sultan Aegyptens in Ruhe lassen musste, der sich durch
mongolische Ueberläufer und durch Bündnisse mit dem Herrscher
des Uluses Kipdschak verstärkte.“ |