Viertes Buch
Verhältniss gegen die Christen.
Die Klage Haitho's, dass Abaka nicht Christ werden wollte,
beweiset schon, dass Hoffnungen oder Bemühungen zu seiner
Bekehrung rege waren; ferneren Beweis liefern die in den
Geschichtschreibern der Päpste erhaltenen Schreiben desselben
an Abaka. Papst Clemens IV. meldet in einem aus Veterbo
erlassenen Schreiben, dass er das Schreiben des Chan's
erhalten; bedauert aber, dass dasselbe nicht lateinisch
abgefasst, weil Niemand dasselbe lesen und verdolmetschen
konnte und er also den Worten des Boten allein Glauben
beimessen müsste; dieser scheint wirklich seine Botschaft
grossentheils aus sich selbst geschöpft zu haben, denn es ist
nicht wahrscheinlich, dass Abaka (wie ihm Clemens dafür dankt)
ihm seine Freude über die Niederlage Manfred's des
Hohenstaufen bezeugt, dass er ihm seine Bereitwilligkeit
gemeldet, mit seinem Schwiegervater dem Paläologen und den
Lateinern zu helfen, und noch unwahrscheinlicher, dass er
gegen ihn den Wunsch, Christ zu werden, geäussert habe. Sieben
Jahre später waren Gesandte Abaka's mit Schreiben nicht nur an
den Papst, sondern auch an andere christliche Könige
beglaubigt. Eduard I., der König von England, ermuthigte ihn
in seinem Antwortschreiben, in dem Entschlusse der Bekehrung
zum Christenthume zu verharren, und Gregor X. empfing den
Gesandten Abaka's auf der Kirchenversammlung zu Lyon, wo statt
des Senders wenigstens der Gesandte getauft ward. Drei Jahre
hernach erschienen abermals zwei Fremde, die sich für Gesandte
Abaka's ausgaben, am Hofe des Papstes Joannes XXI. mit einem
Aufrufe an alle christlichen Fürsten zu einem Kreuzzuge nach
Palästina. Man bewog sie, an den Hof der Könige von Frankreich
und England sich zu begeben. Dem Könige Philipp versprachen
sie den Beistand Abaka's, wenn er zu Akka landen wollte. Diese
beiden Gesandte, welche georgische Christen gewesen zu sein
scheinen, hatten zu Rom versichert, dass Abaka und sein Oheim,
der Grosskaan Kubilai, bereit seien, zum Christenthume
überzutreten; Joann XXI. bestimmte fünf Franziskaner zur
Erwiederung der Botschaft; da er aber vor ihrer Abreise starb,
traten sie erst im folgenden Jahre mit Schreiben Nikolaus III.
an Abaka und seinen Oheim Kubilai die Reise an. „Die römische
Mutterkirche“, schreibt Nikolaus an Abaka, „freut sich des
Inhaltes des durch die Gesandten Deiner Herrlichkeit, Joannes
und Jakob Vussali, Unserem Vorfahren gebrachten Schreibens,
welches, wenn ein christliches Heer in Syrien landete,
demselben Verpflegung verheissen, und an dem Ende Wir Allem,
was sie mündlich sagen, Glauben beizumessen aufgefordert
werden. Unter dieser Beglaubigung haben sie Unserem Vorfahren,
unter dessen Cardinälen Wir uns damals befanden, die höchst
angenehme Nachricht gegeben, dass Deine Herrlichkeit und Dein
Oheim Kubilai, Ihr beide unsere in Christo geliebteste Söhne,
einige Personen verlangt, um Euch und Eueren Sohn in der
christlichen Lehre zu unterrichten und zu taufen.“ Der Papst
bittet den Chan, die Missionäre gütig aufzunehmen, ihnen in
allem, was sie ihm über die Taufe, Dogmen und
Religionspflichten sagen werden, Glauben beizumessen, sie auf
ihrer Reise zum Grosschan frei zu halten, und empfielt ihm
dann alle Christen Unterthanen des Chans als Freunde. In dem
den fünf Franziskanern ertheilten Breve begewaltigt er sie, in
allen den Tataren untergebenen Ländern das Wort Gottes zu
predigen, den Abaka und alle, die sich zum christlichen
Glauben bekehren wollten, zu taufen, die Excommunicirten zu
absolviren, Beicht zu hören und Busse aufzulegen, auch sogar
die Mörder von Clerikern und Priestern loszusprechen, wenn sie
nur an Kirchen und Klöster gehöriges Sühnungsgeld zahlen, neue
Kirchen zu stiften, den Neuvermählten ihre Frauen, die ihnen
nicht in verbotenen Graden verwandt, zu gestatten, in
Ehesachen zu entscheiden, selbst dort, wo weder Kirche noch
Oratorium, Messe zu lesen, die Grundfeste einzusegnen, Gelübde
umzuändern, Messkleider und Altäre zu weihen, wo katholische
Bischöfe nicht vorhanden, und alles gemeinsam oder einzeln zu
unternehmen, was zur grösseren Ehre Gottes und Verbreitung der
katholischen Lehre förderlich und erspriesslich. Die Bekehrung
Kubilai's und Abaka's wurde durch diese fünf Franziskaner eben
so wenig bewirkt, als dreissig Jahre früher die Batu's und
Gujukchan's durch die Missionäre Gregor's IV.; aber von diesen
letzten bestehen die Reiseberichte Plan Carpin's und Rubruquis
über die Länder, Sitten und Herrscher der Mongolen, während
von der Mission der fünf Franziskaner keine weitere Spur. |