Zweites Buch
Bagdad's Eroberung.
Am fünften Februar standen Hulagu's Krieger bereits auf der
Mauer des Bollwerks, während auf der anderen Seite die Prinzen
noch nicht bis an den Fuss der Mauer vorgedrungen waren.
Hulagu sandte ihnen ausscheltendes Wort und befahl zugleich,
Brücken zu schlagen. 28. Moharr./
4. Febr. Buka Timur wurde mit einem Toman, d. i. mit einer
Abtheilung von zehntausend Mann, auf der Heerstrasse von
Medain und Bassra befehligt, um die, so etwa mit den Schiffen
auf dem Tigris zu entfliehen versuchten, aufzufangen. Der
Diwitdar, welcher auf diese Weise mit mehreren Schiffen zu
entkommen hoffte, wurde aufgehalten, drei Schiffe genommen,
die anderen versenkt oder zerstört. Auf diese Nachricht
entsank dem Chalifen aller Muth zu fernerem Widerstande; er
sandte den Fachreddin von Demaghan und den Ibn Dernus mit
wenigen Geschenken; denn er fürchtete, dass, wenn er viele
sendete, die Grösse derselben für den Maassstab seiner Furcht
gelten könnte. Hulagu wies dieselben mit den Ueberbringern
zurück. Am folgenden Tage kam Ebulfadhl Abderrahman an der
Spitze aller Grossen mit grossen Geschenken; aber auch diese
wurden nicht genehmigt. Hulagu sandte den Nassireddin von Tus
als Gesandten in die Stadt; welcher Triumph für den
rachsüchtigen Astronomen, welcher seiner Empfindlichkeit für
die Verschmähung seiner Verse die Stadt des Heils und das Heil
des Chalifats geopfert, welcher Triumph für ihn, dem Chalifen
nun im Namen des Siegers Gesetze vorzuschreiben! Am folgenden
Tage kehrte er zurück, und Hulagu sandte die aus der Stadt
gekommenen drei Gesandten, den Fachreddin Demaghani, den Ibnol
Dschewsi und Ibn Dernus, mit dem Begehren, dass Suleimanschah
und der Diwitdar erscheinen mögen. Sie erschienen wirklich
zwei Tage hernach. Hulagu sandte sie wieder in die Stadt
zurück, um die Ihrigen mit sich zu bringen. Die syrischen und
irakischen Truppen und eine Menge Volkes benützten diese
Gelegenheit, um die Stadt zu verlassen und sich in's Lager der
Mongolen, wo sie Rettung und Sicherheit zu finden hofften, zu
begeben; sie wurden in Tausende, Hunderte und Zehn abgetheilt,
den mongolischen Befehlshabern der Tausender, Hunderter und
Zehner übergeben und von diesen regelmässig umgebracht.
Abgeordnete kamen aus der Stadt, um das Leben der noch
Zurückgebliebenen zu erflehen, die Alle unterwürfig. Hulagu
begehrte, dass der Chalife seine Söhne sende und selbst komme.
Während diesen Unterhandlungen ward einem Inder Bitekdschi,
der bei Hulagu in grossem Ansehen, ein Auge ausgeschossen;
Hulagu, hierüber ergrimmt, wollte nun von weiterem Aufschub
nicht mehr hören. Er befahl dem Nassireddin von Tus, sich an's
Thor der Wettrenner zu begeben und die Einwohner mit
Zusicherung des Lebens herauszuführen; als diess geschehen,
wurden sie Alle niedergemacht. Suleimanschah wurde mit
Siebenhundert der Seinen in die Gegenwart Hulagu's geführt.
Dieser fragte ihn: Wie kommt's, dass du, ein Sternkundiger,
nicht den Frieden vorgezogen und deinem Herrn nicht dazu
gerathen? Suleimanschah erwiederte: Der Chalife ist an Geist
und Glück verwahrlost und leiht denen, die es wohl mit ihm
meinen, kein Ohr. Suleiman und seine Siebenhundert wurden
niedergemetzelt, so auch der Diwitdar und dessen Sohn, und die
drei Köpfe an Bedreddin Lulu, den Atabegen von Mossul,
gesandt, der, ein Freund Suleimanschah's, seinen Tod beweinte,
aber nothgedrungen, um nicht seinen Kopf zu verlieren, den des
Freundes an dem Thore seines Palastes aufhängen musste. Nach
diesem tragischen Ende seiner Getreuesten rief der Chalife
seinen Wesir und fragte ihn, was zu thun; dieser antwortete
ihm mit dem arabischen Distichon:
Sie wähnen, es sei leicht, Geschäft zu schlichten,
Indess das Schwert sich schärft, um hinzurichten.
Endlich begab sich der Chalife, mit seinen drei Söhnen und
von dreitausend Seiden, Imamen, Scheichen und Kadis begleitet,
Freitags den zehnten Februar zu Hulagu. Dieser empfing ihn
ohne Merkmal des Zorns und begehrte kalt und ruhig, der
Chalife möge Wort in die Stadt senden, dass die Einwohner die
Waffen wegwerfen und zur Zählung herauskommen möchten. Der
Chalife gehorchte und Bagdad's Einwohner gingen wie Schafe zur
Schlachtbank, denn statt gezählt zu werden, wurden sie
ungezählt Alle getödtet, der Chalife und seine Söhne in Zelte
gewiesen vor dem Gülwadischen Thore, wo der Standort
Keitbuka's. Drei Tage hernach begann die allgemeine
Plünderung. Alle Paläste und Gebäude wurden niedergebrannt,
bis auf einige wenige, ausdrücklich ausgenommene Häuser von
Arkaunen, das ist nestorianischen Priestern und Fremden. Die
Priester dankten diese Schonung vermuthlich Niemanden Anderem,
als ihrer Glaubensgenossin, der ersten Gemahlin Hulagu's, der
grossen Frau Tokus, der Keraitin, welcher im Lager Kapelle mit
Glockengeläute gestattet ward. Unter den Fremden sind
vielleicht fränkische Kaufleute gemeint, Venezianer und
Genueser, welche sich zu Bagdad des Handels willen aufhielten.