Viertes Buch
Unruhen in Rum; Schlacht von Albestan.
Die Unruhen, welche in Rum ausgebrochen, führten bald neue
feindliche Berührung zwischen dem Sultan Aegyptens und dem
Ilchane Persiens herbei. Wir haben schon im vorigen Buche, in
der Geschichte Hulagu's, der beiden Brüder Herrscher Rums,
Rokneddin's und Iseddin's, und der Theilung Rums zwischen
beiden erwähnt. Moineddin Ssahib Perwane, d. i. der Inhaber
des Kabinetssiegels, der Wesir Rokneddin's, hatte den
Mitregenten seines Herrn bei Alindschak, dem mongolischen
Befehlshaber in Rum, eines Einverständnisses mit dem Sultan
Aegyptens angeklagt; in der That hatte Iseddin Gesandte an
Beibars mit dem Antrage der Abtretung der Hälfte seines Landes
gesandt, wenn er ihm wider den Bruder beistehen wolle. Iseddin,
auf dem Wege in's Hoflager zu Hulagu wider die Ränke seines
Bruders und dessen Wesirs gewarnt, kehrte um und flüchtete
sich zum byzantinischen Kaiser, welcher, um dem Hulagu
gefällig zu seyn, denselben zu Ainos als Staatsgefangenen
einsperrte. Iseddin interessirte für sich Berke, den Herrscher
von Kipdschak, der in Feindschaft mit Hulagu, dem von diesem
verfolgten Prinzen Truppen zu Hilfe schickte, die ihn aus
Ainos befreiten; er starb als Vassal des Herrschers der
goldenen Horde in der Krim. Rokneddin herrschte nun allein,
aber nur dem Namen nach, denn der eigentliche Herrscher war
Perwane. Dieser beinzüchtigte seinen Herrn bei Abaka
empörerischer Plane und erhielt den Befehl seiner Hinrichtung.
Rokneddin, von Perwane zu einem Feste geladen, wurde mit einer
Bogensehne erwürgt, im selben Jahre, wo der letzte der
Hohenstaufen, Konradin von Schwaben, auf dem Blutgerüste zu
Neapel den Geist aushauchte. Perwane herrschte nun im Namen
Ghajaseddin's, des vierzehnjährigen Sohnes Rokneddin's.
Mehrere der Bege Rums, unter diesen auch der Sohn Perwane's,
flüchteten zu Beibars und hetzten ihn zum Kriege wider Abaka
auf. Nachdem er das Heer gerüstet, seinen schon vor neun
Jahren zum Nachfolger ernannten Sohn Said Berke in seiner
Abwesenheit mit unumschränkter Macht in Aegypten bekleidet
hatte, brach er nach Syrien und von da gegen Cilicien auf. Der
Befehlshaber von Haleb und der Emir der Wüste (Isa, der Sohn
Mohenna's) schlugen eine Truppe der Araber Chafadsche, welche
die Mongolen wider sie gesandt. Bondokdar zog über Aintab,
Dulak, Kinuk, d. i. durch den taurischen Pass, die heutige
Strasse der Pilgerkarawane. Er mündete in der Ebene von
Ablestan oder Albostan, wohin Geographen und Reisebeschreiber
das dritte der drei berühmten Tempelstädte Komane, nämlich das
kappadocische, verlegen; hier sowohl als in der goldenen Komane an der Vereinigung der beiden Arme des Euphrat in
Sakasene und im pontischen wurde die taurische Artemis als
Anaitis oder die Kriegsgöttin Enyo in Tempeln verehrt, die
unter Hut grosser Priestergesellschaften die Kapitole dieser
Gegenden. Der Name Albestan, d. i. der Garten, scheint
derselbe mit dem des alten Pästum zu seyn, dessen Tempel
vielleicht demselben Kultus heilig waren. Das pontische Komane
ist in der römischen Kriegsgeschichte durch den Sieg Cäsar's
über den Mithridates berühmt, und gleichen Ruhm sollte nun das
kappadocische in der Kriegsgeschichte der Mamluken und
Mongolen durch die Niederlage der letzten erhalten. Die
Reiterei der Mongolen, aus eilf Regimentern von tausend Mann
bestehend, ward von Tokus, seinem Bruder Uruktu und von Tudaun,
dem Bruder Sughurdschak's, dem Suldusen, befehligt; die
Hilfstruppen bestanden aus türkischen, deren Treue in einer
Schlacht wider Moslimen zweifelhaft, und aus einem georgischen
Hilfscorps von dreitausend Mann. Freitags in der Hälfte
Aprils, am Freitage, welches der liebste Schlachttag
Ssalaheddin's und auch Rudolph's von Habsburg (vielleicht weil
dieser vernommen, dass Ssalaheddin seine Siege alle an einem
Freitage erfochten), hatte die Schlacht statt. Der linke
Flügel der Mongolen warf das Mitteltreffen der Mamluken, in
welchem das Panier des Sultans flatterte, auf den rechten
Flügel; aber Beibars unterstützte denselben und stellte die
gebrochene Schlachtordnung wieder her. Uruktu und Tudaun
sassen mit ihrer Reiterei ab, um den Anfall der ägyptischen
mittels Pfeilregens aufzuhalten; aber die ausharrende
Tapferkeit Bondokdar's siegte. Die Mongolen wurden geschlagen;
ihre Feldherren Tokus und Tudaun und sechstausend
siebenhundert siebzig gezählte Mongolen deckten das
Schlachtfeld. Beibars lies sich die Gefangenen vorführen und
dieselben zusammenhauen, einige Officiere ausgenommen,
mongolische und armenische; die letzten überhäufte er mit
Vorwürfen, dass sie sich in den Reihen der Ungläubigen
schlügen; unter den Gefangenen befand sich ein Sohn, ein Neffe
und die Mutter Perwane's. Ein Diener Tudaun's brachte die
Nachricht der Niederlage dem Ilchan, der erzürnt nach Tebris
zurückkehrte. |