Zweites Buch
Gesandtschaften Hulagu's an den Chalifen und
Prophezeihungen.
Diess waren die Zustände Bagdads, als Hulagu, durch
Alkami's Einladung und Nassireddin's Vorhersagung
aufgemuntert, von seinem Lager zu Hamadan aus an den Chalifen
einen Gesandten mit dem Begehren schickte, dass er entweder
selbst erscheine oder eine der vier Säulen seines Hofes,
nämlich den Wesir, den kleinen Diwitdar, den Heerführer
Suleimanschah oder den Mundschenken sende. Moteaassim, statt
diesem befehlartigen Begehren zu willfahren, sandte den
Scherefeddin Ibnol Dschewsi, einen durch Beredtsamkeit
ausgezeichneten Gelehrten, und den Bedreddin Mohammed von
Nachdschiwan. Hulagu, als er von ihrer Sendung Kunde erhielt,
sagte in aufwallendem Zorne: Der Chalife handelt krumm, wie
ein Bogen; Gott gebe, dass ich ihn wie ein Pfeil gerad machen
könne. Den Gesandten, als sie vor ihm erschienen, herrschte er
entgegen: Gott hat dem Hause Tschengischan's die Herrschaft
vom Osten bis Westen verliehen; wer sich uns unterwirft,
dessen Blut und Gut wird nicht verderbt und vergossen, wenn
nicht, ist dessen Untergang beschlossen. Wir ziehen mit einem
Heer, zahlreich wie Heuschrecken und Ameisen, wider Bagdad.
Als die Gesandten mit dieser Botschaft zurückgekehrt, rieth
Ibn Alkami, tausend Lasten Korn, tausend Kameele, tausend
Pferde für Hulagu mit vielen Geschenken für die Prinzen
huldigend, mit Ueberlassung der beiden Majestätsrechte des
Islams: des Kanzelgebets und der Münze, abzusenden. Der kleine
Diwitdar Modschahiddin Ibek machte Vorstellungen dagegen, aber
Ibn Alkami, der die Schwächen und den Dünkel des Chalifen
kannte, bestärkte ihn in demselben, indem er in seinen Reden
die Macht der Mongolen verkleinerte, die des Chalifen
vergrösserte und dem neuaufgeschossenen Pilzlinge mongolischer
Herrschaft die uralte legitime des Hauses Abbas
entgegenstellte. Suleimanschah, der Oberstbefehlshaber,
Fetheddin Ibn Kerr, der grosse Diwitdar und der kleine
Modschahiddin Ibek versammelten sich beim Wesire, ihren Aerger
über die Sorglosigkeit und Blindheit des Chalifen in bitteren
Worten lüftend. Suleimanschah trug sich an, dem Feinde
entgegen zu ziehen, und Alkami ging zum Scheine in den
Vorschlag ein, wohl wissend, dass der Chalife seinem Rathe
folgsam, dass er Rüstung und das zum Solde der Truppen nöthige
Geld verweigern werde. Er sandte auf dessen Rath den Bedreddin
von Nachdschiwan und den Richter Berdindschan mit geringen
Geschenken und der hochtrabenden Botschaft: Alle Fürsten,
welche sich jemals wider das Haus Abbas zu erheben gewagt,
seien zu Grunde gegangen; Beispiele davon seien Jakub Leis der
Soffaride, der Türke Besasiri, der Seldschuke Sultan Mohammed
und Mohammed Chuaresmschah, welche Alle das Verderben ereilt,
das auch Hulagu's harre, wenn er auf seinem Vorhaben bestehe.
Hulagu, ergrimmt, antwortete ihnen mit dem persischen Verse
des Schahname:
Bau' nur zu, aus Eisen deinen Wall,
Führe Bollwerk auf mit Zinnen,
die von Stahl, Rüst' aus ein Heer von Peris und von Dschinnen,
Komm' nur heraus, du wirst den Tod gewinnen;
Birgst unter'm Himmel dich, ich will dich suchen,
Ich werde dich im Schlund des Löwen suchen.
Hulagu war nun zuerst bedacht, sich des grossen Passes von
Deriteng, d. i. Engthor, welcher über das gordiaische Gebirge
oder den Zagros in die Ebene des arabischen Irak führt, zu
versichern. Auf steilem Felsen, auf der Heerstrasse vom
persischen ins arabische Irak erhebt sich das Schloss in einer
engen Schlucht, wovon es den Namen Engthor führt. Die Bewohner
dieser Felsenschlucht waren nicht minder durch ihre Schönheit,
als das Schloss durch seine Festigkeit berühmt. Dieselbe wird
vom Diala durchbrochen, welcher in der Entfernung einiger
Stunden oben an den Ruinen von Kassr Schirin (das alte
Artemita) vorbeifliesst. Hulagu, dem nicht unbekannt, dass
Hosameddin Aka, der Befehlshaber des Engpasses, sich über den
Chalifen zu beklagen habe, lud ihn zu sich, überhäufte ihn mit
Ehren und Geschenken und schenkte ihm die Schlösser Disser, d.
i. das Goldschloss, Dis Merdsch, d. i. das Wiesenschloss, und
einige andere; aber hierdurch übermüthig, sandte Aka an
Ssalaje, den Befehlshaber von Irbil, Wort, dass, wenn ihm der
Chalife sein Vertrauen schenken wolle, er mit hunderttausend
Turkmanen und Kurden den Hulagu zurückzutreiben bereit. Der
Chalife gab diesem Vorschlage kein Gehör. Hulagu, der davon
Kunde erhalten, sandte den Keitbuka mit dreitausend Reitern
mit dem scheinbaren Auftrage, sich mit Aka über die Mittel des
Marsches nach Bagdad zu berathen. Dieser ging in die Falle;
Keitbuka, Herr seiner Person, forderte die Schleifung der
Schlösser und er ward, nachdem dieselben geschleift waren,
getödtet. Kein günstiger Stern waltete über dem Haupte des von
Mengukaan seinem Bruder zur Berathung beigegebenen Astronomen
Hosameddin. Um seine Meinung über den Zug wider Bagdad
befragt, sagte er unter Verbürgung mit seinem Kopfe, im Falle,
dass der Marsch unternommen werde, sieben Unfälle voraus: den
Fall von Pferden und Menschen durch Seuchen, Mangel an Sonne
und Regen, schreckliche Orkane und Erdbeben, Unfruchtbarkeit
und Hungersnoth und endlich den Tod eines grossen Monarchen im
selben Jahre. Hulagu liess sich diese Prophezeihung und
Bürgschaft schriftlich geben und befragte nun den Astronomen
Nassireddin, was denn geschehen würde, wenn er nach Bagdad
zöge; Nichts, antwortete Nassireddin, als dass Hulagu die
Stelle des Chalifen einnehmen wird. Er zerstreute hierauf alle
Besorgniss Hulagu's über etwa aus solchem Zuge wider Bagdad zu
befürchtende Unglücke durch die Anführung geschichtlicher
Beispiele. Tahir sei aus Chorasan wider Bagdad gezogen und
habe den Bruder des Chalifen erschlagen; Motewekkil und sein
Sohn und mehrere Chalifen seien erschlagen worden, ohne dass
für die Stadt irgend ein Unheil daraus entstanden. Hulagu
ergab sich gern den seinen Wünschen schmeichelnden
Versicherungen des Astronomen von Tus; der andere wurde, da
keine seiner Prophezeihungen eingetroffen, fünf Jahre hernach
hingerichtet.