Viertes Buch
Verungnadung Schemseddin's und Wiederaufnahme zu Gnaden.
In dem Augenblicke, wo Schemseddin durch die Einrichtung
Rums nach der Unterwerfung Lesgistans dem Reiche die
wichtigsten Dienste erweisend und seine Macht im höchsten, war
auch seine Verungnadung am nächsten. Dieselbe war das Werk der
Ränke Medschdulmülk's, des Sohnes Ssafiolmülk's, des
vormaligen Wesirs der Atabegen von Jesd. Zuerst im Dienste
Behaeddin's, des Sohnes Schemseddin's, zu Issfahan, war er von
diesem dem Vater empfohlen worden, welcher ihn in
verschiedenen Aufträgen und zur Zählung der Einwohner
Georgiens und noch zuletzt in Rum verwendet hatte.
Medschdulmülk hinterbrachte dem Jesu Buka Gurgan, welcher als
Gemahl Kutlukan's, der sechsten Tochter Hulagu's, der Schwager
Abaka's, dass Medschdeddin Esir, der Bestellte Alaeddin
Dschuweini's (des Bruders Schemseddin's), in seinem und seines
Bruders Namen geheimes Einverständniss mit den Aegyptern
unterhalte, um diesen Bagdad zu überliefern. Abaka, hiervon
durch seinen Schwager unterrichtet, befragte den Medschdeddin
Esir, von dem aber selbst fünfhundert Prügel kein Geständniss
erpressten. Schemseddin, in der Hoffnung, einen gefährlichen
Feind zu versöhnen, verlieh seinem Ankläger Medschdulmülk die
Statthalterschaft von Siwas mit einer Anweisung von
zehntausend Dinaren auf den Schatz von Rum. Aber undankbar und
unversöhnlich suchte Medschdulmülk neue Wege zum Gehöre
Abaka's mittels dessen Sohnes, des Prinzen Arghun; diesem
machte er zu Kaswin in einer geheimen Unterredung weis,
Perwane habe auf Schemseddin's Einflüsterung den Bondokdar
nach Syrien eingeladen, sein Bruder Alaeddin habe für sich
eine mit Edelsteinen besetzte Krone verfertigen lassen; er
könne dem Wesir beweisen, dass er sich viertausend Tomane von
den Krongütern erpresst, dass er ausserdem zweitausend Tomane
an Heerden und Juwelen besitze, ohne zu rechnen, was er von
den Schlössern der Assassinen und von Bagdad weggeschleppt;
sein Sohn Behaeddin, der Statthalter von Issfahan, habe dort
ausser den aufgelegten Steuern sechshundert Tomane erpresst;
um ihm das Maul zu stopfen, habe er ihm die Statthalterschaft
von Siwas mit einer Summe Geldes verliehen. Arghun
hinterbrachte diese Reden seinem Vater; als dieser sich zu
Scherujas (in der Ebene zwischen Ebher und Serdschan) befand,
ward Medschdulmülk durch Vermittelung des Emirs Taghadschar
von Abaka im Bade empfangen. Abaka, hierdurch in seiner guten
Meinung von Schemseddin's Finanzverwaltung beirrt, gab dem
Ankläger den Auftrag, die Rechnungen der letzten Jahre zu
untersuchen und die Güterbeschreibungen zu durchgehen, ohne
dass einer der Emire oder Prinzen sich dessen weigern dürfe.
Zugleich gab er ihm die Insignien des Löwenkopfes glänzender
und schöner, als dieselben Sultanen und Königen verliehen
worden. Die Naibe oder Stellvertreter der Steuervögte wurden
nach Tebris einberufen. Medschdulmülk stand auf einmal in
hoher Gunst und verkündete dieselbe durch seinen Aufwand; er
umgab sich mit berittenen Pagen, die auf arabischen Pferden
mit goldenen Gürteln, und spannte ein von vierzig Säulen
getragenes Zelt aus Atlas von Schuster aus. Schemseddin wandte
sich an seine Gönnerin und Beschützerin Oldschai Chatun,
welche den aufgebrachten Gemahl dem Wesir zu versöhnen sich
bestrebte. Er erhielt eine Audienz: „Wir haben dich“, redete
ihn Abaka an, „in dem dir von Unserem Vater verliehenen Amte
der Wesirschaft mit unumschränkter Machtvollkommenheit
bestätigt und alle Länder deiner Feder untergeben; wie hast du
unser Vertrauen zu misbrauchen und das Doppelte der Gebühren
undankbarerweise dir anzueignen gewagt?“ Der Chalife Motedhad
biemrillah hat gesagt: „Ueber den, der die Gnaden der Könige
mit Undank erwiedert, werden die Schwerter Recht sprechen.“
Schemseddin antwortete: „Ein Theil der eingenommenen Gelder
ward im Dienste der Finanzen, ein anderer in dem der Prinzen
und Prinzessinnen, ein Theil zu Gaben und Almosen für's
allgemeine Besste verwendet; was ich besitze an Kapitalien und
Gütern, an Mamluken und Heerden, ist ein Brosamen der Gnaden
und ein Abfall der Huld des Padischah's, den ich auf jeden
Wink zurückzugeben erbötig.“ Abaka, durch diese Sprache des
Wesirs versöhnt, verzieh ihm; er sagte: „Alle deine Schuld,
die sich begeben und die sich nicht begeben, habe ich dir
vergeben und dich in deinem Amte neuerdings bestätigt.“ Die
gegebenen Befehle der Verhaftnehmung der Intendenten des
Wesirs wurden widerrufen und Schemseddin erliess
Rundschreiben, um die Wiedererlangung Allerhöchster Gnade kund
zu thun; in demselben waren die Worte Abaka's, wie folgt,
angeführt: „Eine Zeit ist es, dass durch verlautende Kunden
der Veränderung Unserer Gnade dir die Sicherheit der Nahrung
und die Süssigkeit des Schlafes geraubt worden; nun gehe von
hier in Unserem Dienste betrunken nach Haus, strecke mit
Herzen voll Lust und mit gesättigter Brust Hand und Fuss
fröhlich im Hareme aus; lege dich früh nieder und stehe spät
auf.“ |