Ilchane

Geschichte der Ilchane
das ist
der Mongolen in Persien

von

Hammer-Purgstall

mit neuen Beilagen und neuen Stammtafeln

Darmstadt. Druck und Verlag von Carl Wilhelm Leske. 1842.

Inhaltsverzeichnis

Viertes Buch

Verhältniss gegen die Christen.

Die Klage Haitho's, dass Abaka nicht Christ werden wollte, beweiset schon, dass Hoffnungen oder Bemühungen zu seiner Bekehrung rege waren; ferneren Beweis liefern die in den Geschichtschreibern der Päpste erhaltenen Schreiben desselben an Abaka. Papst Clemens IV. meldet in einem aus Veterbo erlassenen Schreiben, dass er das Schreiben des Chan's erhalten; bedauert aber, dass dasselbe nicht lateinisch abgefasst, weil Niemand dasselbe lesen und verdolmetschen konnte und er also den Worten des Boten allein Glauben beimessen müsste; dieser scheint wirklich seine Botschaft grossentheils aus sich selbst geschöpft zu haben, denn es ist nicht wahrscheinlich, dass Abaka (wie ihm Clemens dafür dankt) ihm seine Freude über die Niederlage Manfred's des Hohenstaufen bezeugt, dass er ihm seine Bereitwilligkeit gemeldet, mit seinem Schwiegervater dem Paläologen und den Lateinern zu helfen, und noch unwahrscheinlicher, dass er gegen ihn den Wunsch, Christ zu werden, geäussert habe. Sieben Jahre später waren Gesandte Abaka's mit Schreiben nicht nur an den Papst, sondern auch an andere christliche Könige beglaubigt. Eduard I., der König von England, ermuthigte ihn in seinem Antwortschreiben, in dem Entschlusse der Bekehrung zum Christenthume zu verharren, und Gregor X. empfing den Gesandten Abaka's auf der Kirchenversammlung zu Lyon, wo statt des Senders wenigstens der Gesandte getauft ward. Drei Jahre hernach erschienen abermals zwei Fremde, die sich für Gesandte Abaka's ausgaben, am Hofe des Papstes Joannes XXI. mit einem Aufrufe an alle christlichen Fürsten zu einem Kreuzzuge nach Palästina. Man bewog sie, an den Hof der Könige von Frankreich und England sich zu begeben. Dem Könige Philipp versprachen sie den Beistand Abaka's, wenn er zu Akka landen wollte. Diese beiden Gesandte, welche georgische Christen gewesen zu sein scheinen, hatten zu Rom versichert, dass Abaka und sein Oheim, der Grosskaan Kubilai, bereit seien, zum Christenthume überzutreten; Joann XXI. bestimmte fünf Franziskaner zur Erwiederung der Botschaft; da er aber vor ihrer Abreise starb, traten sie erst im folgenden Jahre mit Schreiben Nikolaus III. an Abaka und seinen Oheim Kubilai die Reise an. „Die römische Mutterkirche“, schreibt Nikolaus an Abaka, „freut sich des Inhaltes des durch die Gesandten Deiner Herrlichkeit, Joannes und Jakob Vussali, Unserem Vorfahren gebrachten Schreibens, welches, wenn ein christliches Heer in Syrien landete, demselben Verpflegung verheissen, und an dem Ende Wir Allem, was sie mündlich sagen, Glauben beizumessen aufgefordert werden. Unter dieser Beglaubigung haben sie Unserem Vorfahren, unter dessen Cardinälen Wir uns damals befanden, die höchst angenehme Nachricht gegeben, dass Deine Herrlichkeit und Dein Oheim Kubilai, Ihr beide unsere in Christo geliebteste Söhne, einige Personen verlangt, um Euch und Eueren Sohn in der christlichen Lehre zu unterrichten und zu taufen.“ Der Papst bittet den Chan, die Missionäre gütig aufzunehmen, ihnen in allem, was sie ihm über die Taufe, Dogmen und Religionspflichten sagen werden, Glauben beizumessen, sie auf ihrer Reise zum Grosschan frei zu halten, und empfielt ihm dann alle Christen Unterthanen des Chans als Freunde. In dem den fünf Franziskanern ertheilten Breve begewaltigt er sie, in allen den Tataren untergebenen Ländern das Wort Gottes zu predigen, den Abaka und alle, die sich zum christlichen Glauben bekehren wollten, zu taufen, die Excommunicirten zu absolviren, Beicht zu hören und Busse aufzulegen, auch sogar die Mörder von Clerikern und Priestern loszusprechen, wenn sie nur an Kirchen und Klöster gehöriges Sühnungsgeld zahlen, neue Kirchen zu stiften, den Neuvermählten ihre Frauen, die ihnen nicht in verbotenen Graden verwandt, zu gestatten, in Ehesachen zu entscheiden, selbst dort, wo weder Kirche noch Oratorium, Messe zu lesen, die Grundfeste einzusegnen, Gelübde umzuändern, Messkleider und Altäre zu weihen, wo katholische Bischöfe nicht vorhanden, und alles gemeinsam oder einzeln zu unternehmen, was zur grösseren Ehre Gottes und Verbreitung der katholischen Lehre förderlich und erspriesslich. Die Bekehrung Kubilai's und Abaka's wurde durch diese fünf Franziskaner eben so wenig bewirkt, als dreissig Jahre früher die Batu's und Gujukchan's durch die Missionäre Gregor's IV.; aber von diesen letzten bestehen die Reiseberichte Plan Carpin's und Rubruquis über die Länder, Sitten und Herrscher der Mongolen, während von der Mission der fünf Franziskaner keine weitere Spur.

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