Zweites Buch
Die Gemahlinnen Hulagu's.
Die erste und grösste Gemahlin, deren Rang bei den Mongolen
immer den andern weit voraus und welche die Frau und
Gebieterin des Harems, wie noch heute bei den Perserinnen die
grosse Frau, war Tokus Chatun, d. i. die Frau Neun, die
Keraitin, welche der Vater Tuli kurz vor seinem Tode zur Frau
genommen, aber ohne dieselbe zu berühren gestorben war. Nach
der mongolischen Sitte, vermöge welcher die Söhne die vom
Vater hinterlassenen Stiefmütter als Gemahlinnen erben, ward
dieselbe mit Hulagu vermählt, sobald das Heer auf dem
Rückmarsche aus China den Oxus passirt hatte. Tuli war in
seinem vierzigsten Jahre gestorben und Hulagu damals sechzehn
Jahre alt; seine Stiefmutter, vielleicht jünger oder nicht
viel älter, hätte also wohl bald ihrem stiefmütterlichen
Ansehen als wirkliche Mutter neues Gewicht beifügen können;
allein sie ward nie Mutter und behauptete sich dennoch bis zu
ihrem Tode in dem höchsten Ansehen als grosse Frau und
Gebieterin des Frauengemachs, als die erste Rathgeberin und
mütterliche Freundin Hulagu's, was fast vermuthen lässt, dass
sie vielleicht um Vieles älter, erst dem Vater Tuli und dann
dem Sohne von der Mutter des letzten, der staatsklugen
Sijurkukteni, ihrer Tante, mehr an die Hand, als ins Bett
gegeben worden. Hulagu nahm sie zur Gemahlin und ihre
Schwester Tukini zur Beischläferin, die ihm eben so wenig als
die Schwester Kinder gab. Sie waren beide die Töchter Ettiko's,
des zweiten Sohnes Owangchan's, die Nichten der Frau
Sijurkukteni, der Mutter Hulagu's, welche die Tochter
Hakembo's, des Bruders Owangchan's, und waren also beide die
Basen Hulagu's, beide Christinnen, wie Sijurkukteni, und in
der freien Ausübung ihres Cultus eben so wenig beirrt, als
ihre Tante Sijurkukteni vom Gemahle Tuli. Inmitten des Lagers
Hulagu's hatte sie ihre von nestorianischen Christen bediente
Kapelle mit Glockengeläute, die grosse Beschützerin der
Christen und Missionäre bei ihrem Gemahle. Wie sich Hulagu
zwei Schwestern Keraitinnen, die eine als Frau, die andere als
Beischläferin, genommen, so auch zwei Gemahlinnen Schwestern
aus dem mit dem Hause Tschengischan's so vielfach
verschwägerten Stamme der Uirat, nämlich Kubak oder Kojuk
Chatun, die Mutter seines zweiten Sohnes Dschumkur, und ihre
Stiefschwester Oldschai, die Mutter seines eilften Sohnes
Mengku Timur; beide waren die Töchter Turaldschi's, des Sohnes
Kutuke's, des Fürsten der Uirat. Tschengischan hatte dem
Turaldschi seine Tochter Dschidschegan zur Frau gegeben,
welche ihm den Sohn Buka Timur geboren; aus einer anderen
Gemahlin hatte Turaldschi die beiden Töchter Kubak und
Oldschai, welche also die Stiefschwestern Dschidschegan's, der
Tante Hulagu's, seine Stiefbasen waren; die beiden anderen
Gemahlinnen waren zwei Konghuratinnen: Kutui Chatun, aus deren
Lager Hulagu sieben Beischläferinnen genommen, die Mutter
Tekschin's, seines vierten, und Ahmed Tekudar's, seines
siebenten Sohnes; und Mertai Chatun, welche kinderlos, wie die
grosse Frau Tokus Chatun und ihre Schwester Tukini; endlich
die Frau Jisut oder Jisuntschin, aus dem Stamme Suldus, die
Mutter des Kronprinzen Abaka. Wir mussten in diese
Umständlichkeiten eingehen, weil sich nur aus denselben das
Resultat der die Wahl der Gemahlinnen mongolischer Herrscher
leitenden Staats- und Familien-Maximen klar herausstellt. Von
diesen sieben Gemahlinnen waren vier Blutsverwandte, nämlich
zwei Basen, obendrein Stiefmütter, und zwei Stiefbasen; dann
waren die zwei Stämme, denen diese zwei Schwesterpaare
angehörten, nämlich die Kerait und die Uirat, sowie der der
Konghurat, aus welchem die zwei anderen Gemahlinnen, die mit
dem Hause Tschengischan's am vielfältigsten verschwägerten,
die früher als andere der aufsteigenden Macht Tschengischan's,
sich derselben unterwerfend, gehuldigt. Die Wahl der Frauen
Gemahlinnen wurde also vorzüglich durch die Politik, durch die
Freundschaft der Stämme und die nächste Verwandtschaft
bestimmt. |