Zweites Buch
Die Mongolen im westlichen Persien vor Hulagu.
Persien wurde von den Mongolen in zwei Statthalterschaften
getheilt, wovon die östliche Chuaresm und Chorasan, die
westliche das persische Irak und Aserbeidschan in sich
begreift. Um die Statthalter nicht zu vermengen, überblicken
wir zuerst das westliche oder eigentliche Persien, welches in
dieser Zeit nur zwei Statthalter hatte, nämlich Dchurmaghun
und Baidschu Nujan, und dann erst das östliche, wo die
Begebenheiten verwickelter durch die Ränke der Nebenbuhler um
die Leitung der Geschäfte. Als die Mongolen bei der Verfolgung
Chuaresmschah's zum erstenmal die Gegend um Irbil verwüsteten,
rüstete der Chalife Mostanssirbillah ein Heer und rief die
moslimischen Fürsten zur Hülfe auf; bei dem zweiten Einfalle
nahmen sie die Stadt Irbil, doch nicht die Citadelle, ein; sie
drangen bis Schengabad und Sermenrai vor, der Chalife setzte
Bagdad in Vertheidigungsstand und rief alle Einwohner zu den
Waffen auf. Am rothen Berge (Dschebel Hamrin) ober Tekrit
wurden die Mongolen geschlagen und ihnen die Gefangenen, die
sie von Irbil und Dakuka weggeschleppt, abgenommen; ein Corps
von fünfzehntausend Mongolen, das bald darauf bis Dschaaferije
vordrang, zog sich bei der Annäherung des Chalifen zurück.
Noch im selben Jahre war ein Corps von gleicher Stärke bis
Chanekin vorgedrungen und schlug das ihnen vom Chalifen
entgegengesandte, das nur halb so stark. Im Norden hatten sie
sich Gendsche's bemächtigt, und Dschurmaghun's Heere
überschwemmten Georgien und Armenien. Er eroberte das Land
zwischen dem Arras und Kur und in Georgien die Hauptstadt
Tiflis nebst anderen Städten. Er belagerte und verheerte Rei;
hierdurch erschreckt, trugen ihm die Bewohner von Karss die
Schlüssel ihrer Stadt entgegen; nichtsdestoweniger wurden die
waffentüchtigen Einwohner niedergemacht, mit Ausnahme der
Kinder und Handwerker, die in die Sklaverei geschleppt wurden.
Der armenische Prinz Awak begab sich mit seiner Schwester
Thamtha an den Hof Gujuk's, um die Zurückstellung des
väterlichen Erbes zu erflehen, und sie erhielten hiezu den
Befehl an Dschurmaghun. Nach dessen Tode setzte sein
Nachfolger Baidschu Nujan die Eroberungen seines Vorfahrers
fort. Er wandte seine Waffen gegen Ersenrum, Ersendschan, und
schlug das in der Ebene von Akschehr bei Ersendschan
verstärkte Heer des Sultans von Rum, unter dessen Verbündeten
zweitausend von Johann Limminata aus Cypern und Bonifacio de
Castro von Genua befehligte Truppen; diess ist die oberwähnte
Schlacht von Kösetag, welcher Berg sonst Alakjuh hiess. Nach
dem über den Sultan erfochtenen Siege wurden Siwas, Tokat und
Kaissarije geplündert und verheert; ein General des Sultans
und der Richter von Amasia kamen in's mongolische Lager von
Siwas und unterhandelten einen Frieden, vermöge dessen der
Sultan jährlich einen Tribut von hundert zwanzigtausend
Goldstücken, fünfhundert Stück Stoffe, fünfhundert Kamele,
fünfhundert Sklaven zu leisten verbunden. Keichosrew war zu
glücklich, diesen ohne seine Vollmacht abgeschlossenen
Friedensvertrag zu bestätigen. Bei ihrem Abzuge erstürmten die
Mongolen Ersendschan und machten die Einwohner nieder. Malatia
kaufte sich von der Plünderung durch viertausend Goldstücke
los, zu deren Vervollständigung die goldenen und silbernen
Kirchengefässe, die Heiligenschreine und Reliquienkästen
ausgeliefert werden mussten. Wahrscheinlich war es derselbe
mongolische Feldherr Irsane, welcher zweimal Bohemund V., den
Fürsten von Antiochien, auffordern liess, die Mauern seiner
Festungen zu brechen und ihm dreitausend Jungfrauen zu
liefern; die Forderung wurde abgeschlagen, aber später zahlten
die Fürsten von Antiochien an die Mongolen Tribut.
Schihabeddin, der Fürst von Miafarakain, durch einen
mongolischen Gesandten aufgefordert, seine Mauern zu
schleifen, antwortete, dass er nur ein kleiner Fürst, dem
Beispiele der Sultane Syriens und Aegyptens folgen werde.
Hethum I., der armenische Fürst Ciliciens, suchte durch
Gesandte mit reichen Geschenken Baidschu's Schutz an. Baidschu
forderte vor allem die Auslieferung des Harems Keichosrew's,
des Sultans von Rum, und Hethum erkaufte um diesen Preis den
Frieden und das Diplom als Vasall des grossen Kaan's. Im
folgenden Jahre eroberten die Mongolen die nördlich des Sees
von Wan gelegenen Länder, die sie auf Ogotai's Befehl der
armenischen Prinzessin Thamtha übergaben. Sie nahmen Amid,
Roha, Nissibin. Der Fürst von Mossul, Bedredin Lulu, schloss
in seinem und des Fürsten von Damaskus Namen einen Vertrag
von, in drei Klassen geregelter, Kopfsteuer ab. Im folgenden
Jahre erschienen die Mongolen zum fünftenmal in der Nähe
von Bagdad zu Dakuka, von wo sie der kleine Diwitdar
zurückschlug, und im folgenden Jahre tödteten die Mongolen zu
Dakuka den Statthalter Belban; sie plünderten die Karawanen,
und Jesaur verheerte die Gegend um Malatia. Die gleichzeitigen
Begebenheiten Rum's und Armeniens gehören in die Geschichte
dieser Länder und ihrer Fürsten; wir erwähnen nur noch der
Mission der vier Dominikaner, welche Baidschu auf den ihm im
Namen des Papstes gemachten Antrag, sich zum Christenthume zu
bekehren, tödten wollte. Einer seiner Offiziere hatte sogar
vorgeschlagen, den ersten der Missionäre zu schinden und seine
ausgestopfte Haut dem Papst als Antwort zu senden; doch auf
die Fürbitte der Gemahlin Baidschu's wurde ihnen nicht nur das
Leben geschenkt, sondern sie erhielten sogar ein in dem
Missionsberichte bis auf uns gekommenes Schreiben und wurden
von zwei Gesandten Baidschu's an den Papst begleitet, der sie
auf das Ehrenvollste empfing und mit Geschenken überhäufte. |