Ilchane

Geschichte der Ilchane
das ist
der Mongolen in Persien

von

Hammer-Purgstall

mit neuen Beilagen und neuen Stammtafeln

Darmstadt. Druck und Verlag von Carl Wilhelm Leske. 1842.

Inhaltsverzeichnis

Viertes Buch

Zweite Thronbesteigung; Halswunde; Todesfälle.

Nach der Niederlage Borrak's zog Abaka mit dem Heere nach seinem Thronsitze in Aserbeidschan zurück; die Kriegszucht ward so strenge gehalten, dass, wie auf dem Hinmarsche im Frühling, der Huf seiner Pferde kein Saatfeld zertrat, jetzt auf dem Rückwege im Herbste vom Soldaten keine Garbe geraubt, keine Traube abgerissen ward; eine Kriegszucht, so löblicher, je ungezügelter die Raubsucht mongolischer Heere im feindlichen Lande. Am achtzehnten October, dem in der Geschichte durch vielfache Schlachten als Kriegsfest so berühmten Tage, stieg er zu Meragha ab und zwanzig Tage hernach hatte im Lager zu Dschaghantu die zweite feierliche Thronbesteigung und Krönung statt, indem die Gesandtschaft des Kaan's mit der Bestätigung der Herrschaft als Ilchan und Padischah in Iran mit dem Herrscherdiplome eingetroffen war. Der Grund, dass sich diese Bestätigung volle sechs Jahre erwarten liess, kann wohl blos in dem Bürgerkriege Abaka's mit Nigudar und Borrak gelegen haben, weil, ehe das Loos der Waffen durch die Niederlage von den beiden letzten die bleibende Herrschaft des ersten entschieden, dieselbe feierlich zu bestätigen der Kaan Anstand nahm. Zu gleicher Zeit mit den Gesandten des Kaan's trafen auch die Mengutimur's, des Herrschers von Kipdschak, mit Geschenken ein, um zur siegreichen Beendigung des Feldzugs Glück zu wünschen. Sie wurden ehrenvoll empfangen und reich beschenkt entlassen. Auf einer der Stationen des Marsches, vor der Ankunft zu Meragha, war Abaka auf der Jagd durch das Horn eines wilden Stieres am Halse verwundet worden, so dass das Blut aus der Wunde floss; um dasselbe zu stillen, unterband einer der Aidadschi, d. i. der Küchenmeister, die Haut mit einer Bogensehne, so dass es zu fliessen aufhörte, und er dafür von Abaka reichlich belohnt ward; aber es hatte sich ein Senkel gebildet, welcher höchst beschwerlich fiel und auch gefährlich schien. Keiner der Aerzte getraute sich denselben zu öffnen, nur der grosse Astronom Nassireddin, welcher auch ein geschickter Arzt, verbürgte sich, die Operation ohne Gefahr zu unternehmen; er schnitt den Blutsack auf und reinigte die Wunde, die binnen einer Woche geheilt war. Die allgemeine Freude hierüber ward durch den Tod der beiden Prinzen Jaschmut und Tekschin, die Oheime und treuen Waffengefährten Abaka's in dem Kriege wider Nigudar und Borrak, getrübt. Sechs Monate früher war auch Jesundschin, die Mutter Abaka's, gestorben; ihr Lager erhielt die Gemahlin Abaka's, die Prinzessin Padischah Chatun, die Tochter Kutbeddin's, des Sultans von Kerman. So hatte Abaka Chan nach dem Tode seiner Stiefmutter, der grossen Frau Tokuschatun, ihr Lager ihrer Nichte Tukini, der Beischläferin seines Vaters Hulagu, verliehen, welche dreissig Jahre lang im Besitze desselben, worauf es Kukadschi Chatun, eine Verwandte der grossen Frau Bulughan, der Gemahlin Ghasan's, und nach deren Tode die Frau Keramun, die Tochter eines Vetters der Frau Bulughan, erhielt, nach dessen Tode dieselbe unter der Regierung Oldschaitu Chodabende's (des achten Ilchanen) die Frau Kotloghschah, die Tochter Emir Irindschi's, eines Neffen der grossen Tokus, verliehen ward. So erbte der Besitz der Lager der Prinzessinnen zwar nicht regelmässig fort, sondern ward theils mit Rücksicht auf die Erbfolge, theils aus Gunst verliehen. In diesem Jahre der Rückkehr aus Chorasan ergab sich endlich das Schloss der Assassinen Girdkjuh, welches seit der Uebergabe von Alamut noch vierzehn Jahre ausgehalten, weil der letzte Fürst der Assassinen demselben zwar den von Hulagu gestellten öffentlichen Befehl, sich zu übergeben, aber heimlich sich zu halten, Wort gesandt hatte. Girdkjuh, das letzte blutige Nest der Assassinen, vielleicht das Gilgerd der Byzantiner, das Schloss der Lethe, in welchem Staatsgefangene zur ewigen Vergessenheit eingesperrt wurden; sowohl der Name als die Festigkeit desselben geben dieser Vermuthung Wahrscheinlichkeit.

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