Zweites Buch
Dschintimur, Körgös, Statthalter Chorasan's.
In Persien liess Tschengischan, nachdem er abgezogen, als
Statthalter den Dschintimur zurück, welchem von allen vier
Ulusen, d. i. Stämmen des Urugh, d. i. des Hauses
Tschengischan's, ein Amtsgehülfe beigegeben war, indem
Chorasan als ein, allen vier Söhnen Tschengischan's
gemeinsamer Besitz betrachtet ward; eine Zeit lang dem
Dschurmaghun, dem Statthalter Feldherrn in Persien,
untergeordnet, unter dessen Oberbefehl er die, Chorasan noch
verheerenden türkischen Schaaren Chuaresmschah's schlug,
erhielt Dschintimur von Ogotai die unabhängige
Statthalterschaft Chorasan's und Masenderan's; als Gehülfe vom
Blute des Kaan's war ihm Kelilat beigegeben; er selbst verlieh
beide höchsten Staatsämter, nämlich das des Wesirs oder
Inhabers des Diwans und die Stelle des Staatssekretärs, an
zwei Moslimen, jenes an Scherefeddin von Jesd, dieses an
Behaeddin von Dschuwein, den Vater Athamülk's, des
Geschichtschreiber's. Nach Dschintimur's Tod erhielt seine
Stelle Nussal, welcher schon von Tschengischan dem Dschintimur
als Amtsgehülfe von Seite des Uluses Dschudschi's beigegeben
worden war. Dem Nussal folgte in der Statthalterschaft bald
Körgös, d. i. Blindaug, welcher, an den Hof Ogotai's gesandt,
um über die Verwaltung Chorasan's Bericht zu erstatten, gefiel
und von seinem Landsmanne, dem Staatssekretär Dschinkai dem
Uighuren, begünstigt. Der Kämmerer Danischmend, Gegner
Dschinkai's, bemühte sich seinerseits, die Statthalterschaft
Chorasan's dem Sohne Dschintimur's zu verschaffen; Dschinkai
wünschte jedoch seinem Schützling ein Jerligh, d. i. Diplom,
des Kaan's zu verschaffen, vermöge welchem ihm die
statistische Zählung der Bewohner Chorasan's und Masenderan's
aufgetragen und alle Macht in seine Hände concentrirt ward.
Der Wesir Scherefeddin und Kelilat, ihrer Wirksamkeit durch
das Jerligh beraubt, schmiedeten mit Ongu Timur, dem Sohne
Dschintimur's, Ränke wider Körgös am Hofe des Kaan's, der ihn
auf ihre Beschwerden zu sich berief. Körgös machte sich auf
den Weg, indem er den Behaeddin von Dschuwein an der Spitze
der Verwaltung zurückliess. Auf dem Wege in's Hoflager
begegnete er zu Binaket den Commissären des Kaisers, welche
ihm zurückzukehren befahlen; es kam vom Wortwechsel zu
Thätlichkeiten, in welchen Körgös blutig geschlagen und ihm
ein Zahn gebrochen ward; er musste den Commissären folgen,
aber in der Nacht sandte er einen Eilboten mit seinem
blutbefleckten Kleide nach Hof. Ogotai, über diese Behandlung
seines Statthalters aufgebracht, berief ihn zu sich; allein
die Gegner Kelilat und der Sohn Dschintimur's folgten ihm auf
dem Fusse. Zu Bochara wurde bei einem demselben gegebenen
Feste Kelilat am hellen Tage ermordet. Ogotai wollte in dem
ihm vom Sohne Dschintimur's dargebrachten Zelte speisen; kaum
hatte er es verlassen, als es ein Windstoss zusammenriss.
Ogotai, durch diese böse Vorbedeutung erschreckt, befahl, es
in Stücke zu zerreissen. In dem von Körgös ihm dargebrachten
Zelte fand er im Gegentheil einen mit Juwelen besetzten
Gürtel, nach dessen Umbindung sein Lendenschmerz verschwand,
so dass er guten Muths wieder zechte. Die beiden Nebenbuhler
um Chorasan's Statthalterschaft blieben mehrere Monate am Hofe
Ogotai's, welcher wünschte, dass sie sich vertrügen, und ihnen
befahl, aus demselben Becher zu trinken, dasselbe Zelt zu
bewohnen, nachdem sie zuvor ihre Waffen abgegeben. Da
sie sich nichtsdestoweniger nicht verglichen, ward, als sie
Beide in Ogotai's Gegenwart vor Gericht erschienen, der Sohn
Dschintimur's als schuldig verurtheilt, und sollte an den
Herrscher seines Uluses, nämlich an Batu, ausgeliefert werden.
Der Sohn Dschintimur's flehte den Kaan, selbst sein Schicksal
zu entscheiden, indem ein Hund, wie er, nicht werth sei, dass
zwei grosse Herrscher, wie Ogotai und Batu, sich über ihn
beriethen. Du hast Recht, sprach Ogotai, Batu's Strenge würde
selbst seinem Sohne, wenn er sich in deinem Falle befände,
nicht verzeihen. Dem Sohne Dschintimur's wurde verziehen; aber
seine Begleiter wurden nach der Jasa bestraft, welche über die
Verläumder Strafen verhängt. Körgös verwaltete Chorasan mit
Gerechtigkeit und Einsicht, baute Tus und Herat aus ihrem
Schutte wieder auf und warf den Ränkeschmied Scherefeddin,
welcher unter dem Scheine der Freundschaft gearbeitet, in's
Gefängniss; dieser aber fand mittels seines Weibes Schutz beim
Uluse Dschagatai, und Arghun wurde mit dem Befehle abgesandt,
den Körgös lebendig oder todt nach Hofe zu bringen. |