Viertes Buch
Streifzug in Armenien.
Im folgenden Jahre sandte Abaka eine zweite Botschaft an
Beibars, um zu begehren, dass der Sultan selbst oder einer der
ersten Männer des Reichs an den Hof Abaka's komme, den Frieden
zu unterhandeln. Bondokdar antwortete: wolle der Ilchan den
Frieden, so möge er selbst oder einer seiner Brüder an den Hof
des Sultans kommen. Auf die Nachricht, dass mongolische
Truppen die beiden Gränzplätze Rahbet und Birtha am Euphrat
bedrohten, brach Bondokdar auf und führte auf Kameelen
zerlegte Schiffe mit sich, um damit den Euphrat zu
überschiffen. So haben wir noch jüngst erlebt, dass zur
Einrichtung der Dampfschifffahrt auf dem Euphrat das Schiff
der Wüste durch die Wüste Schiffe trug. Durch die Taubenpost
hatte Bondokdar die Nachricht erhalten, dass die Mongolen vor
Bire, und durch dieselbe versprach er der Stadt den
schleunigsten Entsatz. Er hielt Wort; denn die sieben und
zwanzig Poststationen zwischen Damaskus und Bire wurden in
sieben Tagen zurückgelegt; die mitgeführten Schiffe waren aber
entweder nicht angelangt oder zu wenig, denn der Uebergang
über den Euphrat ward mittels fünf und dreissigtausend
Kameelen bewerkstelligt, auf denen das Heer überschwamm. Die
Mongolen, wiewohl an Zahl doppelt dem ägyptischen Heere
überlegen, zogen sich zurück; Bondokdar verfolgte sie und
erbeutete von den Nachzüglern einen grossen Theil des Gepäcks;
mit demselben und einer grossen Anzahl von Gefangenen zog er
im Triumphe zu Damaskus ein. Der Befehlshaber von Haleb,
Hossameddin von Aintab, sandte einen Streifzug nach Armenien,
weil dasselbe für die Streifereien des Kastellans von Kinuk
die begehrte Genugthuung nicht gegeben. Kinuk wurde genommen,
die Männer wurden niedergehauen, die Weiber in die Sklaverei
geschleppt; die Mauern der Hauptstadt Sis widerstanden, aber
Tarsus wurde eingenommen und verheert. Beibars vernahm zu
Kairo die Verheerung Armeniens und den Marsch Abaka's längs
des Sab gegen den Euphrat; er bot das ganze Heer auf und begab
sich nach Damaskus, wo er ruhig blieb, da kein Feind sich
zeigte. An seinem Hofe erschien der vom Hofe Abaka's flüchtige
Melik Schemseddin Behadir, Herr von Samosate, Sohn des
Grossmundschenken des letzten Schahs von Chuaresm, welcher
nach desselben Tod sich einiger Schlösser um Nachdschiwan und
endlich der Stadt Akserai bemächtigt hatte; er hatte schon
seit geraumer Zeit dem Sultan verrätherische Dienste geleistet
und durch einen auf seine Veranlassung im Namen des Sultans an
einen christlichen Bischof in Persien geschriebenen, von
Reliquien begleiteten Brief, den er hernach auffangen liess,
die Hinrichtung dieses Bischofs bewirkt; auch wider den
Katholikos, d. i. den Patriarchen der Nestorianer, welcher,
von den Moslimen durch falsche Anklagen verfolgt, Bagdad
verlassen und sich zu Irbil niedergelassen hatte, war neue
Verfolgung im Anzuge; um derselben zu entgehen, verlegte er
seinen Sitz von Irbil nach Aschim in Aserbeidschan, in der
Nähe der Hauptstadt, weil die Tyrannei nur am leidentlichsten
im Mittelpunkte. Beibars, der sich über Verletzungen des mit
dem Könige von Armenien geschlossenen Vertrags zu beklagen
hatte, beschloss, Cilicien zu verheeren. Er brach von Damaskus
im Geleite Manssur's, des Herrschers von Hama, und
Scherefeddin Isa's, des Emirs der syrischen Beduinen, auf. Der
Emir und Hossameddin von Aintab, der Befehlshaber von Haleb,
erhielten den Befehl, als Vortrab die Richtung von Bire zu
nehmen; aber zu Sermin angelangt, liess Beibars dort sein
Gepäcke unter der Obhut des Befehlshabers Ben Sonkar zurück
und nahm den Weg von Derbesak. Diese durch die Einnahme
Ssalaheddin's und fünfzig Jahre hernach durch einen Sieg der
Saracenen über die Templer in der Geschichte der Kreuzzüge
schwarz gezeichnete feste Burg liegt am Nehr Eswed, d. i. am
schwarzen Flusse, welcher dem See von Antiochien zueilt, auf
einer Anhöhe inmitten fruchtbarer Fluren und Gärten. Von den
Mongolen erobert, ward sie an König Hethum abgetreten, von
diesem vor neun Jahren dem Sultan Bondokdar übergeben worden. |