Vorrede
Diese Geschichte der Mongolen in Persien ist das
Seitenstück zu der im vorigen Jahre erschienenen des
mongolischen Reiches in Kiptschak; jene ist durch die
Preisfrage der Petersburger Akademie veranlasst worden, die
Schreibung dieser ist aus eigenem Antriebe hervorgegangen. Bei
der zum Behufe der ersten nöthig gewordenen Sichtung der
aufgeschichteten Massen historischen Materials, ward es klar,
dass zur zweiten, in den orientalischen selbst durch Herrn von
d'Ohssons sehr schätzbare Geschichte nicht erschöpften
Quellen, weit mehr dankbarer historischer Stoff vorhanden.
Die Geschichte der Mongolen in Kiptschak liegt dem Europäer
zwar näher wegen der verheerenden Raubzüge durch Polen und
Ungarn bis ins Herz von Deutschland, und wegen der tatarischen
Herrschaft in Russland; aber die Geschichte der Mongolen in
Iran hat das grössere Interesse wichtigerer asiatischer
Weltereignisse, wie der Ruin der Assassinen und des Chalifates,
der Sturz alter Dynastien und die Gründung neuer, bisher
selbst den Orientalisten kaum dem Namen nach bekannter, die
Feldzüge wider Aegypten und das dschagatai'sche Reich, die
diplomatischen Verhältnisse zwischen den Kreuzfahrern und dem
Papste. Der Ulus Dschudschi's beherrschte mit dem europäischen
das asiatische Russland, welches damals noch, wie von allem
Anfang der Geschichte her, in Asien das Land der Finsterniss
und der Barbarei, während Persien von der ältesten Zeit an das
Land geregelter Herrschaft und Religion, der Sitz von
Wissenschaft und Künsten, der Schauplatz grosser Bauten und
Gelehrten, und der Mittelpunkt mittelasiatischer Cultur.
Zudem beut diese Geschichte keine Lücken, wie jene von
Kiptschak, und selbst über das zerrissene Ende derselben, wo
die Thronanmasser über einander stürzen, schwebt kein solches
Dunkel, wie über die letzten Herrscher des Uluses Dschudschi.
Der Strom geschichtlicher Erzählung fliesst also in geregeltem
Flussbette reich und ruhig. Der in der Geschichte von
Kiptschak zur Rechtfertigung vor überstrengen akademischen
Richtern nothwendig gewordene Reichthum erläuternder Noten
enthebt hier von der Anhäufung derselben zur Beglaubigung vor
sachkundigen Gelehrten und billigen Lesern. Die Sparsamkeit an
Citaten wird also hier nicht bedauert werden, und noch weniger
der Mangel an aller Polemik, welche in der Geschichte von
Kiptschak Nothwehr zur literarischen Ehrenrettung. Dafür ist
in dem Texte keine Nachricht von Dynastien oder Oertern
übergangen worden, wodurch das Gebiet der Geschichte und
Erdbeschreibung erweitert, keine Kunde von Sitten und
Literatur, wodurch der Charakter der Völker und ihrer
geistigen Kultur beleuchtet wird.
Schloss Hainfeld,
den 24. October 1841.