Zweites Buch
Das goldene Zelt; Arghun; Uebergang über den Oxus.
Hier ward das goldene Zelt aufgeschlagen, aussen und innen
von Gold gewirkt, mit goldenen Nägeln und goldenen Stricken
befestigt, und vierzig Tage lang gerastet und getrunken;
dieses Fest wurde jedoch durch den Tod des Prinzen Suntai, des
Bruders Hulagu's, getrübt. Hierauf wurde nach der Stadt Kesch
vorgerückt, welche in der Folge als der Geburtsort und die
Grabstätte der Ahnen Timur's unter dem Namen von Schehr Sebs,
d. i. der grünen Stadt, berühmt; diesen Namen dankt sie dem
üppigen Grün, von zahlreichen Flüssen, deren zwei die Stadt
durchströmen, genährt. Die Stadt besteht aus der Citadelle,
der Stadt selbst, welche vier Thore hat, und der Vorstadt; von
fruchtbaren Gärten umgeben, in welchen alle Arten von Korn und
Gemüse gedeihen. Hier kam der Fürst von Herat, Schemseddin
Mohammed Kert, der Gründer der seinen Namen führenden und
unter mongolischem Schutze seit Tschengischan aufsteigenden
Dynastie Kert, um den Steigbügel Hulagu's zu küssen und von
demselben seinen nicht mehr zu trennen; auch Arghunaga, der
mongolische Statthalter Chorasan's, mit allen Grossen und
Vornehmen des Landes, um sich dem Befehle des Herrn zu
stellen. Von Arghunaga und seinen Söhnen wird in der Folge
dieser Geschichte so oft die Rede sein, dass Näheres über ihn
zu sagen nöthig. Der Dschelaire Iluke, dessen Vater Kadan, aus
dem Gefolge Tschengischan's, hatte seinen Sohn sammt dessen
Truppen dem Dienste Ogotai's gewidmet, bei dem er in der Folge
als dessen Obersthofmeister in hohem Ansehen stand. In einer
grossen Hungersnoth verkaufte ein armer Uirate, um nicht
Hungers zu sterben, seinen Sohn dem Emir Atabeg Iluke für ein
Stück Fleisch, und als sein Sohn Kadan in den Hofdienst
Ogotai's trat, gab er ihm den Sklaven als Diener mit. Dieser
um ein Stück Fleisch gekaufte Sklave war Arghun. Iluke's
Bruder war der schon mehr als einmal genannte Iltschidai,
welcher vor des Bruders Zorn, der ihn tödten wollte, bei
Ogotai Zuflucht suchte und fand, der hernach aus Dankbarkeit
auf dem Kurultai nach Gujuk's Tod die Rechte des Hauses Ogotai
wider die Aufrührer des Uluses Tuli mit so warmer
Beredtsamkeit verfocht, dann als Statthalter nach Persien
gesandt ward, wo ihn die Missionäre als Ergutai kennen, und
der, nachdem sein Sohn in die Verschwörung der Prinzen des
Hauses Dschagatai und Ogotai begriffen, nach des Sohnes Tode
durch's Schwert ebenfalls hingerichtet worden. Arghun, durch
Verstand, Beredtsamkeit, Tapferkeit und Geschäftskenntniss
ausgezeichnet, schwang sich bald so hoch, dass er nach
Mengkukaan's Thronbesteigung zum Baskaken, d. i. Statthalter,
Chorasan's ernannt ward. Vater zahlreicher Söhne, von denen
Newrus und Legsi in der Folge die Hand von Prinzessinnen,
seine Töchter die von Prinzen und Fürsten erhielten. Von der
Ebene von Kjanigül aus ergingen an alle Sultane und Könige
Vorderasiens Schreiben und Diplome, ihnen zu künden, dass der
Zweck des Feldzugs die vom Kaan befohlene Zerstörung der
gräuelvollen Macht der Assassinen, dass Hülfe und
Bereitwilligkeit im Dienste wider dieselben durch
Länderzuwachs ihren Lohn finden, gegentheilige Gesinnung den
Verlust der besessenen Länder nach sich ziehen werde. Einige
der Fürsten waren diesen Kündigungsschreiben durch Erscheinung
in Person, wie Schemseddin von Kert, zuvorgekommen, nämlich
die beiden Seldschuken Rum's, die Brüder Iseddin und Rokneddin,
d. i. die Ehre und die Säule der Religion, der Atabeg von Fars,
Saad, mehrere Fürsten des nördlichen Persiens aus Arran,
Schirwan, Aserbeidschan und Gurdschistan, welche alle,
Geschenke darbringend, huldigten. Nachdem die nöthigen Schiffe
und Nachen, um über den Oxus zu setzen, herbeigeschafft
worden, hatte der Uebergang über denselben statt, durch
welchen Persiens Loos, wie das Roms durch den Uebergang über
den Rubicon, entschieden ward; am ersten Tage des letzten
Mondes des 653sten Jahres der Hidschret, d. i. am ersten
Januar des Jahres 1256 unserer Zeitrechnung. |